Push-Nachricht bei Erdbeerenernte

Regionale Lebensmittel sind gefragter denn je. Doch profitieren davon nicht primär die Landwirte. Das wollen Bäuerinnen und Bauern im Kanton Zürich ändern.

Text: Livia Caluori

Die Konsumenten wollen Lebensmittel aus der Region, am besten direkt vom Hof - COVID-19 hat diesen Trend noch verstärkt. Das veränderte Konsumentenverhalten wurde in einer Studie der Hochschule Luzern bestätigt. Das freut die Zürcher Landwirte. Doch sie haben nicht viel davon. Denn ihr Anteil an der Marge der Agrarprodukte sinkt stetig weiter, während sich Verarbeiter und Grossverteiler gleichzeitig ein immer grösseres Stück sichern. Deshalb wollen immer mehr Bauern in den Direktvertrieb einsteigen. Nun hat der Zürcher Bauernverband reagiert und nach einer Möglichkeit gesucht.

Auch mit TWINT kommt man zum Schälchen Erdbeeren oder Halbliter Süssmost.
Auch mit TWINT kommt man zum Schälchen Erdbeeren oder Halbliter Süssmost. (Bild: Hoflädeli24)

Direkte Kundenansprache dank App

Die Lösung steht auf dem Hof der Familie Nef im idyllischen Oetwil am See. In einem hellblauen mit Edelweissen gespickten Gewand hebt sich der Kasten von den Reihen der grünen Apfelbäume auf dem Feld ab. Er ist der erste seiner Art - und er ist erfolgreich: Das gekühlte «Hoflädeli24» löst den bedienten Hofladen im Verkauf von Produkten direkt ab Hof ab. Hans Nef ist zufrieden: «Seit wir den Automaten haben, können wir unsere Kunden direkt über die Verfügbarkeit von saisonalen Produkten informieren, ganz einfach via App. Heute haben wir beispielsweise Erdbeeren geerntet. Schauen Sie mal, es ist wirklich einfach: Wenige Klicks - und ping: Schon erscheint auf allen installierten Apps in der Region eine Push-Nachricht. So können wir mit wenig Aufwand Kunden über das frische Obst im Automaten benachrichtigen.» Doch das Hoflädeli24 ist nicht nur ein digitaler Automat, sondern ein modernes Netzwerk. So wird dem Käufer in der Hoflädeli24-App in Echtzeit aufgezeigt, welche Produkte im Umkreis erhältlich sind.

Es funktioniert auch umgekehrt und informiert den Anbieter - über Nachfrage, Abrechnung und Bestände: «Über die vergangenen Wochenenden haben mich die Spaziergänger mit ihrem Durst nach Süssmost ziemlich auf Trab gehalten», lacht Nef.

Finanzierung weiterer Automaten gesichert

Den Automaten auf dem Hof der Familie Nef sollen viele weitere folgen. Denn das kürzlich abgeschlossene Pilotprojekt kam gut an. So gut, dass Dutzende weitere interessierte Landwirte beim Zürcher Bauernverband Schlange stehen. Die Finanzierung der ersten 40 Automaten ist gesichert: «Mit dem Zürcher Bauernverband stehen wir im engen Kontakt. Als sie auf uns zukamen, war schnell klar, dass wir bei diesem Projekt als Finanzierungspartner dabei sein wollen», sagt Reto Willenegger, Leiter Geschäftskunden. Ganz so schnell ging es dann aber doch nicht, erklärt Geschäftskundenbetreuer Markus Kuhn: «Auch Mitbewerber interessierten sich für das Projekt. Nach einigen Anpassungsrunden - und noch mehr Schweisstropfen - legten wir dann die gewinnende Offerte vor.» Die beiden freuen sich einerseits, weil es ein Prestige-Projekt ist, das unsere Bank trotz starker Konkurrenz für sich gewinnen konnte. Und andererseits, weil die Rastmöglichkeit für den nächsten Bike-Ausflug gesichert ist.

Rastmöglichkeit: Der Hoflädeli-Automat als Energiequelle für den Bike-Ausflug.
Rastmöglichkeit: Der Hoflädeli-Automat als Energiequelle für den Bike-Ausflug. (Bild: Colin Bollier)

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