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CIO-Meinung: Staats­verschuldung: Risiko, Chance – oder beides?

Hohe Staats­verschuldung sorgt für Schlag­zeilen – doch ist sie wirklich eine Bedrohung für Wachs­tum und Stabilität oder auch eine Chance für zukünftigen Wohlstand?

Text: Dr. Anja Hochberg

Jüngst hat die US-Staats­verschuldung die Marke von 40 Billionen US-Dollar geknackt und beträgt 123% des Bruttoinlands­produkts (BIP). Damit geht ein erheblicher Teil der US-amerikanischen Wirtschafts­leistung für den Schulden­dienst drauf, Tendenz steigend und logischer­weise das Resultat gestiegener Zinsen und einer immer höheren Verschuldung. Die EU legt als Orientierung für ihre Mitglieds­staaten eine Schulden­quote von 60% des BIP fest. Wenngleich diese Zahl etwas arbiträr wirkt, zeigen viele Studien, dass eine zu hohe Schulden­quote das Wirtschafts­wachstum signifikant bremsen könnte. Die Übertragungs­mechanismen sind dabei vielfältig. Als erstes sticht natürlich der Zins­effekt heraus.

Zinsen, Kredit­würdigkeit und die Lehren aus Griechen­land

Denn wenn sich die Kreditwürdig­keit eines Landes durch zu hohe Schulden verringert, verlangen Investoren, also die Käufer von Staats­anleihen, höhere Zinsen. Diese über­tragen sich auf den Gesamt­markt und können dazu führen, dass auch Unter­nehmen mit höheren Kredit­kosten konfrontiert werden. Griechen­land – mittler­weile auf gutem Konsolidierungs­kurs – ist ein immer noch intensives Beispiel einer solchen Schulden­krise. Ob und wie bedrohlich eine Staats­verschuldung tatsächlich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel dem Zins­niveau, der Währungs­politik, der Wirtschafts­situation und der Fähig­keit, Schulden zu refinanzieren.

 

Anja Hochberg

Staats­verschuldung ist also per se weder gut noch schlecht – es kommt auf die Bedingungen an und die lang­fristige Trag­fähigkeit.

Dr. Anja Hochberg, CIO

Wenn Schulden sich lohnen: Investition statt Belastung

Staaten haben langfristige Perspektiven und müssen sich durch Steuern und die Ausgabe von Anleihen refinanzieren. Aber Achtung: Moderate Schulden müssen nicht zwangsläufig eine Last sein und eine «schwarze Null» nicht immer positiv. Denn nimmt der Staat Mittel auf, um sie in Bildung, Infrastruktur, Forschung oder den Klima­schutz zu investieren, kann dies langfristig positive Effekte haben. Investitionen schaffen Wachstum, Wohlstand und bessere Lebens­bedingungen, von denen auch die nachfolgenden Generationen profitieren. In diesem Fall sind Schulden eine Investition in die Zukunft. Entscheidend ist die langfristige Fähig­keit, Schulden zu bedienen, ohne die wirtschaft­liche Stabilität zu gefährden.

Balance zwischen Heute und Morgen: Die Kunst des Schulden­managements

Verschuldet sich ein Staat allerdings übermässig und teuer oder setzt Mittel ineffizient ein, schränkt dies den Handlungs­spielraum künftiger Generationen ein. Dann wird die Zins­last tatsächlich zur grossen Bürde. Staats­verschuldung ist also per se weder gut noch schlecht – es kommt auf die Bedingungen an und die langfristige Trag­fähigkeit. Die Politik steht in der Verantwortung, Schulden clever zu managen und sicher­zustellen, dass sie für Zwecke verwendet werden, die den kommenden Generationen zugutekommen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Investitionen und Haushalts­disziplin ist entscheidend, um sowohl die Bedürfnisse der Gegenwart als auch die der Zukunft zu berücksichtigen. Bleiben sie ausgewogen!

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