Republikaner im Gegenwind der Midterms
Was die aktuellen Umfragen für die Mehrheiten im Kongress und die Märkte bedeuten.
Text: Christian Brändli
Am 3. November 2026 werden in den USA das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Historisch verliert die Partei des amtierenden Präsidenten in Zwischenwahlen im Schnitt deutlich an Sitzen – und diesmal trifft es die Republikaner.
Zentrale Punkte aus den Umfragen:
- Rund 60 % der Bevölkerung finden, das Land sei «auf dem falschen Weg».
- Eine Mehrheit fühlt sich finanziell schlechter gestellt als zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit.
- Über 60 % lehnen Trumps Wirtschaftspolitik ab, fast 70 % seinen Umgang mit Inflation und Lebenshaltungskosten.
Trump, die Republikanische Partei und der republikanisch dominierte Kongress weisen allesamt negative Zustimmungswerte auf. In der allgemeinen Wahlabsicht liegen die Demokraten vor den Republikanern.
Vorteile und Hürden der Demokraten
Mobilisierungsvorteil
- Demokratische Wähler sind laut Umfragen stärker motiviert als Republikaner, an den Midterms teilzunehmen.
- «Double Haters» – Wähler, die beide Parteien negativ sehen – tendieren aktuell eher zu den Demokraten.
- Die Ernüchterung über nicht erfüllte Wahlversprechen (Senkung der Lebenshaltungskosten und keine unnötigen Kriege) sowie die Unbeliebtheit Trumps spielen den Demokraten in die Karten.
Strukturelle Nachteile
- Durch die Neuzuschneidung der Wahlkreise (Gerrymandering) sind die Republikaner im Repräsentantenhaus begünstigt.
- Die Demokraten brauchen landesweit einen Vorsprung von rund 4–5 Prozentpunkten, um eine Mehrheit zu erzielen.
- Im Senat ist der Pfad zur Mehrheit schmal: Sie benötigen einen Nettozuwachs von vier Sitzen in mehreren hart umkämpften Staaten.
Drei Wahlszenarien für den Kongress
Die Analyse skizziert drei Hauptszenarien mit Eintrittswahrscheinlichkeiten:
Geteilter Kongress (Basisszenario, 60 %)
- Demokraten übernehmen das Repräsentantenhaus.
- Republikaner behalten den Senat.
- Folge: verstärkter politischer Stillstand, mehr Konflikte um Budget, Schuldenobergrenze und Staatsfinanzierung, verstärkte Untersuchungsausschüsse im Repräsentantenhaus.
«Blaue Welle» – beide Kammern demokratisch (35 %)
- Demokraten kontrollieren Repräsentantenhaus und Senat.
- Zusätzliche Gesetzesinitiativen (z. B. höhere Steuern für Superreiche oder grosse Tech-Unternehmen, Budgetkonsolidierung) sind möglich, aber durch das Vetorecht des Präsidenten begrenzt.
- Wichtige Folge: Demokraten hätten mehr Einfluss auf Richterernennungen und Regulierung (u. a. Finanzsektor, Kryptowährungen, Wettmärkte, KI, Rechenzentren).
«Rote Welle» – Republikaner behalten beide Kammern (5 %)
- Geringe Wahrscheinlichkeit; würde im Wesentlichen ein «Weiter wie bisher» bedeuten.
Finanzmärkte: Muster um Midterms
Für Zwischenwahljahre seit 1970 zeigt sich ein wiederkehrendes Muster am US‑Aktienmarkt:
- Vor den Wahlen: häufig höhere Volatilität und eher schwächere Aktienmärkte.
- Nach den Wahlen: in der Mehrheit der Fälle positive Renditen in den drei und sechs Monaten nach dem Urnengang.
Gleichzeitig gilt: Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Als zentrale Treiber der Märkte werden weiterhin Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne, Geldpolitik und der KI‑Boom genannt.
PDF zum Vertiefen
Alle Details, Grafiken, Zahlen und rechtlichen Hinweise finden Sie im vollständigen Beitrag «US-Zwischenwahlen 2026: Geschichte und Umfeld sprechen für Demokraten», den wir hier als PDF zum Download bereitstellen.