Erleichterung nach Waffenstillstand – auch für Finanzmärkte
Text: Manuel Ferreira
Das Ultimatum von Präsident Trump an den Iran umfasste die freie Durchfahrt von Öltankern durch die Strasse von Hormus sowie die Einstellung militärischer Angriffe. Kurz vor Ablauf des Ultimatums – dieses wäre in der Nacht auf heute abgelaufen – einigten sich die USA und der Iran unter der Vermittlung von Pakistan auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Zudem soll während dieser Zeit die Strasse von Hormus geöffnet werden. Für eine komplette Entwarnung ist es jedoch noch zu früh, da unklar ist, was genau vereinbart wurde und ob sich die iranische politische und militärische Führung einig sind. Die benachbarten Golfstaaten beklagen weiterhin iranische Angriffe, weshalb die Waffenruhe fragil bleibt. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich Splittergruppen der iranischen Revolutionsgarde nicht an den vereinbarten Waffenstillstand halten werden. Dennoch stellt dies einen wichtigen Deeskalationsmoment in diesem nun seit sechs Wochen andauernden Krieg dar.
Positive Reaktion an den Finanzmärkten
Die Reaktionen an den Finanzmärkten folgten seit Kriegsbeginn demselben Muster. Nimmt die Zuversicht zu, dass die Strasse von Hormus wieder befahren wird, sinkt der Ölpreis, die Aktienkurse steigen, die Obligationenrenditen fallen, und der Goldpreis legt wegen der wieder abnehmenden Zinserhöhungsängste zu. Der Ölpreis der Sorte Brent notiert mit 95 USD/bbl erstmals seit zwei Wochen wieder deutlich unter 100 USD/bbl. Japanische und südkoreanische Aktien, die aufgrund der Ölimportabhängigkeit dieser Volkswirtschaften einer hohen Volatilität ausgesetzt sind, legten wieder kräftig zu. Auch die westlichen Aktien-Futures-Märkte notieren alle deutlich im Plus.
Bestätigung der Positionierung – Erholungspotenzial bei Aktien intakt
Der zweiwöchige Waffenstillstand wird die Anspannung rund um die Ölversorgung nicht unmittelbar lösen – die geopolitische erst recht nicht. Wir rechnen daher weiterhin mit volatilen Märkten. Dennoch besteht berechtigte Zuversicht, dass eine sukzessive Öffnung der Strasse von Hormus möglich ist. Die Märkte entwickeln sich entlang dem von uns bevorzugten Entspannungsszenario, weshalb wir weiterhin optimistisch hinsichtlich einer Erholung der Märkte sind. Wir sind übergewichtet in Aktien und setzen das Übergewicht in der Schweiz, der Eurozone und den Schwellenländern um. Diese Regionen haben zwar zu Beginn des Krieges stärker gelitten, ihr Erholungspotenzial ist bei einem Rückgang des Ölpreises jedoch intakt. Bei Gold bleiben wir ebenfalls in der Übergewichtung, da wir davon überzeugt sind, dass das Inflationspotenzial und somit die Unsicherheit der Notenbanken in unserem Hauptszenario nur temporär sind.