Perfekt vorbereitet fürs Videointerview

Dives Pellegrini kennt sich mit Videointerviews aus – rund hundert innerhalb eines Jahres hat die erfahrene Recruiterin der Zürcher Kantonalbank nun hinter sich. Im Interview gibt sie Tipps für Bewerberinnen und Bewerber.

Text: Johanna Stauffer / Bild: Simon Baumann

Dives Pellegrini, Recruiterin bei der Zürcher Kantonalbank
«Videointerviews sind gut für einen ersten Eindruck. Als nahe Bank legen wir aber nach wie vor Wert auf den persönlichen Austausch vor Ort»: Recruiterin Dives Pellegrini.

Frau Pellegrini, mögen Sie uns vorab etwas über Ihren Werdegang erzählen?

Nach meinem Abschluss des Wirtschaftsstudiums an der FH St. Gallen im Jahr 2005 habe ich mich für den Einstieg in die HR-Welt entschieden – und es bis heute nicht bereut. Ich war in verschiedenen Unternehmen und Branchen im Personalbereich aktiv.

2013 bin ich zu Swisscanto gekommen, die dann Teil der Zürcher Kantonalbank wurde. Nach der Integration durfte ich als Assistentin unseres HR-Leiters Marco Beutler sehr spannende und vielseitige Aufgaben ausführen und in unterschiedlichen Projekten mitarbeiten.

Nach mehrmaligen Aushilfseinsätzen im Recruiting-Team der Zürcher Kantonalbank habe ich mich vor gut einem Jahr entschieden, mich ganz der Talentgewinnung und Rekrutierung zu widmen, da dies der Teil der Personalarbeit ist, der mich am meisten begeistert.

Für welche Bereiche rekrutieren Sie?

Meine beiden Hauptbereiche sind einerseits die Direktbank und andererseits das Multichannel-Management der Zürcher Kantonalbank.

In der Direktbank werden über eine halbe Million Privatkunden betreut. Hier suchen wir immer wieder gute Kundenbetreuerinnen und -betreuer – aber auch viele Spezialistinnen und Spezialisten.

Das Team rund um das Multichannel-Management befasst sich mehrheitlich mit der Interaktion zwischen unseren Kundinnen und Kunden und ihren Beraterinnen und Beratern. Aktuell suchen wir einige Business Engineers oder auch Strategie-Expertinnen und -Experten für das Multichannel-Management. Ein Blick in die Jobbörse der ZKB lohnt sich also.

Seit wann nutzt die Zürcher Kantonalbank Videointerviews?

Auch wenn wir vorher ab und zu Video-Calls getätigt haben, der Durchbruch kam durch die Corona-Pandemie. Vorher hat unsere Bank fast ausschliesslich auf persönliche Interviews gesetzt. In den letzten rund 18 Monaten durfte ich deshalb rund 100 Videointerviews durchführen.

Wird inzwischen der gesamte Auswahlprozess virtuell durchgeführt?

Nein. Üblicherweise wird nur das erste Interview virtuell durchgeführt. Das zweite Gespräch versuchen wir vor Ort zu organisieren. Wir haben aber auch schon Mitarbeitende ohne persönliches Interview eingestellt. So konnten wir letzten Frühling eine Bewerberin für uns gewinnen, die wir ausschliesslich virtuell kennengelernt haben, da sie sich während des Prozesses auf einer Auslandreise in Costa Rica befand. Es geht auch ohne persönliches Treffen, wenn es nicht anders machbar ist. Flexibilität ist besonders wichtig im aktuellen Umfeld.

Welches Programm wird für Video-Calls genutzt?

Wir sind sehr pragmatisch unterwegs und nutzen MS-Teams. Es ist einfach in der Handhabung und die meisten Menschen sind den Umgang mit der Software seit Corona gewohnt.

Meine Tipps für alle, die sich bei uns bewerben: Wer noch keine Erfahrung mit MS-Teams hat, sollte im Vorfeld mit Freunden einen Teams-Call aufsetzen, um die Funktionen kennenzulernen. Um die Nervosität vor einem Bewerbungsgespräch zu senken, macht es Sinn, sich frühzeitig in den Call einzuwählen. Falls trotzdem technische Probleme auftreten sollten, gilt es Ruhe zu bewahren und uns anzurufen oder kurz ein E-Mail zu schreiben. Wir helfen dann gern.

Was ist Ihr Fazit nach dieser Zeit und den vielen Videointerviews?

Anfangs war ich eher skeptisch, da ich den persönlichen Austausch sehr schätze. Insgesamt bin ich aber positiv überrascht: Es funktioniert sehr gut. Ein virtuelles Interview bringt viele Vorteile mit sich: Es macht uns in der Organisation flexibler, es spart Wege und Aufwand – auch für die Kandidatinnen und Kandidaten. Den Bewerbenden und mir ermöglicht ein virtuelles Interview einen ersten Eindruck. Trotzdem glaube ich, dass der persönliche Austausch damit nicht vollständig ersetzt werden wird. Uns als Bank ist der persönliche Kontakt zu Kunden wie auch Bewerbenden wichtig.

Gibt es zum Beispiel einen idealen Hintergrund für Videointerviews?

Idealerweise sollte der Videohintergrund möglichst neutral und unaufgeregt sein; bei MS-Teams kann zum Beispiel ein Hintergrund ausgewählt werden. Empfehlenswert ist ein Ort, an dem man sich wohl fühlt und bequem sitzt. Ausserdem sollte man ungestört sein.

Für die Perfektionisten: Um wortwörtlich im bestmöglichen Licht zu erscheinen, sollte darauf geachtet werden, dass es hell genug ist. Falls das Videointerview mit einem Laptop geführt wird, sollte die Kamera auf Augenhöhe sein. Das Gesicht «von unten» zu zeigen, ist meistens eher unvorteilhaft.

Was ist, wenn plötzlich die Kinder ins Bild laufen?

Natürlich ist das keine Katastrophe. Ich würde zu Beginn des Gesprächs die aktuelle Betreuungssituation immer kurz erwähnen.

Was ist das perfekte Outfit für einen Video-Call?

Angemessen ist Kleidung, die auch für ein persönliches Kennenlernen vor Ort ausgewählt werden würde. Es muss nicht Anzug und Krawatte sein, aber für die Position angemessen. Was weniger gut ankommt, ist der «Schlabberlook». Aber auch hier gilt, dass man sich in der Kleidung wohlfühlen sollte.

Haben Sie sonst noch Tipps?

Sowohl für virtuelle als auch persönliche Interviews gilt: Authentisch bleiben und sich nicht verstellen.

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