Geldströme sprechen für emissionsarme Energieträger
«Folge dem Geld» lautet eine bewährte Devise. Der Blick auf Investitionen zeigt: Doppelt so viel Kapital fliesst in grüne Technologien wie in fossile Energien – ein echter Hoffnungsschimmer für den Klimaschutz.
Text: Silke Humbert
«Folge dem Geld» ist eine bewährte Devise beim Aufdecken krimineller Machenschaften und dem Aufspüren der Strippenzieher im Hintergrund. Aber auch ohne investigative Recherchen zu betreiben, kann es Sinn machen, den Geldströmen zu folgen. So kann man beispielsweise die Welt besser verstehen oder einen Blick in die Zukunft werfen.
Beim Blick in die Zeitungen könnte man denken, es stehe nicht gut um das Engagement zur Bekämpfung des Klimawandels. Das Thema scheint nicht mehr so stark in den Medien vorzukommen wie früher, und durch ihre Absenz haben die USA die Weltklimakonferenz letztes Jahr in die Bedeutungslosigkeit manövriert. Heisst das nun, dass auch in der Zukunft fossile Energieträger dominieren werden?
Doppelt so hohe Investitionen in umweltfreundliche Technologien
Folgt man den Geldströmen und somit den Investitionen, ergibt sich ein anderes Bild für die Zukunft. Flossen noch vor zehn Jahren mehr Investitionen in die Neuerschliessung fossiler Energieträger als in die Förderung emissionsarmer Technologien, hat sich dieses Verhältnis mittlerweile gedreht. Heute wird weltweit zweimal so viel in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien investiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) erklärt, dass dieses schnelle Investitionswachstum über die letzten fünf Jahre seinen Anfang mit den Post-Covid-Konjunkturpaketen nahm. Diese Allokation von Geldern wurde in der Folge aus ökonomischen und technologischen Gründen oder aufgrund der Energiesicherheit beibehalten. Mehr emissionsarme Energie selbst zu produzieren, bedeutet besonders für die Importeure fossiler Energieträger eine grössere Energieunabhängigkeit. So ist es nicht verwunderlich, dass mehr als zwei Drittel des Anstiegs der Investitionen in die Förderung emissionsarmer Technologien auf solche Importeure entfallen. An erster Stelle steht China, aber auch Indien und europäische Länder sind hier zu nennen.
Weltweit fliesst doppelt so viel Kapital in grüne Technologien wie in fossile Energien – ein klarer Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit
Silke Humbert, Nachhaltigkeitsökonomin
Spezialfall USA
Interessant ist, dass über die letzten Jahre mit den USA auch ein Land, das mehr fossile Energien exportiert als importiert, grosse Summen in die Entwicklung emissionsarmer Technologien gesteckt hat. Die Anschubfinanzierungen des unter dem demokratischen Präsidenten Joe Biden in Kraft gesetzten «Inflation Reduction Act» haben diese Investitionen gefördert. Statistisch gesehen ist das jedoch die Ausnahme. Länder, die mehr fossile Energieträger ausführen als einführen, investieren in der Regel weniger in die Förderung emissionsarmer Technologien. Unter diesem Gesichtspunkt überrascht es daher nicht, dass die USA mit dem republikanischen Präsidenten Donald Trump wieder vermehrt auf Energiequellen setzen, von deren Export sie profitieren. Vielleicht ist es aber auch hier wieder nützlich, die Geldflüsse im Blick zu behalten: Die Parteispenden der US-amerikanischen Öl- und Gasbranche an die Republikaner waren letztes Jahr siebenmal höher als die Spenden an die Demokraten.