Der etwas andere Berufsmix

Irène Homberger arbeitet bei der Zürcher Kantonalbank im Private Banking und ist Höhlentauchinstruktorin – unter anderem macht sie Unterwasser-Ausgrabungen für das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau. Wie sich das vereinen lässt, erklärt sie im Interview.

Text: Johanna Stauffer / Bilder: Irène Homberger

Frau Homberger, Sie haben einen aussergewöhnlichen Berufsmix. Möchten Sie uns bitte etwas dazu erzählen?

Ich bin Bankerin und Höhlentauchinstruktorin – und beides mit vollem Herzblut! Bei der Zürcher Kantonalbank bin ich tatsächlich seit meiner Lehrlingszeit, also seit über 20 Jahren. Ich habe seitdem in diversen Bereichen innerhalb des Private Bankings gearbeitet; derzeit unterstütze ich die Filialen im Marktgebiet Zürichsee. Und eben: Daneben gebe ich Höhlentauchkurse, und für jeweils zwei Monate im Jahr mache ich Unterwasser-Ausgrabungen für das Archäologische Amt des Kantons Thurgau. Übrigens ist es grad wieder soweit: Die Ausgrabung im Bodensee ist in vollem Gange.

Irène Homberger arbeitet bei der Zürcher Kantonalbank im Private Banking und ist Höhlentauchinstruktorin.
Irène Homberger arbeitet bei der Zürcher Kantonalbank im Private Banking und ist Höhlentauchinstruktorin.

Wie kamen Sie zum Höhlentauchen?

Auch ich bin nicht als Höhlentaucherin geboren worden. Aber ich tauche seit über zwanzig Jahren in jeder freien Minute. Auf einem Malta-Urlaub 2010 habe ich mich dann gefragt, was es wohl im Bauch eines längst gesunkenen Öltankers noch zu entdecken gäbe – da war der Weg zur Höhlentauchausbildung nicht mehr weit. Und aus der Wracktaucherin wurde dann die eingefleischte Höhlenforscherin. Heute gibt es für mich nichts Besseres, als Höhlen zu entdecken und zu dokumentieren, auch wenn ich durchaus mal frierend im Biwak übernachten muss. Ich brenne einfach für diese – sagen wir mal – dunklen Abenteuer.

Was ist dafür besonders nötig – Mut?

Es braucht vor allem Disziplin und eine gute Ausbildung. Es ist überlebenswichtig, Probleme unter Wasser als Team lösen zu können. Zum Beispiel richtig zu reagieren, wenn beim Flaschenventil Luft abströmt. Aber wenn man so taucht, wie man es gelernt hat, ist Höhlentauchen sogar weniger gefährlicher als alpines Wandern. Weil viele Taucher für die Ausübung ihres Hobbys mehr Grundlagen-Training benötigen, bin ich 2013 Instruktorin für Global Underwater Explorers (GUE), eine Tauch- und Forschungsorganisation, geworden. Heute bilde ich auch selbst Instruktoren aus.

Dank eines flexiblen Teilzeitmodells kann Irène Homberger in ihrer Freizeit abtauchen.
Dank eines flexiblen Teilzeitmodells kann Irène Homberger in ihrer Freizeit abtauchen.

Klingt spannend – wie lässt sich das alles mit dem Job im Private Banking vereinen?

Dank eines flexiblen Teilzeitmodells. Denn als ich vor viereinhalb Jahren Höhlentauchinstruktorin wurde, wusste ich, dass ich meinen damaligen Job als Projektleiterin in der Vertriebsunterstützung würde aufgeben müssen – niemand wartet nun einmal mit einer Projektlancierung, bis ich wieder auftauche. Ich konnte dann glücklicherweise innerhalb der Zürcher Kantonalbank in eine spannende Position mit einem Jahrespensum von 60 Prozent wechseln.

Was machen Sie hier konkret?

Ich unterstütze im Marktgebiet Zürichsee die Filialen bei personellen Engpässen, zum Beispiel infolge von Sabbatical oder Mutterschaftsurlauben. Die Arbeit ist dank der unterschiedlichen Jobprofile sehr vielseitig – von der Relationship Managerin über die Filialleiterin bis hin zur Kundenbetreuerin Vermögende Privatkunden war in den letzten Jahren alles dabei. Wenn ich arbeite, dann zu 100 Prozent. Das ergibt dann 30 Wochen Arbeit pro Jahr, meistens in drei bis vier Blöcken. Die restliche Zeit verbringe ich unter Wasser. Ich bin dankbar, dass ich mit meiner aktuellen Position bei der Zürcher Kantonalbank beide Welten, Banking und Tauchen, gut vereinen kann.

Sie sind dem Private Banking seit über zwanzig Jahren treu – was gefällt Ihnen dort so gut?

Ganz klar der Kundenkontakt. Wenn ich merke, dass ich mit einem Beratungsgespräch wirklich weitergeholfen habe und ich positive Rückmeldungen vom Kunden bekomme – das treibt mich an. Aktuell bin ich ja in einer Springerfunktion, was für mich perfekt passt. Denn wenn ich einspringe, ist meist Not «an der Frau» – und ich laufe zur Hochform auf, wenn es herausfordernd wird.

Bei Ihren Antworten schwingt viel Flexibilität mit. Ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Absolut. Man sollte immer einen Plan B und C haben. Die Möglichkeit des Wandels habe ich in mein Denken fest integriert. Denn aus dem Wandel ergeben sich die besten Chancen. Und es mag naiv klingen: Aber ich habe ein unerschütterliches Vertrauen darin, dass alles gut kommt. Ein Beispiel: Als ich mit dem 60-Prozent-Pensum hier am Zürichsee angefangen habe, hatte ich noch keine einzige Kursbuchung als Höhlentauchinstruktorin und wusste nicht, in wie vielen der über 22 Wochen unbezahlter Zeit ich ein Einkommen erzielen können würde. Aber ich habe darauf vertraut, bis dahin alles richtig gemacht zu haben. Und zwei Monate später habe ich gelesen, dass das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau jedes Jahr im späten Winter einen Taucher sucht für Unterwasser-Ausgrabungen. Bewerben konnte sich, wer acht Wochen am Stück Zeit hat – der Rest ist Geschichte.

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