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Freihandelsabkommen sind keine Selbstläufer

Freihandels­abkommen gelten oft als Wachstums­motor für den Handel, doch eine Analyse der Schweizer Waren­exporte zeigt ein gemischtes Bild: Während einige Länder stark profitieren, bleibt das Wachstum in anderen Fällen aus. Politische und wirtschaftliche Rahmen­bedingungen spielen dabei eine Schlüssel­rolle. Erfahren Sie mehr dazu im Beitrag von David Marmet.

Text: David Marmet

Aerial view of a container terminal with large container cargo ships and gantry cranes. A cargo ship  is navigating through the central waterway.  On both sides of the waterway are massive container terminals lined with red and black gantry cranes used for loading and unloading ships.  on the left docked ships with brightly lit containers. Moody sky at dawn. Port of Hamburg in Germany, Europe.
Von einem Freihandelsabkommen (FHA) mit den USA sind wir noch weit entfernt (Bild: Getty Images)

Der Mitte November 2025 vereinbarte Zolldeal mit den USA soll bis Ende März 2026 verbindlich ausge­handelt werden. Von einem Freihandels­abkommen (FHA) mit den USA sind wir indes noch Äonen entfernt. Mit ihren wichtigsten Handels­partnern hat die Schweiz bereits ein FHA abgeschlossen. Die grosse Ausnahme bilden diesbezüglich die USA. Australien liegt auf dem 20. Platz der Schweizer Waren­exporte und ist nach den USA das zweitwichtigste Land, mit dem kein FHA besteht.

In der ökonomischen Literatur werden FHA oft als Selbstläufer dargestellt. Sie würden die Wettbewerbs­fähigkeit und die Resilienz eines Landes stärken, den Marktzugang aufgrund tieferer Zölle und reduzierter technischer Handels­hemmnisse erleichtern sowie allgemein das wirtschaftliche Wachstum fördern. Zudem würden auch die Konsumentinnen und Konsumenten von einer grösseren Produkt­auswahl und niedrigeren Preisen profitieren. Das Handels­volumen verdopple sich im Durchschnitt etwa alle 10 bis 15 Jahre, so das ökonomische Hohelied auf FHA.

Bringen FHA tatsätchlich mehr Export­wachstum?

Die Experten der Zürcher Kantonalbank haben die Schweizer Warenexporte von 1992 bis 2024 analysiert. In diesem Zeitraum stiegen die gesamten Exporte jährlich um 4 Prozent. Es dauerte also jeweils knapp 19 Jahre, bis sie sich verdoppelt hatten. Während des analy­sierten Zeitraums hat die Schweiz mit rund 50 Ländern ein Freihandels­abkommen abgeschlossen. Für unsere Berechnungen konnten wir 38 davon auswerten, beginnend mit denjenigen von 1999 mit Marokko und Palästina und endend mit jenem mit Indonesien von 2021.

Lagen die schweizerischen Export­wachstumsraten tatsächlich höher, nachdem die Schweiz bilateral mit China, Japan und den Färöer-Inseln oder im Rahmen der EFTA ein FHA abgeschlossen hatte? Das Bild ist durchwachsen. Nur bei rund einem Drittel der Abkommen waren die Wachstums­raten der Schweizer Waren­exporte nach dem Inkrafttreten höher als davor. Normiert man die Export­wachstumsraten der FHA-Länder mit den Wachstums­raten, zeigt sich ein leicht besseres Bild. Bei rund der Hälfte der zum Vergleich heran­gezogenen Länder waren die Wachstums­raten nach dem Abkommen überdurchschnitt-lich. Die andere Hälfte verzeichnete nach dem Inkraft­treten des FHA ein schwächeres Wachstum. Sind FHA also doch keine Selbstläufer? Ein Blick auf die Länder mit dem schwächeren Wachstum liefert Antworten.

Freihandels­abkommen wirken nur, wenn die Rahmen­bedingungen stimmen

David Marmet, Chefökonom Schweiz

Politische Stabilität als entscheidender Faktor

Die Schweizer Waren­exporte nach Palästina (FHA seit 1999) und in die Ukraine (2012) wuchsen nach erfolgtem FHA frappant unter­durchschnittlich. An dritter Stelle folgt Hongkong (2012). Wenig erstaunlich zeigt sich, dass die Exporte in kriegs­versehrte Länder schwächelten. Auch in politisch instabilen Ländern wie Georgien (2018) war die Nachfrage nach Schweizer Waren nach Abschluss eines FHA schwach. Überdurch­schnittlich wuchsen hingegen die Exporte in demokratisch stabile Länder wie Costa Rica (2014) oder in Länder mit Kriegs­vergangenheit wie Serbien (2010). Politische Verwerfungen und Kriege übersteuern also oftmals die ökonomischen Gewinne von FHA. Daher sind diplomatische und humanitäre Anstrengungen der Schweizer Friedens­förderung als integraler Bestandteil einer erfolgreichen Aussenhandels­politik zu betrachten. Und diese haben hierzulande eine lange Tradition.

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