Die Architektin der Anlagestrategie unserer Bank
Mit klarem Blick für die Finanzmärkte, einem tiefen Verständnis für nachhaltige Investments und einer beeindruckenden Karriere im Gepäck übernahm Dr. Anja Hochberg am 1. Januar 2026 die Rolle der Chief Investment Officer (CIO). Als strategische Denkerin und erfahrene Finanzexpertin stellt sie mit ihren Teams nun seit Januar die Weichen für die Anlagestrategie und das Anlageangebot der Zürcher Kantonalbank und setzt dabei nicht nur auf Rendite, sondern auch auf Kundennähe.
Text: Tanja Müller / Bilder: Christian Grund
Frau Hochberg, seit Anfang des Jahres sind Sie nun die neue CIO der Zürcher Kantonalbank. Wie sind Sie in Ihrer neuen Rolle gestartet?
Sehr gut und sehr intensiv – es gab viele Themen gleichzeitig: das klassische Onboarding in eine herausfordernde Rolle mit einigen für mich neuen Prozessen, erste Überlegungen zur weiteren strategischen Ausrichtung von Investment Solutions und natürlich die sehr herausfordernde Krisensituation im Iran. Sie hat ein schnelles, vor allem auch wohlüberlegtes Handeln und eine hohe Kommunikationsdichte intern und extern erfordert. Gerade diese Krise zeigt, wie hochprofessionell das Team arbeitet und mit wie viel Herzblut und Engagement die schwierigen Aufgaben bewältigt werden.
Bevor Sie 2020 zur Zürcher Kantonalbank kamen, welche Stationen haben Ihren Werdegang geprägt?
Ich hatte das grosse Vergnügen, meinen Erfahrungsrucksack in den vergangenen dreissig Berufsjahren prall füllen zu können. Zuvor hatte ich in Berlin Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte studiert, absolvierte dann ein Zusatzstudium im Bereich Europäische Wirtschaftswissenschaften am Collège d'Europe in Brügge und promovierte in Economics and Management Science an der University of Wales; dort war ich auch fast fünf Jahre als Dozentin tätig – eine wunderbare Chance.
Doch so spannend der Austausch mit den Studentinnen und Studenten ist, spürte ich den Wunsch, mein Wissen in der Praxis anzuwenden. Es folgten rund 25 Jahre in verschiedenen Führungsrollen im Bereich des Anlagegeschäftes, beispielsweise bei der Credit Suisse als Leiterin Volkswirtschaft oder Chief Investment Officer für die Schweiz und Europa.
Nachdem ich vor sechs Jahren zur Zürcher Kantonalbank kam, leitete ich bis Ende 2025 den Bereich Multi Asset Solutions im Asset Management mit einem Anlagevolumen von rund CHF 40 Mrd. – ein Bereich, der neben Portfoliofonds auch die Vorsorgelösungen sowie das Spezialmandatsgeschäft umfasst.
Und meinem Universitäts-Engagement bin ich treu geblieben: An der Universität Zürich darf ich seit vier Jahren einen Lehrauftrag ausüben, der sich mit der praktischen Umsetzung des Anlageprozesses beschäftigt. Somit schliesst sich der Kreis. Mit einem reichhaltigen Erfahrungsschatz aus der Privatwirtschaft lässt sich die Theorie eben doch etwas lebendiger erklären – hoffe ich zumindest (lacht).
Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer Rolle als CIO aus?
Den klassischen durchschnittlichen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht. Doch mir sind drei Elemente besonders wichtig, bei denen ich als CIO und Leiterin Investment Solutions Impulse setzen kann: Marktanalyse und die Ableitung von Handlungsoptionen, Interaktionen mit Kundinnen und Kunden, und die Weiterentwicklung vom Team und unserem Anlagegeschäft. Heisst: Viel Zeit verbringe ich mit Zuhören. Viele sehen bei einem CIO mehrheitlich Kundenveranstaltungen und Pressetermine. Mir ist hingegen auch der Management-Aspekt sehr wichtig: Gemeinsam zu definieren, wie wir das Anlageangebot der Bank weiterentwickeln, wie wir uns als Team aufstellen, um den Herausforderungen an den Finanzmärkten zu begegnen, wie wir bestmöglich kommunizieren oder mit neuer Technik umgehen. Die Leidenschaft, die wir brauchen, um im Anlagegeschäft die Besten zu sein, die gründet sich auch darauf, dass wir alle wissen, was unser gemeinsames Ziel ist. Klar habe ich nicht genormt einen gedrittelten Tag, nicht 33,3 Prozent für jede Aufgabe. Es gibt Tage, da steht die Anlageentscheidung im Vordergrund. An anderen Tagen sind Managementmeetings wie Bilas, Führungssitzungen oder strategische Workshops geplant, und einige Tage sind sehr intensiv mit Kundenmeetings gefüllt. Konkret: Kürzlich durfte ich am Morgen an einer KMU- Veranstaltung der Bank in Uster teilnehmen, am Mittag am CIO-Lunch in Winterthur referieren, mich am Nachmittag bei einer Stiftungsratssitzung in Zürich engagieren. Am Abend habe ich mich dann auf das nächstes Anlagemeeting vorbereitet. Kein Tag gleicht somit dem anderen, und genau das macht meine Arbeit so spannend und mich sehr dankbar.
Die Leidenschaft, die wir brauchen, um im Anlagegeschäft die Besten zu sein, die gründet sich auch darauf, dass wir alle wissen, was unser gemeinsames Ziel ist.
Dr. Anja Hochberg, Chief Investment Officer bei der Zürcher Kantonalbank
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Anlagestrategie?
Eine wichtige. Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unserer Konzernstrategie und im kantonalen Leistungsauftrag der Bank festgehalten. Unsere Anlageentscheide basieren auf einer ganzheitlichen Betrachtung, wobei sich für Anlegerinnen und Anleger, die ihren Schwerpunkt auf nachhaltige Anlagen legen möchten, dezidierte Anlagelösungen anbieten.
Seit November 2025 ist die Organisationseinheit Investment Solutions Teil der Geschäftseinheit Private Banking. Was bedeutet das für Sie und Ihr Team?
Wir sind nach wie vor für die gesamte Bank da. Allerdings erlaubt uns unsere «Homebase» im Private Banking eine noch grössere Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden und eröffnet spannende Möglichkeiten in der Gestaltung des Anlageangebots. Wir möchten in Zukunft noch gezielter auf die individuellen Bedürfnisse unserer Private-Banking-Kundinnen und -Kunden eingehen und unsere Expertise in diesem Bereich stärker sichtbar machen. Als Anlagekompetenzzentrum setzen wir uns intensiv damit auseinander, welche zusätzlichen Lösungen und Ansätze es braucht, um den Anforderungen des Private Bankings gerecht zu werden – und zwar nicht nur im Bereich der Standardlösungen, sondern auch deutlich darüber hinaus.
Wie tanken Sie Kraft für Ihren anspruchsvollen Arbeitsalltag?
Die CIO-Rolle ist ein grosses Privileg und eine grosse Motivation. Kraft tanke ich bei meiner Familie, beim Spaziergang mit dem Hund – zum Reflektieren sehr zu empfehlen –, beim gemeinsamen Urlaub, aber auch beim regelmässigen Stadionbesuch in Dortmund, etwas, was mich sehr erdet. Im Urlaub hat es dann auch Platz für das eine oder andere «Nicht-Fachbuch» und eine faule Stunde am Meer.