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Was ist ein Ponzi-System?

Verlockende Renditen, kaum Risiko – klingt zu gut, um wahr zu sein? Genau das ist die Falle eines Ponzi-­Systems. Erfahren Sie, wie Betrüger Milli­arden ergaunern und wie Sie sich davor schützen können.

Text: Rolando Seger

Handschellen über Zeitungsartikeln
Quelle: Getty Images

In der Welt der Finanz­betrügereien gibt es kaum ein berüchtigteres Konzept als das Ponzi-System. Benannt nach seinem Erfinder, dem notorischen Betrüger Charles Ponzi, hat dieses Schnee­ballsystem schon viele Menschen um ihr Vermögen gebracht.

Bei dieser Anlagebetrugs­masche werden vermeintliche Gewinne nicht aus realen Erträgen generiert, sondern aus Ein­zahlungen neuer Anlegerinnen und Anleger. Die Betrüger locken neue Teilnehmer mit dem Versprechen überdurch­schnittlich hoher Renditen. Das System funktioniert nur, solange genügend neue Investoren gefunden werden können. Bleiben diese aus oder übersteigen die Auszahlungen die Einnahmen, bricht das System zusammen und die meisten Teilnehmer erleiden erhebliche Verluste.

Wie funktioniert ein Ponzi-System?

Ein Ponzi-System verläuft typischer­weise in vier Phasen. Im ersten Schritt steht meist eine charismatische Person, die potenzielle Investoren mit hohen Renditen bei minimalem Risiko anlockt. Diese vermeintlich lukrativen Investitions­möglichkeiten existieren in Wahrheit jedoch gar nicht. Um im nächsten Schritt den Eindruck zu erwecken, dass das System tatsächlich funktioniert und profitabel ist, verwenden die Betrüger die Ein­zahlungen neuer Teilnehmer, um die versprochenen Renditen an die bestehenden Investoren auszuzahlen, statt das Neugeld in echte Anlagen zu investieren. Verzückt durch die scheinbaren Gewinne werben zufriedene Investoren im dritten Schritt durch Mund­propaganda neue Anlegerinnen und Anleger an. Dies führt zu einem expo­nentiellen Wachstum des Systems, da immer mehr Menschen investieren. Doch früher oder später bricht das System im vierten Schritt zusammen, da nicht mehr genügend neue Investoren gefunden werden können, um die versprochenen Renditen zu finanzieren. In diesem Moment verschwinden die Initiatoren des Systems oft mit dem restlichen Geld, während die meisten Investoren leer ausgehen.

Berühmte Beispiele: Charles Ponzi und Bernard Madoff

Charles Ponzi versprach den Investoren, ihr Geld innerhalb von 90 Tagen durch den Kauf und Weiterverkauf inter­nationaler Antwortscheine – einer Art Post­gutschein – zu verdoppeln. In Wirklichkeit zahlte er die Renditen der Erst­investoren jedoch mit dem Geld neuer Teilnehmer. Als sein System zusammen­brach, griffen die Behörden ein und Ponzi wurde 1920 verhaftet. Ein moderneres Beispiel für Ponzi-Betrug ist Bernard Madoff, ein US-amerikanischer Finanz­manager und ehemaliger Vorsitzender der NASDAQ-Börse. Er versprach Anlegern hohe und stabile Renditen von bis zu 20 Prozent – und zwar unabhängig von den herrschenden Markt­bedingungen. Er täuschte Investoren mit gefälschten Konto­auszügen, bis sein System während der Finanzkrise im Jahr 2008 kollabierte. Anlegerinnen und Anleger wollten ihr Geld abziehen, doch es konnten keine Auszahlungen mehr geleistet werden. Über Jahrzehnte hinweg betrieb Madoff ein Schnee­ballsystem, durch das Investoren am Ende um Milliarden von Dollar gebracht wurden, darunter auch gemeinnützige Organi­sationen.

Unrealistisch hohe Gewinne und garantierte Renditen bei geringem Risiko sollten Sie miss­trauisch machen. Seien Sie skeptisch, denn kein seriöses Investment verspricht Gewinne ohne Risiken. Anlage­betrüger verstecken sich oft hinter komplizierten Geschäfts­modellen und setzen potenzielle Investoren unter Zeitdruck, um sie zu schnellen Ent­scheidungen zu drängen, bevor diese die Gelegenheit haben, die Investition gründlich zu prüfen. Prüfen Sie deshalb, ob der Anbieter reguliert ist und ob das Geschäfts­modell nachvollziehbar ist. Suchen Sie nach Erfahrungs­berichten und lassen Sie sich nicht durch Mund­propaganda überreden. Auch nicht von Freunden oder Familien­angehörigen. Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das wahrscheinlich auch. Seien Sie wachsam und setzen Sie auf Transparenz sowie seriöse Finanz­dienstleister, um Ihre Investitionen zu schützen.

 

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