Lücke im CV: Keine Panik!

Eine Lücke im Lebenslauf kann viele Gründe haben: Nach dem Studium den Kopf lüften bevor man in die Arbeitswelt eintaucht. Oder man gönnt sich eine kleine Pause zwischen zwei Stellen. Wie gehe ich mit solchen Auszeiten im Lebenslauf um? Fatima Malik, Rekrutierungsspezialistin bei der Zürcher Kantonalbank, gibt Tipps.

Text: Ina Gammerdinger / Bild: Simon Baumann

Fatima Malik
«Wir müssen wegkommen von der Einstellung, dass nur Lebensläufe perfekt sind, bei denen die Anstellungen nahtlos ineinander übergehen»: Rekrutierungsspezialistin Fatima Malik.

Frau Malik, wie kann ich Lücken im Lebenslauf kaschieren?

Kaschieren ist der falsche Ansatz. Auch von einer «Lücke» zu sprechen widerstrebt mir etwas. In einer geeigneten Bewerbung suche ich – neben den vorausgesetzten Qualifikationen – immer nach dem gewissen Etwas. Ich möchte die Persönlichkeit spüren. Ich suche ja nicht nur Personen, die fachlich unsere Anforderungen erfüllen, sondern Menschen, die in unsere Kultur und zu unseren Werten passen. Wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat sich zum Beispiel auf einer nicht beruflichen Ebene weiterentwickelt hat, weckt das meine Neugier. Auch können solche Engagements Aufhänger für den Einstieg in ein Bewerbungsgespräch sein. Wichtig finde ich, dass man berufliche Auszeiten sauber angibt und diese fürs Recruiting-Team nachvollziehbar sind.

Auszeiten im CV muss man also nennen. Aber wie?

Ich würde mal sagen: Nennen Sie das Kind beim Namen. Haben Sie sich dazu entschieden, ihr Kind zuhause zu betreuen, dann nennen Sie das Elternzeit. Haben Sie Spanisch in Chile gelernt? Dann war das eine Auszeit, die man als Reisen und Besuch einer Sprachschule benennt. Was bei mir persönlich nicht gut ankommt, ist die Elternzeit, die als «Familienmanager-Stelle» aufgeführt wird oder ein Sabbatical, welches drei Jahre andauerte. Es gilt: Wer authentisch ist, der punktet. Wir müssen wegkommen von der Einstellung, dass nur Lebensläufe perfekt sind, bei denen die Anstellungen nahtlos ineinander übergehen. Ganz im Gegenteil: Auszeiten können sehr hilfreich sein. Oftmals hat man genau dann Zeit, sich mit Neuem zu beschäftigen und neue Erfahrungen zu sammeln. Davon profitiert auch der (potenzielle) Arbeitgeber.

Wie benenne und beschreibe ich eine Auszeit auf LinkedIn?

Plattformen wie LinkedIn haben uns Rekrutern eine ganz neue Welt eröffnet. Es ist toll, sich auf eine unkomplizierte Art auszutauschen und zu vernetzen. Unterschiede im Lebenslauf und dem LinkedIn-Profil fallen aber dann natürlich schnell auf. Am besten fährt man also, wenn man die Auszeiten auf LinkedIn gleich wie im CV benennt.

Ist ein Sabbatical gesellschaftsfähig?

Absolut. So eine Auszeit macht Sinn, wenn man sich allein schon mit dem Wort «Sabbatical» auseinandersetzt: Es stammt aus dem Hebräischen und wird vom Wort «Sabbat» abgeleitet, was nichts anderes bedeutet als «innehalten». In dieser Zeit entschleunigen Menschen und besinnen sich darauf, was ihnen im Leben eigentlich wichtig ist. Nicht selten verändern Menschen nach einer Auszeit ihre Gewohnheiten, ihren Job oder ihre Zukunftsplanung. Wenn man die Auszeit richtig genutzt hat, startet man wieder frisch und motiviert durch. Das ist auch für den Arbeitgeber wertvoll.

Es gibt aber nicht nur gewollte Auszeiten. Wie formuliere ich eine Arbeitslosigkeit im CV positiv?

Am besten beschreibt man es ebenfalls als aktive Tätigkeit. Man ist also nicht «arbeitslos», sondern «arbeitssuchend». Und man zeigt auf, was man in dieser Zeit gemacht hat: Welche Kurse oder Weiterbildungen habe ich besucht? Oder welche Tätigkeiten habe ich ehrenamtlich ausgeübt?

Ich war lange krank oder habe einen Angehörigen gepflegt. Wie beschreibe ich das?

Aufführen, aber nicht weiter ins Detail gehen – das ist schliesslich sehr privat. Man kann aber durchaus schreiben, dass man einen Angehörigen gepflegt hat. Übrigens wirkt so eine Lücke – wenn man hier überhaupt von einer sprechen will – auch sympathisch. Einen Menschen pflegen ist eine grosse und verantwortungsvolle Aufgabe. Diese Werte sprechen für einen selbst.

Wann beeindruckt Sie eine Bewerbung?

Mir fallen immer die Bewerbungen besonders ins Auge, bei denen ich alle relevanten Informationen auf einen Blick finde, das Dossier gut strukturiert ist und Charakter hat. Finde ich im CV alle relevanten Informationen, wandere ich zum Motivationsschreiben weiter. Hier hat man dann die Möglichkeit zu beeindrucken. Man möchte meinen, dass der Inhalt klar ist. Tatsächlich bekomme ich aber in den wenigsten Fällen eine Antwort darauf, wieso sich die Bewerberin oder der Bewerber für die offene Stelle und einer Anstellung bei uns interessiert! Oftmals wird in Prosaform wiedergegeben, was ich im CV schon gelesen habe. Spüre ich hingegen echte Leidenschaft und ist diese für mich greifbar, dann bin ich begeistert.

Welche Tipps haben Sie fürs CV?

  1. Aktuelle Stelle immer zuerst nennen; Kompetenzen müssen klar ersichtlich sein – Bogen zur ausgeschriebenen Stelle schlagen (Welche Kompetenzen bringe ich für den Job mit?).
  2. Dem Personaler den Job leicht machen: Struktur schaffen, auf den Punkt kommen, keine Fragen unbeantwortet lassen. Im Hinterkopf behalten: Ich muss aus dutzenden Bewerbungen herausstechen.
  3. Lücken ab einem Zeitraum von zwei Monaten erklären, sonst wirft das Fragen auf. Und wichtig: Mut zur Lücke haben, denn Lücken sind nicht negativ!

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