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Mehr als Ausbilden

Ausbildung geht heute weit über Fachwissen hinaus. Praxisausbilderinnen und Praxisausbilder begleiten Lernende in einer prägenden Phase ihres Berufslebens – mit Geduld, Orientierung und einer Haltung, die gesamthaft Entwicklung ermöglicht. Ob im KV-Bereich mit Reform oder im ICT-Bereich durch den rasanten technologischen Fortschritt: Ihre Rolle hat sich verändert – und ist wichtiger denn je.

Text: Mirjam Arn / Bilder: Simon Baumann

Halid Bajra und Karin Mühlethaler engagieren sich als Praxisausbildende für die Entwicklung und Begleitung von Lernenden.

Unterschiedliche Rahmen – ähnliche Entwicklung

Während die KV-Ausbildung mit der Bildungsreform stärker auf Handlungskompetenzen, Praxisaufträge und Entwicklungsprozesse ausgerichtet wurde, sind Handlungskompetenzen und die entsprechenden Anforderungen an Auszubildende bereits seit mehreren Jahren etabliert. Entscheidend ist daher in beiden Bereichen der Blick auf die Vernetzung von Wissen – und nicht jener auf einzelne Leistungen.

Im KV-Bereich bedeutet dies einen klaren Perspektivenwechsel: weg vom Anleiten, hin zum Begleiten. Für Karin Mühlethaler, Praxisausbilderin KV bei der Zürcher Kantonalbank, ist genau das eine der wichtigsten Veränderungen. Lernende übernehmen heute mehr Verantwortung und gestalten ihren Lernprozess aktiv mit. Es geht weniger darum, Lösungen vorzugeben, sondern Lernende zu befähigen, eigene Lösungswege zu finden.

Auch Halid Bajra, Praxisausbilder ICT, beschreibt seine Rolle als Coach prägnant: Lernende sollen selbst denken, ausprobieren und voneinander lernen – dann mit Unterstützung, wenn sie gebraucht wird. «Ich sehe mich eher als Coach, denn als Lehrer – auf Augenhöhe mit den Lernenden», sagt er. 

Mehr Handlungskompetenz, mehr individuelle Entwicklung

Für Praxisausbildende im KV-Bereich bedeutet die Reform mehr Verantwortung, mehr Zeitaufwand – doch auch mehr Gestaltungsspielraum. Karin Mühlethaler übergibt ihren KV-Lernenden bewusst Verantwortung: Sie planen ihre Praxisaufträge selbst, setzen Prioritäten und reflektieren ihre Fortschritte. Fehler gehören dazu und werden als Lernchance verstanden. Diese Form des selbstorientierten Lernens stärkt das Selbstvertrauen und fördert die Eigenverantwortung.

Im ICT-Bereich kommt den Praxisausbildenden neben der kompetenzbasierten Ausbildung eine besondere Verantwortung zu: Sie führen Lernende an neue Technologien heran und begleiten sie durch die raschen Veränderungen während der Ausbildung. Dabei sind KI-Tools ein fester Bestandteil des Alltags, die gezielt genutzt und reflektiert werden.

Beziehung als Schlüssel

Unabhängig vom Bereich wird eines deutlich: Gute Ausbildung basiert auf Beziehung. Vertrauen entsteht, wenn Lernende ernst genommen werden, Fragen stellen dürfen und sich im Team willkommen fühlen.

Karin Mühlethaler staunt immer wieder über die Entwicklung junger Menschen vom ersten Arbeitstag bis hin zu selbstbewussten Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern: «Nach einem Jahr ist es manchmal kaum zu glauben, welche Entwicklung sie gemacht haben.»

Auch Halid Bajra legt grossen Wert auf Nähe und Integration. Gemeinsame Pausen, Austausch im Team und echtes Interesse an der Lebenswelt der Lernenden fördern Motivation und Zugehörigkeit.

Stolz, Sinn und Wirkung

Was beide Praxisausbildende antreibt, ist der Sinn in ihrer Rolle. Zu sehen, wie Lernende wachsen, Verantwortung übernehmen und auch später bei der Zürcher Kantonalbank bleiben – das ist der grösste Lohn. Karin Mühlethaler: «Es freut mich besonders, wenn Lernende ihre Ausbildungszeit bei uns positiv in Erinnerung behalten und viel für ihre Zukunft mitnehmen.»

Praxisausbilderinnen und Praxisausbilder begleiten, motivieren und fordern – häufig in einem Umfeld, das sich ständig verändert. Sie sind Coach, Vorbild und Vertrauensperson zugleich und investieren viel Zeit, Geduld und Herzblut – neben ihrem eigentlichen Job. Halbherzig funktioniert diese Rolle nicht. Ihr Engagement macht den Unterschied: für die Lernenden, für die Qualität der Ausbildung und für die Zukunft der Arbeitswelt. Karin Mühlethaler betont, wie wichtig die Motivation für die Rolle ist: «Man muss Freude an der Arbeit mit jungen Menschen haben. Und bereit sein, Zeit zu investieren.»

Qualität mit Zertifikat

Ein Zeichen für die hohe Ausbildungsqualität: In regelmässigen Abständen wird durch ein Fachgremium von Swiss Banking überprüft, ob die Anforderungen an Begleitung, Qualität und Fachkompetenz erfüllt sind. Die ZKB darf weiterhin Praxisausbilderinnen und Praxisausbilder zertifizieren.

Voraussetzung ist unter anderem, dass Praxisausbilderinnen und Praxisausbilder über mindestens 18 Monate mehrere Lernende begleiten und einen Onboarding-Kurs absolvieren. Wer die Kriterien erfüllt, erhält ein Zertifikat. Aktuell haben rund 100 Praxisausbilderinnen und Praxisausbilder diese Qualifikation erreicht. 

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