FX Valuation Update: Welche Währungen sind gefragt?
Der Schweizer Franken bleibt stark, doch wie steht es um seine Bewertung im globalen Vergleich? Während der Wechselkursvorteil in Europa durch steigende Preise oft verpufft, zeigen wir auf, welche Währungen aktuell am höchsten und am günstigsten bewertet sind und was dies für die künftige Währungsentwicklung bedeutet.
Text: Elias Hafner
Happy Birthday, Big-Mac-Index! Seit nunmehr 40 Jahren veröffentlicht die Wirtschaftszeitschrift The Economist den Big-Mac-Index. Dieser vergleicht die Bewertung verschiedener Währungen anhand von Burger-Preisen. Die Idee dahinter: das gleiche Produkte sollte in die jeweilige Währung umgerechnet gleich viel kosten, sonst besteht eine Über- bzw. Unterbewertung. Dabei erscheint der Schweizer Franken regelmässig im Ranking als die am stärksten überbewertete Währung weltweit, da der doppelstöckige Burger in der Schweiz klar mehr kostet als in anderen Währungsräumen. Dies gilt auch in der Jubiläumsausgabe vom Juli 2026. So bezahlt man in der Schweiz für den Big Mac über CHF 7.00, im Vergleich zu rund EUR 6.20 im Euroraum, was umgerechnet zurzeit einen Aufpreis von 25 bis 30 Prozent impliziert. Allerdings berappte man in der Schweiz auch in der Vergangenheit konstant eine Prämie; historisch lag diese im Durchschnitt bei knapp 45 Prozent. Um die Bewertung einer Währung zu beurteilen, sollten daher nicht der absolute Preisvergleich herangezogen werden, sondern die Entwicklung über die Zeit. Die Schweizer Währung erscheint in diesem Kontext momentan nicht als historisch teuer.
Die Kaufkraftparität – der faire Wert einer Währung
Ein ähnlicher Schluss lässt auch das Kaufkraftparitätsmodell der Zürcher Kantonalbank zu. Der EUR/CHF-Kurs sinkt über die Zeit und kompensiert die höhere Inflation im Euroraum. Zuletzt notierte der Kassakurs mit 0.94 nahe am geschätzten längerfristig fairen Wert von aktuell 0.91. Aber wie funktioniert denn genau der Mechanismus zwischen Inflation und dem Wechselkurs? Steigen beispielsweise in der Eurozone die Preise schneller als in der Schweiz so werden bei einem unveränderten Wechselkurs die Produkte in der Schweiz deutlich attraktiver. Die Nachfrage nach Schweizer Produkten und somit auch nach Schweizer Franken steigen. Der Wechselkurs ist aber flexibel. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Schweizer Franken und dessen Wert. Sprich der Wechselkurs sollte über die Zeit die unterschiedlichen Preissteigerungen zwischen den Währungsräumen ausgleichen. Dies ist die Grundlage der Theorie der Kaufkraftparität, welche über die lange Frist halten sollte und deshalb auch zur Bestimmung des fairen Wechselkurses herbeigezogen werden kann.
Der konstruierte Wechselkurs ist seither von 1.83 bzw. von 1.61 bei der Einführung des Euros auf aktuell 94 Rappen gefallen. Gleichzeitig wurde die Aufwertung des Schweizer Frankens aber über die Zeit durch höhere Preissteigerungen in der Eurozone kompensiert. Während die Konsumenten-und Produzentenpreise sich im Mittel in der Eurozone in diesen 40 Jahren jährlich um 2.2 Prozent erhöht haben, sind die Preise in der Schweiz im Schnitt nur um 0.6 Prozent gestiegen. Preissteigerungen und Wechselkursveränderungen haben sich über die Zeit also fast exakt ausgeglichen.
Dollar hoch bewertet – Yen langfristig unterbewertet
Die nachfolgende Grafik zeigt die geschätzten Über- und Unterbewertung der G10-Währungen gegenüber dem Franken gemäss dem Kaufkraftparitätsmodell der Zürcher Kantonalbank. Am oberen Bewertungsspektrum steht der Dollar. Die US-Währung hat sich nach der Korrektur im letzten Frühling stabilisiert und seit dem Beginn des Iran-Krieges zugelegt. Auch die Bewertung des Pfunds ist leicht erhöht. Viele Währungen notieren gegenüber dem Franken im fairen Bereich. Eine gewisse Unterbewertung weist hingegen die schwedische Krone auf, was u.a. die schwache Entwicklung 2022/2023 widerspiegelt. Schliesslich erscheint der japanische Yen trotz der jüngsten Gegenbewegung weiter massiv unterbewertet. Das Ausmass der Unterbewertung dürfte etwas zu relativieren sein, dennoch besteht bei einer Trendwende deutliches Aufwertungspotenzial.
