Neue Prioritäten in der Energiepolitik
Geopolitische Spannungen und steigender Strombedarf verändern die Prioritäten der Energiepolitik. Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit rücken ins Zentrum – und eröffnen spannende Chancen für Investitionen in saubere Technologien und Digitalisierung.
Text: Dr. Anja Hochberg
In der Energiepolitik findet weltweit ein Umdenken statt. Im Grundsatz haben sich die Ziele zwar kaum verändert, doch sie werden neu priorisiert. Während bis zum Kriegsbeginn in der Ukraine Klimaschutz, CO2-Reduktion und saubere Technologien im Mittelpunkt standen, kommt heute der strategischen Sicherung der Energieversorgung eine besondere Bedeutung zu. Die geopolitischen Konflikte in Russland und im Nahen Osten haben deutlich gemacht, wie sensibel Volkswirtschaften trotz sinkender Ölintensität auf Spannungen im Öl- und Gasmarkt reagieren. Entsprechend haben viele Staaten ihre politischen Prioritäten angepasst oder werden dies noch tun müssen.
Nun rücken die Themen Versorgungssicherheit und geopolitische Unabhängigkeit in den Fokus. Regionen ohne eigene fossile Rohstoffe können ihre Energieunabhängigkeit nur durch die Förderung alternativer Energien sichern. Zusammen mit dem weltweit steigenden Stromverbrauch ist dies ein zentraler Treiber für massive Investitionen in die Energiewende.
Auch wenn der Erdölpreis etwas gesunken ist, dürfte er aufgrund knapper Lagerbestände durchaus volatil bleiben. Wir halten das Thema Energie angesichts der stromintensiven KI, geostrategischer Aspekte und der notwendigen Dekarbonisierung für sehr relevant für das Wirtschaftswachstum. Der weltweite Strombedarf dürfte in den nächsten Jahren um über 30 Prozent steigen. Das zieht hohe Investitionen in den Energiesektor, beispielsweise in das Stromnetz oder die Energiespeicherung, nach sich und zeigt den Investitionsbedarf in der gesamten Wertschöpfungskette.
Das Thema Clean Energy wird für alle Nationen zukünftig immer wichtiger werden
Dr. Anja Hochberg, CIO
Da die Modernisierung der Energieversorgung eine umfassende Digitalisierung der Infrastruktur erfordert, betrifft das Thema Energiewende nicht nur die Betreiber und Hersteller der etablierten Strominfrastruktur, sondern auch Unternehmen aus dem IT-Sektor sowie Bergbauunternehmen, die seltene Erden, Industriemetalle oder für den Energiesektor kritische Mineralien fördern. Das Thema «Clean Energy» wird für alle Nationen zukünftig immer wichtiger werden. Auf dem Weg, die Herausforderungen der Energiewende zu meistern, bietet sich Anlegerinnen und Anlegern eine breite Palette spannender Investitionsmöglichkeiten.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer. Tanken Sie neue Energie und vielleicht finden Sie bei Bedarf Zeit darüber nachzudenken, wohin ihre individuelle Portfolioreise hingehen soll. Bleiben Sie ausgewogen.