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Die Dauer der Blockade der Strasse von Hormus bestimmt den Rohöl­preis

Text: Simon Lustenberger

Bild: Christian Grund

Lang­fristige Roh­ölpreise notieren relativ niedrig

Der derzeitige Öl­schock, der durch den Konflikt im Nahen Osten aus­gelöst wurde, dauert inzwischen seit einem Monat an. Sowohl die USA als auch der Iran haben jüngst bekundet, den Konflikt beenden zu wollen. Ein konkreter Zeit­plan wurde jedoch nicht dargelegt. Seit März­beginn sind die Rohöl­preise in die Höhe geschossen. In einigen Regionen Asiens kommt es zu Eng­pässen und Rationierungen. Dennoch sind die langfristigen Rohöl­preise am Termin­markt noch relativ niedrig. Die Strukturkurve der verschiedenen Brent-­Terminkontrakte zeigt, dass die Händler aktuell einen schnelleren Preis­rückgang erwarten als im Jahr 2022 nach der Invasion Russlands in der Ukraine. Der Preis­abschlag zwischen dem kürzesten Fälligkeits­termin und demjenigen in zwölf Monaten beträgt aktuell 33 US-Dollar und ist somit deutlich höher als im Juni 2022 (vier Monate nach der Invasion), als dieselbe Differenz nur 20 US-Dollar betrug (vgl. Grafik). Letztendlich hängt alles davon ab, wie schnell die Strasse von Hormus wieder passierbar ist. Zögert sich die Öffnung hinaus, dürften die längerfristigen Termin­kontrakte einen überproportionalen Preis­anstieg erfahren. Bei einer schnellen Öffnung dürften die länger­fristigen Kontrakte andererseits weniger stark korrigieren. 

Relativ niedriges Preis­niveau der länger­fristigen Brent-­Kontrakte

im Ver­gleich zum Juni 2022 (zukünftige Termin­kontrakte in Monaten)

Quellen: Zürcher Kantonalbank, Bloomberg

Not­massnahmen kompensieren Aus­fälle teilweise

Historisch betrachtet besteht ein negativer Zusammen­hang zwischen dem Rohöl­preis und den Lager­beständen, die sich aufgrund der Sperrung der Strasse von Hormus reduzieren. Durch die Meerenge werden unter normalen Umständen ca. 18 Millionen Barrel pro Tag transportiert, was knapp 20% des globalen Öl­handels entspricht. Die Aus­wirkungen auf die Liefer­ungen konnten jedoch teilweise gemildert werden, da Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate umgehend Mass­nahmen ergriffen, um das Öl über Pipelines umzuleiten. Das Volumen der Umleitung wird auf vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag geschätzt. Die Frei­gabe von Notvorräten und die Ausnahme­regelungen der USA bei den Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl haben etwas Zeit verschafft, doch handelt es sich dabei um befristete Mass­nahmen. Um die Preise zu dämpfen, hat die Internationale Energieagentur (IEA) eine Rekordfreigabe von Öl­vorräten angekündigt. Als weitere Mass­nahme haben die USA zudem vorübergehend die Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl aufgehoben, das sich in schwimmenden Lagern auf See befand. Dadurch steht es einem viel grösseren Kreis von Käufern zur Verfügung. Unter dem Strich dürfte sich der Angebots­ausfall im nächsten Monat auf rund fünf Millionen Barrel pro Tag belaufen. Das ist immer noch eine beträchtliche Menge.

Sinkende Rohöl­preise erwartet

Sobald die freigegebenen Notvorräte und die schwimmenden Lager­bestände aufgebraucht sind, wird sich der Angebots­ausfall weiter verschärfen. Demzufolge wird der Druck für eine Verhandlungs­lösung unter den Konfliktparteien im April steigen. Wenn die Strasse von Hormus Ende April nach zweimonatiger Blockade wieder passierbar ist, wird der Rohölpreis bis Ende Juni voraussichtlich wieder auf 90 US-Dollar pro Barrel fallen. Sollte die Strasse von Hormus wider Erwarten bis Ende Juni gesperrt bleiben, was einer viermonatigen Blockade seit Kriegsbeginn entspräche, wären durch schnell sinkende Lager­bestände Ölpreise von bis zu 140 US-Dollar pro Barrel möglich (vgl. Grafik).

Rohöl­preis fällt mit der Öffnung der Strasse von Hormus

Anzahl Monate der Blockade ab 28. Februar 2026 (Szenarien ZKB)

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

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