Kurs Grün: Die grüne Cloud

Energiefressende Datenzentren boomen. Mit dem Metro-Campus in Dielsdorf zeigt Green, dass es auch umweltschonend geht.

Text: Othmar Köchle / Illustration: Sarah Mazzetti | aus dem Magazin «ZH» 1/2022

Illustration zu Green Metro-Campus
Der Metro-Campus Zürich soll dank intelligenter Lösungen einen energetisch hocheffizienten und damit nachhaltigen Betrieb ermöglichen.

Im 3. Quartal 2022 ist es so weit: Grosskunden der Green Datacenter AG werden auf dem Metro-Campus Zürich in Dielsdorf das erste von drei Rechenzentren in Beschlag nehmen. Green, das Unternehmen aus Lupfig, investiert in Dielsdorf etwa eine halbe Milliarde Franken.

Der Bau von Rechenzentren in der Schweiz liegt im Trend: Laut einer Analyse des Immobiliendienstleisters CBRE verfügen – gemessen an der Einwohnerzahl – nur die Niederlande über eine grössere Dichte an Datenzentren als die Schweiz. Nach London, Frankfurt, Amsterdam, Paris und Dublin bot die Region Zürich laut dem Bericht bereits 2020 mit 68 Megawatt die sechst­grösste Rechenzentrumsleistung in Europa an. Mit den aktuell geplanten weiteren Kapazitäten wird sich die Leistung in naher Zukunft fast verdreifachen.

Die Schweiz und insbesondere die Region Zürich eignen sich aus mehreren Gründen hervorragend für den Betrieb von Datenzentren. Da ist einerseits die politische Unabhängigkeit des Landes. Andererseits bietet der Standort stabile Verhältnisse, eine moderne technische Infrastruktur und genügend Know-how. Die Nachfrage ist entsprechend hoch – zumal viele einheimische Firmen ihre Daten nicht gern im Ausland halten.

Fernwärme aus dem Rechenzentrum

Beim Metro-Campus Zürich kommt noch ein weiterer Pluspunkt hinzu: Nachhaltigkeit. Ein High-Density-Rechenzentrum benötigt auf kleinem Raum viel Energie. Beim Neubau richtet Green das Augenmerk deshalb auf intelligente Lösungen, die einen energetisch hocheffizienten Betrieb ermöglichen. Die Messgrösse für die Energieeffizienz von Rechenzentren wird mit dem PUE-Wert (Power Use Effectiveness) ausgewiesen. Je höher der Energieanteil für die reine Rechenleistung, desto tiefer und damit auch besser ist der PUE-Wert. Bei der Anlage in Dielsdorf strebt Green einen herausragenden Wert an.

Herkömmliche High-Density-Rechenzentren kommen auf Werte von durchschnittlich 1,8. Das heisst, dass 40 Prozent der Energie nicht für den eigentlichen Zweck, nämlich die Rechenleistung, aufgewendet werden. Green will diesen Wert noch einmal deutlich unterbieten, indem die Abluftwärme gezielt genutzt wird. Einerseits für die Beheizung der neuen Bürogebäude, die auf dem Campus entstehen. Andererseits wird die Wärme in den Wärmeverbund der Gemeinde eingespeist werden, um in einem ausgeklügelten Kreislaufsystem gleichzeitig zurückfliessende Kälte für die Kühlung zu nutzen. Die Rechenzentren erfüllen zudem den Minergie-Standard: Gebäudedesign und -hülle, Materialien, Anlagen und Technologie sind minutiös aufeinander abgestimmt.

Mehr als eine anonyme Datenhalde

In Dielsdorf entstehen aber nicht nur drei moderne Hochleistungsdatenzentren. Der Metro-Campus Zürich will mehr sein. Auf dem 46’000 Quadratmeter grossen Areal entstehen Büro-, Geschäfts- und Begegnungszonen und eine Parkanlage. Man strebe einen Begegnungsort für Innovation mit Raum für kreative Netzwerke an, sagt die Sprecherin von Green. Ende 2023 werden weitere Gebäude in Betrieb gehen. 2024 geht der Ausbau weiter.

Die Rechenzentren sind als Standort für IT-Infrastruktur und Daten für nationale und internationale Unternehmen aller Branchen sowie für Cloud-Anbieter und Technologieunternehmen konzipiert. Sie sind redundant mit den Green-Datacenter-Standorten Lupfig und Schlieren verbunden – ein wichtiger Sicherheitsaspekt.

Ausschliesslich erneuerbare Energie

Die Stromversorger sind angesichts der zahlreichen neuen Rechenzentren in der Region gefordert. Effizienz ist auch deshalb ent­scheidend. Alle vier Standorte der Green-Rechenzentren nutzen für den Betrieb ausschliesslich erneuerbare Energie. Zudem bietet Green diesen Strommix mit entsprechendem Zertifikat auch den Kunden für den Betrieb der Server an. Der Entscheid für die eigenen Systeme liegt jedoch beim Kunden.

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