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China springt in die Klima-Lücke

Während die USA sich aus dem Pariser Klima­abkommen zurück­gezogen haben und Europa mit rück­läufiger Unterstützung für grüne Klima­politik zu kämpfen hat, präsentiert sich China im neuen 15. Fünfjahres­plan als potenzieller Vorreiter im globalen Klimaschutz. Mit ambitionierten Worten kündigt die chinesische Führung an, eine aktivere Rolle bei der Bewältigung globaler Heraus­forderungen wie dem Klima­wandel zu übernehmen. Doch wie viel Substanz steckt hinter diesen Versprechen? Erfahren Sie mehr dazu im Beitrag von Silke Humbert.

Text. Silke Humbert

Tea plantations
Bild: Getty Images

«China wird als einer der grossen globalen Akteure verantwortungs­bewusst eine aktivere Rolle bei der Bewältigung globaler Heraus­forderungen wie des Klima­wandels spielen.»

Dieser Satz ist im neuen 15. Fünfjahres­plan der chinesischen Führung zu finden. Nachdem die USA aus dem Pariser Klima­abkommen ausgetreten sind und auch in Europa die Unterstützung für eine grüne Klimapolitik nachlässt, strebt China eine Vorreiter­rolle an.

Wird Peking die freigewordene Rolle auf der Bühne der globalen Klima­politik tatsächlich übernehmen? Im neuen Fünfjahres­plan sind zwei Klimaziele aufgeführt. Wird China damit einer Rolle als Weg­bereiter gerecht?

Ziel 1 packt das Problem an der Wurzel

Das erste Ziel umfasst die Reduktion der CO2-Emissionen pro Wirtschafts­leistung, also der Kohlenstoff­intensität, um 17 Prozent für die nächsten fünf Jahre. Das ist ein Prozent­punkt weniger als im vorherigen Fünfjahres­plan und wird insgesamt als nicht sehr ambitioniert eingestuft. Zudem bietet ein relatives Ziel, das lediglich die CO2-Intensität betrifft, grössere Freiheiten als eines, das auf absolute Emissionen abzielt. Wenn die Emissionen pro Wirtschafts­leistung abnehmen, die Wirtschaft gleichzeitig aber stark wächst, können die Emissionen in absoluten Zahlen dennoch zunehmen. Absolute Emissions­ziele gab es seitens der chinesischen Führung auch schon. Im Jahr 2020 sagte Xi Jinping, das Maximum der Kohlenstoff­dioxid­emissionen solle bis zum Jahr 2030 erreicht sein. Und erst im letzten Herbst wurde verkündet, dass die Treibhausgas­emissionen bis 2035 um 7 bis 10 Prozent relativ zum Höhepunkt sinken sollen. Im Vergleich mit Europa und den USA, die schon längst fallende CO2-Emissionen aufweisen, hinkt China mit seinen gleich­bleibenden Werten hinterher.

Ziel 2 setzt auf grüne Energie

Das zweite Ziel sieht vor, dass der Anteil nicht-fossiler Energie­quellen am Energie­verbrauch von heute etwa 20 auf 25 Prozent im Jahr 2030 steigen soll. Die EU liegt mit dem Anteil nicht-fossiler Energie­quellen schon über 30 Prozent. China und die USA sind aktuell etwa gleich auf (vgl. Grafik).

China will aufholen

Relative Anteile am Energie­verbrauch und Chinas Ziel für nicht-fossile Energie­quellen bis 2030

Quellen: Our World in Data, Zürcher Kantonalbank

Vorrang für Wachstum und Energie­sicherheit

China sieht sich mit dem gleichen Dilemma konfrontiert wie die EU: Das Klima soll geschützt, aber die Industrie nicht gleichzeitig gelähmt werden. Strikte Ober­grenzen für Emissionen sind wirkungs­voller in puncto Klimaschutz, können der Wirtschaft aber in die Quere kommen. China hat im neuen Fünfjahres­plan dem Wachstum und der Energie­sicherheit höhere Priorität eingeräumt als der Reduzierung von Treibhausgas­emissionen. Die Emissions­reduktion soll quasi durch die Hintertür stattfinden: staatliche Unter­stützung fossilfreier Energie in der Hoffnung, dass dadurch auch die Emissionen sinken. Dabei ist eines gesetzt: Der Wirtschaft kommt es auf jeden Fall zugute.

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