Foodwaste-Reduktion, Muskelregeneration, Prozessorarchitektur: Welches Start-up setzt sich durch?

Die Finalisten des ZKB Pionierpreis Technopark 2023 sind bekannt. Drei Start-ups haben am 31. Mai 2023 die Chance, den mit 100'000 Franken dotierten Preis zu gewinnen: MUVON Therapeutics aus Zürich, AgroSustain aus Renens VD und Synthara aus Zug.

Text: Andreas Dürrenberger / Bilder: Boris Adolf Photography​

Der ZKB Pionierpreis Technopark ist eines von vielen Engagements, mit denen die Zürcher Kantonalbank Forschung, Innovation und Bildung fördert.

46 Start-ups haben sich um den diesjährigen ZKB Pionierpreis Technopark beworben, zwölf junge Unternehmen, die den Stand der Technik weiterbringen, schafften es in die engere Auswahl. Drei von ihnen hat die achtköpfige Jury nun als Finalisten gekürt. Ihre Tätigkeitsgebiete sind ausgesprochen divers. AgroSustain etwa kämpft mit natürlichen Pflanzenbeschichtungen gegen Foodwaste. MUVON Therapeutics nutzt körpereigene Zellen, um Muskeln zu regenerieren. Und Synthara entwickelt Computerchips, die nochmals deutlich kleiner und leistungsfähiger sind als herkömmliche Prozessoren.

So unterschiedlich Branchen und Herkunft der Finalisten auch sind – ihr hoher Innovationsgrad und ihre ambitionierten Ziele vereinen sie. Dieses Engagement würdigt der ZKB Pionierpreis Technopark. Nebst der finanziellen Unterstützung erhalten die Start-ups auch eine Bühne, auf der sie sich der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Netzwerk erweitern können.

AgroSustain (Renens VD): Natürlicher Pflanzenschutz

Olga Dubey, Mitgründerin von AgroSustain.

Seit Mai 2018 entwickeln die Firmengründer Olga und Sylvain Dubey und über zehn weitere Spezialistinnen und Spezialisten bei AgroSustain biologische Beschichtungen, um die Frische und Haltbarkeit von Obst, Gemüse und Blumen nach der Ernte zu verlängern. Das Ergebnis ist eine hochwirksame, natürliche Beschichtung, die auf die Pflanzen gesprüht werden kann und eine unsichtbare, geruchs- und geschmacksneutrale Schutzschicht bildet. Dank dieses Überzugs sind die Produkte bis zu einem Monat länger haltbar, wodurch die Verschwendung von Lebensmitteln deutlich reduziert wird. Für einige Produkte sind gar keine Plastikverpackungen mehr erforderlich. Das bereits lieferbare Mittel schützt die pflanzlichen Produkte und reguliert deren Flüssigkeitshaushalt. Die nächste Generation der Beschichtungen wird zusätzlich auch fungizid sein und dies weiterhin auf rein natürlicher Basis. Das Start-up ist ein Spin-off der Universität Lausanne und heute in deren Nähe zu Hause. 
www.agrosustain.ch

MUVON Therapeutics (Zürich): Personalisierte Muskelregeneration

Deana Mohr​ ist eine der vier Gründerinnen von ​MUVON Therapeutics.

Wie kann man körpereigene Zellen zur Regeneration von Skelettmuskelgewebe nutzen und das Regenerationspotenzial geschwächter Muskeln erhöhen? 2020 gründeten Deana Mohr, Jenny Prange, Steve Kappenthuler und Daniel Eberli MUVON Therapeutics, ein Start-up mit Sitz am Wyss Zurich Translational Center, einem Joint Venture von ETH Zürich und Universität Zürich. Die Forscherinnen und Forscher setzen personalisierte Medizin und minimalinvasive, risikoarme Methoden ein, um Krankheiten zu behandeln, die mit der Schädigung oder dem Abbau von Skelettmuskeln zusammenhängen. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Behandlung von Belastungsharninkontinenz bei Frauen mit Hilfe von Gewebe-Bioengineering. In Phase 1 sind bereits neun Patientinnen erfolgreich behandelt worden. Aus dem körpereigenen Gewebe der Patientinnen werden Muskelvorläuferzellen entnommen und isoliert, die dann kontrolliert expandiert und anschliessend in das betroffene Muskelgewebe injiziert werden. Durch die nachfolgende Regeneration des Blasenschliessmuskels soll eine der Hauptursachen der Inkontinenz behoben werden, was zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen führt.
www.muvon-therapeutics.com

Synthara (Zug): In-Memory-Rechenkapazitäten

Manu V Nair, Mitgründer von Synthara.

Prozessoren und Speicher müssen viel enger integriert werden, um die Systemeffizienz zu erreichen, welche für die schnelleren und intelligenteren Geräte und Applikationen von morgen erforderlich ist. Die von Alessandro Aimar und Manu V Nair gegründete Synthara ermöglicht dies durch die Integration von Prozessorkapazitäten im Speicher selbst. So entsteht eine Prozessorarchitektur, die 50-mal leistungsfähiger ist als herkömmliche. Die daraus resultierenden Chips sind nicht nur schneller, sondern können auch 15 bis 20 Prozent kleiner sein als bisherige Chips, was neue, bisher unerreichbare Produkteigenschaften ermöglicht. Am wichtigsten ist jedoch, dass die neuen Prozessoren auch mit bestehenden Anwendungen und Software-Stacks rückwärtskompatibel sind. Die erste Generation der Synthara-Produkte zielt auf Edge-Computing-Anwendungen wie Wearables, intelligente Sensoren und ähnliche Signalverarbeitungs-anwendungen. Die ersten Muster werden im Laufe dieses Jahres an eine ausgewählte Gruppe von Early-Adopter-Kunden ausgeliefert.
www.synthara.ai

Wie die Zürcher Kantonalbank Innovation und Forschung fördert

Der ZKB Pionierpreis Technopark ist eines von vielen Engagements, mit denen die Zürcher Kantonalbank Forschung, Innovation und Bildung fördert. So stellt sie beispielsweise Hochschulen in Zürich erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung. Sie ist Hauptsponsorin des Innovations- und Technoparks im Kanton und unterstützt verschiedene Institutionen, die Start-ups begleiten.

Als eine der grössten und aktivsten Investorinnen in der Schweiz stattet sie zudem Start-ups mit Risikokapital aus. Deren innovative Produkte und Dienstleistungen tragen zur Lösung ökologischer, gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Herausforderungen bei. Mit ihrem Engagement kommt die Zürcher Kantonalbank ihrem Leistungsauftrag nach, der genau das verlangt: Den Kanton bei der Lösung seiner Aufgaben in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu unterstützen.

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