Zum Hauptinhalt springen

US-Finanz­ministerium interveniert am Kapital­markt

Inter­ventionen des US-Finanz­ministeriums sorgen im August für eine erhöhte Volatilität bei US-Staats­anleihen. Die Renditen 30-jähriger US-Staats­anleihen sind zeitweise auf über 5.3% gestiegen und haben damit den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Der US-Dollar wertet gegenüber den meisten Währungen ab – Gold bleibt gefragt.

Text: Manuel Ferreira

Manuel Ferreira, Chefstratege Zürcher Kantonalbank
Bild: Christian Grund

Das US-Finanz­ministerium sorgt gegen­wärtig mit ungewöhnlichen Inter­ventionen für Nervosität am Kapital­markt. Die Staats­schulden der USA haben die Marke von 40 Billionen US-Dollar über­schritten und liegen auf Bundes­ebene derzeit brutto bei etwa 123% des Brutto­inlandsprodukts (BIP). Die Zinslast liegt Ende des zweiten Quartals über 3.3% des BIP. Das ist der höchste Wert seit den 1990er-Jahren und hat sich seit 2022 infolge der gestiegenen Zinsen deutlich erhöht. Damit ist die Zinslast­quote inzwischen höher als der gesamte Verteidigungs­haushalt der USA. Der Anstieg der Zins­last ist vor allem auf die Kombination aus stark gewachsener Staats­verschuldung und gestiegenem Zins­niveau zurück­zuführen.

Nach der Stützung des japanischen Yens vor zwei Wochen hat US-Finanzminister Scott Bessent nun einen Ausbau des Rückkauf­programms für Staats­anleihen angekündigt. Dabei sollen ab 9. September und mindestens bis zum 4. November das Höchst­volumen für den Rück­kauf von Staats­anleihen mit einer von Lauf­zeiten von mehr als 10 Jahren von derzeit zwei Mrd. USD auf mindestens vier Mrd. USD pro Transaktion angehoben werden. Diese Mass­nahme zielt in erster Linie darauf ab, die Zinslast des Bundes zu senken und die Funktions­fähigkeit des Marktes für US-Staatsanleihen (Treasuries) zu verbessern. Bessents Programm ist vor allem ein Versuch, die Zinslast­quote zu stabilisieren oder zu senken, ohne dass sofort harte Ausgaben­kürzungen oder Steuerer­höhungen nötig sind. Ein Rückkauf­programm reduziert jedoch nicht direkt die Gesamtschulden­quote, sondern verändert lediglich die Zusammen­setzung und die Zins­kosten. Die absolute Verschuldung bleibt bestehen bzw. steigt weiter, solange Haushalts­defizite bestehen. Deshalb ist es ein Instrument zur Senkung der Zinslast und zur Marktpflege, nicht zur Schulden­reduzierung. 

 

Konkret geht es um folgende Punkte:

  1. Gezielter Rück­kauf teurer, lang­laufender Anleihen: Der US-Finanzminister kann gezielt ältere, hochverzinsliche Anleihen mit langer Restlaufzeit zurück­kaufen – also Papiere, die aktuell hohe Zins­kosten verursachen. Gleichzeitig kann das Finanz­ministerium neue Anleihen mit kürzerer Laufzeit oder günstigeren Konditionen ausgeben. Ziel ist es, die Zinskosten zu senken, insbesondere wenn die Zinsstruktur­kurve dies hergibt.
  2. Liquiditäts­steuerung im Treasury-Markt: In Phasen, in denen bestimmte Anleihen illiquid sind oder der Markt gestört ist, kann das Finanz­ministerium durch Rückkäufe Markt­verwerfungen glätten. Das erhöht die Stabilität und senkt langfristig die Risiko­aufschläge.
  3. Verkürzung der durch­schnittlichen Laufzeit (Duration-Management): Das Finanz­ministerium kann durch Rückkäufe und Neuemissionen die Duration der Gesamt­schuld aktiver steuern. Damit kann verhindert werden, dass zu viele Schulden in kurzer Zeit refinanziert werden müssen – ein wichtiger Punkt bei einer hohen Schulden­quote.
  4. Signal­wirkung und Schuldenmanagement-Strategie: Ein aktives Rückkauf­programm signalisiert den Märkten, dass das Finanz­ministerium die Schulden­struktur professionell steuert. Das kann das Vertrauen der Investoren stärken und langfristig die Risiko­prämien für US-Staatsanleihen senken. 

Unsere Einschätzung der Markt­reaktionen auf das Rückkauf­programm

Positive Aspekte: Als Instrument zur Stabilisierung der Markt­liquidität wurde die Aktion eher positiv aufgenommen. Hinzu kommt, dass die hohen Renditen in den USA nicht nur auf Inflations­ängste und fehlende Fiskal­disziplin zurückzuführen sind. Die Inflations­erwartungen sind stabil, sodass die Real­renditen, also die inflations­bereinigten Renditen, gestiegen sind. Das ist unter anderem auch ein Signal für ein langfristig höheres Wirtschafts­wachstum, das einen höheren gleich­gewichtigen Zinssatz voraussetzt. Das ist in den langläufigen Renditen aktuell reflektiert, sodass die US-Notenbank unserer Meinung nach die Zinsen nicht erhöhen muss.

Skeptische Aspekte: Es herrschen Vorbehalte darüber, ob die Massnahme geeignet ist, die US-Renditen nachhaltig zu senken. Die Rück­käufe sind im Verhältnis zu den Staats­schulden viel zu gering, um die Renditen nachhaltig zu senken. Die US-Renditen sind nach dem Rückgang wieder auf das Niveau vor Bessents Ankündigung gestiegen. Am Devisen­markt wurde die Intervention des US-Finanz­ministeriums mit einem klaren Misstrauens­votum quittiert. Der US-Dollar hat gegenüber den meisten Währungen und insbesondere gegenüber dem Schweizer Franken abgewertet und sich nicht wieder erholt. Gold, das bei zunehmender Fiskal­unsicherheit tendenziell nachgefragt wird, hat ebenfalls zugelegt.

Kategorien

Anlegen