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Erleichterung nach Waffen­stillstand – auch für Finanz­märkte

Text: Manuel Ferreira

Manuel Ferreira, Chefstratege Zürcher Kantonalbank
Bild: Christian Grund

Das Ultimatum von Präsident Trump an den Iran umfasste die freie Durch­fahrt von Öltankern durch die Strasse von Hormus sowie die Ein­stellung militärischer Angriffe. Kurz vor Ablauf des Ultimatums – dieses wäre in der Nacht auf heute abgelaufen – einigten sich die USA und der Iran unter der Vermittlung von Pakistan auf einen zwei­wöchigen Waffen­stillstand. Zudem soll während dieser Zeit die Strasse von Hormus geöffnet werden. Für eine komplette Ent­warnung ist es jedoch noch zu früh, da unklar ist, was genau vereinbart wurde und ob sich die iranische politische und militärische Führung einig sind. Die benachbarten Golfstaaten beklagen weiterhin iranische Angriffe, weshalb die Waffen­ruhe fragil bleibt. Es ist nicht aus­zuschliessen, dass sich Splitter­gruppen der iranischen Revolutions­garde nicht an den vereinbarten Waffen­stillstand halten werden. Dennoch stellt dies einen wichtigen Deeskalations­moment in diesem nun seit sechs Wochen andauernden Krieg dar.

Positive Reaktion an den Finanz­märkten

Die Reaktionen an den Finanz­märkten folgten seit Kriegs­beginn demselben Muster. Nimmt die Zuversicht zu, dass die Strasse von Hormus wieder befahren wird, sinkt der Ölpreis, die Aktien­kurse steigen, die Obligationen­renditen fallen, und der Gold­preis legt wegen der wieder abnehmenden Zinserhöhungs­ängste zu. Der Ölpreis der Sorte Brent notiert mit 95 USD/bbl erstmals seit zwei Wochen wieder deutlich unter 100 USD/bbl. Japanische und südkoreanische Aktien, die aufgrund der Ölimport­abhängigkeit dieser Volks­wirtschaften einer hohen Volatilität ausgesetzt sind, legten wieder kräftig zu. Auch die westlichen Aktien-Futures-Märkte notieren alle deutlich im Plus.

Bestätigung der Positionierung – Erholungs­potenzial bei Aktien intakt

Der zweiwöchige Waffen­stillstand wird die Anspannung rund um die Öl­versorgung nicht unmittelbar lösen – die geopolitische erst recht nicht. Wir rechnen daher weiterhin mit volatilen Märkten. Dennoch besteht berechtigte Zuversicht, dass eine sukzessive Öffnung der Strasse von Hormus möglich ist. Die Märkte entwickeln sich entlang dem von uns bevorzugten Entspannungs­szenario, weshalb wir weiterhin optimistisch hinsichtlich einer Erholung der Märkte sind. Wir sind übergewichtet in Aktien und setzen das Übergewicht in der Schweiz, der Euro­zone und den Schwellen­ländern um. Diese Regionen haben zwar zu Beginn des Krieges stärker gelitten, ihr Erholungs­potenzial ist bei einem Rück­gang des Öl­preises jedoch intakt. Bei Gold bleiben wir ebenfalls in der Über­gewichtung, da wir davon überzeugt sind, dass das Inflations­potenzial und somit die Un­sicherheit der Noten­banken in unserem Haupt­szenario nur temporär sind.

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