Warum machen wir das eigentlich so?
Innovation beginnt oft mit einer einfachen Frage: Warum machen wir das eigentlich so? Genau diese Frage stand am Anfang von ImmoHub. Was heute eine zentrale Plattform für Immobiliendaten und Bewertungen ist, entstand aus dem Wunsch, einen gewachsenen Prozess genauer anzuschauen und neu zu denken.
Text: Mirjam Arn, Bilder: Amir Dedic
Ein Prozess, viele Systeme
Bei einer Finanzierung wird eine Immobilie bei der Zürcher Kantonalbank in verschiedenen Prozessen und Systemen verarbeitet. Daten wurden dabei teilweise mehrfach erfasst, übertragen und ergänzt. Gewohnte Abläufe hinterfragt man nicht automatisch. Für Martin Kylewer, der als Fullstack-Entwickler an ImmoHub beteiligt ist, war genau das ein wichtiger Ausgangspunkt: sich die Frage zu stellen, wie es auch anders gehen könnte.
Erst verstehen, dann verändern
Als das Projektteam den Auftrag erhielt, die technische Lösung für den ImmoHub zu entwickeln, begann es deshalb nicht einfach mit dem Bau eines neuen Systems. Zuerst wurde genau hingeschaut.
Dabei zeigte sich, wie viel Arbeit bisher in der manuellen Verarbeitung steckte. Bei der Immobilienbewertung mussten Daten teilweise neu erfasst oder überprüft werden, obwohl sie bereits aus verlässlichen externen Quellen verfügbar waren. Vorhandene Informationen konnten zudem nicht immer wiederverwendet werden. Die Idee hinter ImmoHub war deshalb grundsätzlicher: Eine Immobilie soll bei der Zürcher Kantonalbank nur einmal existieren.
Dafür werden Immobiliendaten zentral aufbereitet und mit externen Quellen abgeglichen. Rund 3.2 Millionen Objekte werden wöchentlich automatisiert überprüft. So entsteht eine konsistente Datengrundlage, auf die verschiedene Prozesse zurückgreifen können. Das klingt zunächst nach einer technischen Veränderung. Im Arbeitsalltag bedeutet es vor allem eines: weniger doppelte Arbeit und weniger manuelle Übertragungen.
Wenn aus vielen Daten eine klare Grundlage wird
Auch die Immobilienbewertung selbst wurde neu gedacht. Auf Basis der vorhandenen Informationen kann ImmoHub automatisch bestimmen, welches Bewertungsverfahren für ein Objekt angewendet werden soll. Früher mussten Mitarbeitende für die Bewertung einer Immobilie Informationen aus mehreren Systemen zusammensuchen und teils zusätzlich mit Excel arbeiten. Heute erhalten sie im System eine passende Bewertungsgrundlage und können auf Daten zurückgreifen, die bereits erfasst und aufbereitet wurden.
Für Kundinnen und Kunden passiert vieles davon im Hintergrund. Sie sehen ImmoHub nicht, profitieren aber von effizienteren Prozessen und einer konsistenten Datengrundlage. Ein besonderer Fokus lag auf der Benutzeroberfläche. Denn eine zentrale Datenbasis bringt wenig, wenn sie im Alltag kompliziert zu bedienen ist. «Ich bin besonders stolz darauf, dass wir trotz der vielen Informationen eine Oberfläche geschaffen haben, die übersichtlich und einfach verständlich ist», sagt Martin. Bis die heutige Lösung stand, wurde sie mehrfach weiterentwickelt und mit Nutzerinnen und Nutzern getestet.
Innovation beginnt nicht bei der Technologie
Was Martin am ImmoHub besonders beschäftigt, ist deshalb nicht nur die technische Lösung. «Innovativ ist auch, wenn man Prozesse optimieren, vereinfachen und entschlacken kann», ist er überzeugt. Dafür braucht es zunächst ein genaues Verständnis davon, wie ein Prozess heute funktioniert. Das Team hat deshalb mit verschiedenen Fachbereichen gesprochen, Abläufe analysiert und die Bedürfnisse der Menschen aufgenommen, die später mit der Lösung arbeiten.
Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven waren entscheidend. Denn wer einen Prozess verbessern will, muss verstehen, wo er im Alltag nicht optimal funktioniert. Gleichzeitig braucht es Offenheit für die Frage, was künftig anders möglich sein könnte. Innovation entsteht dort, wo beides zusammenkommt: bestehendes Wissen und neue Perspektiven.
Und die Entwicklung geht weiter
ImmoHub ist nicht das Ergebnis einer einzelnen Idee. Dahinter stehen verschiedene Fachbereiche, Entwicklerinnen und Entwickler sowie Menschen aus den betroffenen Prozessen. Gemeinsam mussten sie Bestehendes verstehen, Gewohntes hinterfragen und an manchen Stellen auch loslassen. Das war nicht immer einfach. «Man muss teilweise auch zeigen, dass es besser gehen könnte», erzählt Martin. Dafür brauche es Überzeugungsarbeit und die Bereitschaft, sich auf neue Lösungsansätze einzulassen.
Heute ist das Feedback der Nutzerinnen und Nutzer positiv. Die bisher abgedeckten Objektarten sollen schrittweise erweitert werden. Künftig sollen unter anderem auch Mehrfamilienhäuser, Gewerbe- und Industrieobjekte sowie weitere Grundstücksarten über ImmoHub bewertet werden können.
Für Martin geht die Entwicklung damit weiter. Sein Ziel: noch mehr manuelle Schritte reduzieren und Prozesse kontinuierlich verbessern. Denn «Innovativerer» bedeutet nicht, immer etwas völlig Neues zu erfinden. Es bedeutet, Bestehendes nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sich immer wieder zu fragen: Geht es auch besser?
So leben wir «Innovativerer» im Arbeitsalltag.