Franken insgesamt fair bewertet
Über-/Unterbewertung gegenüber dem Schweizer Franken, in Prozent
Langfristige Projektionen: weitere Frankenaufwertung
Unter der Annahme einer zukünftigen Inflationsentwicklung in den verschiedenen Währungsräumen lässt sich der faire Wert fortschreiben. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) setzt sich weltweit das tiefste Inflationsziel (Zielband 0 bis 2 Prozent) aller Notenbanken. Die US-Notenbank Fed und die Europäischen Zentralbank (EZB) streben hingegen wie die meisten Notenbanken in den Industrieländern eine Inflation von 2 Prozent an. Dadurch ergibt sich eine strukturelle Inflationsdifferenz von einem Prozentpunkt pro Jahr (2 minus 1 Prozent, als Durchschnitt von 0 und 2 Prozent). Über die letzten Jahre hat zudem die SNB im Unterschied zu den meisten anderen grösseren Notenbanken ihr Inflationsziel erreicht. Entsprechend nochmals höher fielen die Inflationsdifferenzen zwischen dem Schweizer-Franken-Raum und den übrigen Währungsräumen aus.
Unter der vereinfachten Annahme, dass die strukturelle Inflationsdifferenz von einem Prozentpunkt entsprechend in den Währungskursen reflektiert wird, ergeben sich approximativ folgende Entwicklungen der fairen Werte. Die Kaufkraftparität für den EUR/CHF-Kurs würde sich in diesem Szenario von heute 0.91 auf 0.83 reduzieren (vgl. Grafik); beim USD/CHF-Kurs entsprechend von aktuell 0.74 auf 0.67. Bei einer gleichzeitigen Annahme, dass die aktuelle Überbewertung des Dollars über die Zeit ausgeglichen würde, ergäbe sich dadurch vom aktuellen Kurs gerechnet ein Korrekturpotenzial von rund 20 Prozent über die nächsten zehn Jahre. Da die Inflationsdifferenz in der Vergangenheit nochmals höher war, scheint ein Prozentpunkt pro Jahr eine konservative Annahme. Sollte die Inflationsdifferenz wie in den vergangenen zehn Jahren höher liegen, ist mit einer entsprechend stärkeren Abwertung zu rechnen. Wie erwähnt handelt es sich hier um Projektionen unter vereinfachten Annahmen, wobei von anderen Einflussfaktoren abstrahiert wird. So ist die Bewertung einer Währung auch durch Faktoren wie die Realzinsen oder die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit getrieben, welche sich für den US-Dollar aktuell insbesondere aufgrund der technologischen Vormachtstellung vorteilhaft darstellen. Die Verschuldungssituation in der Eurozone und insbesondere in den USA dürfte allerdings eine erhöhte Inflation über die nächsten Jahre begünstigen.
Abwertungstrend dürfte sich fortsetzen
EUR/CHF: Projektion der Kaufkraftparität in Abhängigkeit des Inflationsszenarios
Investment Implikation
Wir schätzen den Franken aktuell für insgesamt fair bewertet ein. Es ist davon auszugehen, dass die Schweiz auch künftig eine klar tiefere Inflation ausweist als die anderen Währungsräume, was mit einer anhaltenden Frankenaufwertung einhergehen dürfte. Für Schweizer Unternehmen und Schweizer-Franken-Investoren kann eine Währungsabsicherung durchaus Sinn machen, um kurzfristige Währungsschwankungen und -risiken zu reduzieren. Die Absicherung gegenüber dem langfristigen Aufwärtstrend gestaltet sich allerdings schwieriger. Aufgrund der im historischen Vergleich hohen Absicherungskosten drängt sich insgesamt betrachtet momentan keine erhöhte Absicherungsquote auf. Aus Investorensicht bieten Fremdwährungsanleihen zurzeit einen ansprechend hohen Puffer, um für den strukturell zu erwartenden Kaufkraftverlust zu kompensieren.