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Geldströme sprechen für emissions­arme Energie­träger

«Folge dem Geld» lautet eine bewährte Devise. Der Blick auf Investitionen zeigt: Doppelt so viel Kapital fliesst in grüne Technologien wie in fossile Energien – ein echter Hoffnungs­schimmer für den Klimaschutz.

Text: Silke Humbert

Reflected sky on a solar panel field during a summer sunrise. Wind turbines can be seen on the horizon.Muntendam, the Netherlands, September 2023
Wie steht es um das Engagement zur Bekämpfung des Klimawandels? (Bild: Getty Images)

«Folge dem Geld» ist eine bewährte Devise beim Aufdecken krimineller Machen­schaften und dem Aufspüren der Strippen­zieher im Hintergrund. Aber auch ohne investigative Recherchen zu betreiben, kann es Sinn machen, den Geld­strömen zu folgen. So kann man beispielsweise die Welt besser verstehen oder einen Blick in die Zukunft werfen.

Beim Blick in die Zeitungen könnte man denken, es stehe nicht gut um das Engagement zur Bekämpfung des Klima­wandels. Das Thema scheint nicht mehr so stark in den Medien vorzu­kommen wie früher, und durch ihre Absenz haben die USA die Weltklima­konferenz letztes Jahr in die Bedeutungs­losigkeit manövriert. Heisst das nun, dass auch in der Zukunft fossile Energie­träger dominieren werden?

Doppelt so hohe Investitionen in umwelt­freundliche Technologien

Folgt man den Geldströmen und somit den Investitionen, ergibt sich ein anderes Bild für die Zukunft. Flossen noch vor zehn Jahren mehr Investitionen in die Neuer­schliessung fossiler Energie­träger als in die Förderung emissions­armer Technologien, hat sich dieses Verhältnis mittlerweile gedreht. Heute wird weltweit zweimal so viel in die Entwicklung umwelt­freundlicher Technologien investiert. Die Inter­nationale Energie­agentur (IEA) erklärt, dass dieses schnelle Investitions­wachstum über die letzten fünf Jahre seinen Anfang mit den Post-Covid-Konjunktur­paketen nahm. Diese Allokation von Geldern wurde in der Folge aus ökonomischen und techno­logischen Gründen oder aufgrund der Energie­sicherheit beibehalten. Mehr emissionsarme Energie selbst zu produzieren, bedeutet besonders für die Importeure fossiler Energie­träger eine grössere Energie­unabhängigkeit. So ist es nicht verwunderlich, dass mehr als zwei Drittel des Anstiegs der Investitionen in die Förderung emissions­armer Technologien auf solche Importeure entfallen. An erster Stelle steht China, aber auch Indien und europäische Länder sind hier zu nennen.

Silke Humbert

Weltweit fliesst doppelt so viel Kapital in grüne Techno­logien wie in fossile Energien – ein klarer Wandel hin zu mehr Nach­haltigkeit

Silke Humbert, Nachhaltigkeitsökonomin

Spezialfall USA

Interessant ist, dass über die letzten Jahre mit den USA auch ein Land, das mehr fossile Energien exportiert als importiert, grosse Summen in die Entwicklung emissions­armer Technologien gesteckt hat. Die Anschub­finanzierungen des unter dem demokratischen Präsidenten Joe Biden in Kraft gesetzten «Inflation Reduction Act» haben diese Investitionen gefördert. Statistisch gesehen ist das jedoch die Ausnahme. Länder, die mehr fossile Energie­träger ausführen als einführen, investieren in der Regel weniger in die Förderung emissions­armer Technologien. Unter diesem Gesichtspunkt überrascht es daher nicht, dass die USA mit dem republik­anischen Präsidenten Donald Trump wieder vermehrt auf Energie­quellen setzen, von deren Export sie profitieren. Vielleicht ist es aber auch hier wieder nützlich, die Geldflüsse im Blick zu behalten: Die Partei­spenden der US-amerika­nischen Öl- und Gasbranche an die Republikaner waren letztes Jahr siebenmal höher als die Spenden an die Demokraten.

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