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Absichts­erklärung zwischen USA und Iran beruhigt Märkte

Text: Simon Lustenberger

Bild: Christian Grund

Am 17. Juni 2026 unter­zeichneten die USA und der Iran das „Islamabad-Memorandum of Understanding“ in digitaler Form. Dabei handelte es sich um einen von Pakistan vermittelten vorläufigen Waffen­stillstand sowie ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Krieges und zur Wieder­eröffnung der Strasse von Hormus. Der vollständige 14-Punkte-Text wurde von einem US-Beamten auf dem G7-Gipfel in Évian-les-Bains, Frankreich, verlesen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um ein endgültiges Friedens­abkommen. Vielmehr verschafft es ein 60-tägiges Verhandlungs­fenster für die schwierigsten Themen, darunter das Atomprogramm, die umfassenden Sanktionen und die regionale Sicherheit.

Laut Medien­berichten enthält das 14 Punkte umfassende Memorandum of Understanding (MoU) Absichtserklärungen zu verschiedenen Themen­bereichen, unter anderem:

  • Beendigung der Kriegs­handlungen: Die USA und die Islamische Republik Iran erklären die sofortige und dauerhafte Beendigung aller militärischen Operationen, einschliesslich im Libanon.
  • Aufhebung von Sanktionen / wirtschaftliche Zusammenarbeit: Die USA verpflichten sich, alle Sanktionen gegen den Iran schrittweise aufzuheben. Eingefrorene iranische Gelder sollen freigegeben werden. Zudem wird ein Wiederaufbau- und Entwicklungs­plan für den Iran entwickelt.
  • Nuklearfragen: Der Iran verpflichtet sich, keine Atomwaffen zu entwickeln oder zu beschaffen. Die zukünftige Nutzung der iranischen Nukleartechnologie soll im Rahmen eines endgültigen Abkommens geregelt werden.
  • Aufhebung der Seeblockade: Die USA beginnen unmittelbar nach Unterzeichnung des MoU mit der Aufhebung der Seeblockade, welche innerhalb von 30 Tagen vollständig beendet sein soll. Der Iran soll den sicheren Durchgang von Handelsschiffen durch die Strasse von Hormus gewähr­leisten und mit Anrainerstaaten über die zukünftige Verwaltung der Wasser­strasse verhandeln.

Risiken für erneuten Ölpreis­anstieg bleiben

Selbst wenn in der Absichts­erklärung die Strasse von Hormus als offen bezeichnet wird, könnte es bis Anfang 2027 dauern, bis sich die Produktions- und Handelsmuster wieder auf den Stand vor dem Konflikt einpendeln. Sobald die Strasse wieder geöffnet ist, müssen zunächst eine Reihe von Heraus­forderungen in den Bereichen Logistik, Lager­stätten und Infrastruktur gelöst werden, bevor Normalität einkehrt. Reeder müssen sich darauf verlassen können, dass die Meerenge ein sicherer, minenfreier Korridor für den Schiffs­verkehr ist. Da viele leere Öltanker von ausserhalb des Golfs nach Westafrika oder in die Vereinigten Staaten gefahren sind, wird es mehrere Wochen dauern, bis die Tanker wieder in den Nahen Osten gebracht werden können. Solange die Lager­stätten für Öl und Ölprodukte im Golf ausgelastet sind, werden die Produktions­anlagen stillstehen. Die Verarbeitungs­mengen von Export-/Lagerterminals und LNG-Anlagen bleiben kurzfristig begrenzt, da physische Infrastruktur­schäden zuerst behoben werden müssen. Die Ölpreise werden auch weiterhin vom verfügbaren Angebot dominiert bleiben. Aufgrund der anhaltenden Produktions­beeinträchtigungen werden sie unserer Einschätzung nach zwar nochmals ansteigen, allerdings unter den jüngst erreichten Höchstständen bleiben.

Wir halten an unserer Positionierung fest 

Die in der Absichts­erklärung zum Ausdruck kommende Annäherung der Konfliktparteien hat zu einem Rückgang der Energiepreise und damit auch zu einer Reduzierung der Abwärtsrisiken für das globale Wachstum geführt. Zudem wird der Druck auf die Währungshüter, ihre Geldpolitik restriktiver auszugestalten, entschärft. Angesichts der weiterhin bestehenden Inflationsrisiken gehen wir allerdings neu davon aus, dass die US-Notenbank (Fed) auf absehbare Zeit das bisherige Leitzins­niveau beibehalten wird, möglicherweise sogar bis Ende 2027. Die Risiken für Konjunktur und Inflation sind zwar reduziert, aber nicht gebannt. Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer Positionierung fest.