Geldfragen: Macht Geld glücklich?

Urs Siegfried, Initiator und Leiter des Zürcher Philosophie Festivals, sinniert in seiner Kolumne zu Fragen rund um die Themen Geld und Werte.

Text: Urs Siegfried, Leiter Zürcher Philosophie Festival | aus dem Magazin «ZH» 1/2022

Illustration des Philosophen Urs Siegfried
Philosoph Urs Siegfried (Illustration: Florian Bayer)

Dagobert oder Diogenes, das ist hier die Frage. Dagobert Duck schwimmt im Geld und planscht glücklich im Talermeer seines Geldspeichers. Der griechische Philosoph Diogenes dagegen wohnte in einem Fass und vertrat die Ansicht, dass nur die Unabhängigkeit von überflüssigen Bedürfnissen glücklich macht.

Das Bundesamt für Statistik gibt Dagobert recht: Die neueste Untersuchung zur Lebenszufriedenheit in der Schweiz zeigt, dass Menschen mit einem höheren Einkommen glücklicher sind als jene mit einem niedrigen Einkommen. Das hat wohl damit zu tun, dass das Zuhause unserer Träume kaum einer alten Tonne gleicht. Noch wichtiger dürfte aber sein, dass mehr Geld nun einmal mehr Freiheit bedeutet. Wer mehr finanzielle Mittel hat, hat auch mehr Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten.

Damit hat Dagobert allerdings noch nicht gewonnen. Er planscht nämlich nicht nur glücklich und frei im Geldspeicher, sondern ist gleichzeitig auch getrieben von der Gier nach immer noch mehr Geld. Jean-Jacques Rousseau brachte diese Zweischneidigkeit auf den Punkt: «Das Geld, das man besitzt, ist das Instrument der Freiheit; dasjenige, dem man nachjagt, ist das Instrument der Knechtschaft.» Oder anders formuliert: Wenn unser Geld immer mehr zum Gefängnis wird, anstatt zu mehr Freiheit zu führen, dann ist ein Ausflug von Dagoberts Geldspeicher zu Diogenes ins Fass dringend zu empfehlen.

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