Tipps für den Jobwechsel mit 50 plus

Mit über 50 Jahren einen neuen Job finden ist fast unmöglich? Stimmt nicht. Im Gespräch mit Rekrutierungsexpertin Angela Glauser räumen wir mit Vorurteilen auf, zeigen, wie der Jobwechsel auch dann gelingt und geben praktische Tipps.

Text: Ina Gammerdinger

Angela Glauser, Expertin Talentgewinnung & Rekrutierung bei der Zürcher Kantonalbank. (Bild: Simon Baumann)
Angela Glauser, Expertin Talentgewinnung & Rekrutierung bei der Zürcher Kantonalbank. (Bild: Simon Baumann)

Frau Glauser, für viele ist es eine klare Sache: Mit 50 plus landet die Bewerbung doch sowieso auf dem Absagestapel.

Das ist ein klassisches Vorurteil. Aktuell herrscht ein akuter Fachkräftemangel und auf politischer Ebene wird über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit diskutiert – mit 50 Jahren stehen wir also mitten im Leben.

Bei der Zürcher Kantonalbank profitieren wir gerne vom Know-how der sogenannten «Best Ager». Ich rekrutiere unter anderem für unser Produktmanagement oder auch für das Team unseres Chief Investment Officers – es sind anspruchsvolle Profile, bei denen eine gewisse Berufs- und Lebenserfahrung sogar von Vorteil sind.

Generell treffen wir unsere Vorauswahl aufgrund eines Matches mit dem gesuchten Profil und schauen uns die Teamkonstellation an. Die Anforderungen müssen zu einem Grossteil erfüllt sein, das Alter spielt dabei keine Rolle. Für uns zählen Kompetenzen und eine gewisse Konstanz im Werdegang. Wenn eine 55-jährige Person alle zwei Jahre die Stelle gewechselt hat und dabei in völlig anderen Funktionen als dem gesuchten Profil tätig war, kommt sie höchstwahrscheinlich nicht in die engere Auswahl – nicht aber wegen ihres Alters.

Lassen Sie uns weitermachen mit den Vorurteilen: Am besten verschweige ich mein Alter in der Bewerbung.

Ältere Kandidatinnen und Kandidaten lassen tatsächlich das Geburtsdatum im Lebenslauf manchmal weg oder führen es erst ganz am Schluss auf. Das ist wenig sinnvoll, da erfahrene Recruiterinnen und Recruiter das Alter anhand des Werdegangs gut einschätzen können und so der Eindruck entsteht, es soll etwas verborgen werden. Mein Rat: Zum Alter stehen.

Ich muss mein Alter preisgeben – dann spielt es also doch eine erhebliche Rolle.

Wieso soll ich mein Alter verschleiern? Dadurch entsteht lediglich Raum für Interpretation. Unternehmen möchten oft Zeugnisse und andere relevante Unterlagen sehen und spätestens da taucht das Geburtsdatum auf. Wenn eine Firma ein Problem mit älteren Mitarbeitenden hat und diese Bewerbungen aussortiert, dann sortiert sie Bewerbungen auch ohne Altersangabe aus. Die wichtigere Frage, die man sich hierbei aber stellen sollte, ist: Will ich überhaupt bei solch einem Unternehmen arbeiten?

4 Tipps für Bewerbungen ab 50 plus

  1. 1 Auf die innere Einstellung kommt es an: Geraten Sie nicht in eine Bittsteller-Position. Machen Sie sich stattdessen Ihre Stärken bewusst und präsentieren sie diese überzeugend.
  2. 2 Besinnen Sie sich auf Ihre Erfolge: Es gibt keinen Grund, das Alter in den Vordergrund zu stellen. Verweisen Sie stattdessen auf Ihre Kompetenzen und Erfolge.
  3. 3 Vorurteile entkräften: Sie sind trotz Ihres Alters Neuem gegenüber immer noch offen? Schreiben Sie das bloss nicht. Vermeiden Sie Formulierungen wie «Ich bin noch lernfähig», denn dadurch weisen Sie direkt auf Ihr Alter und mögliche Vorurteile hin. Stattdessen sollten Sie mit einer kürzlich abgeschlossenen Weiterbildung punkten.
  4. 4 Persönliches Netzwerk nutzen und aktivieren: Ihr grosser Vorteil gegenüber jüngeren Kandidatinnen und Kandidaten ist Ihr Netzwerk. Nutzen Sie es aktiv.

Fahren wir fort mit den Klischees: Mit 50 Jahren kann ich nicht mehr mithalten.

Oh doch. Über 50-Jährige verfügen über mehr Lebens- und Berufserfahrung, sie bringen eine gewisse Seniorität, aber auch Stabilität und Gelassenheit mit. Dadurch können sie möglicherweise mit verschiedenen Situationen oder Unsicherheiten besser umgehen. Sie haben in ihrem Leben sicher schon den einen oder anderen Fehler gemacht und daraus gelernt. Die Karriereplanung verändert sich, man weiss besser, was man will, die Kinder – wenn vorhanden – sind schon aus dem Haus und ein schneller Jobwechsel ist eher die Ausnahme.

Niemand schätzt meine Skills.

Wichtig ist das richtige Wording. Denn Alter und langjährige Berufserfahrung sind kein Garant für Kompetenz. Sätze wie «Ich verfüge über 20 Jahre Berufserfahrung» sind nicht zielführend und kein Argument. Besser ist es, aufzuzeigen, welche Erfahrungen jemand ausmachen und wo die Stärken liegen – sowohl im Lebenslauf wie auch im Bewerbungsschreiben. Im Lebenslauf sollten Akzente gesetzt werden und der potenzielle Arbeitgeber muss schnell erkennen, dass die Person immer am Ball geblieben ist. Es ist nämlich wichtig, sich laufend weiterzubilden und vorhandene Wissenslücken – beispielsweise im Umgang mit digitalen Medien – zu schliessen.

Meine Bewerbung sticht eh nicht heraus.

Das gute Wording wird am besten mit einer frischen und zeitgemässen Bewerbung ergänzt. Bei vielen Berufserfahrenen liegt die letzte Bewerbung vielleicht schon einige Jahre zurück. Häufig werden dann einfach die uralten Unterlagen aktualisiert – keine gute Idee. Das Internet ist voll von Informationen über die Gestaltung einer überzeugenden Bewerbung. Ein Motivationsschreiben ist nicht immer zwingend erforderlich, man kann damit aber viel gewinnen – wenn es denn ansprechend formuliert und einen Bezug zum Inserat hat. Ganz wichtig: Auch der Lebenslauf ist nicht statisch und sollte auf die jeweilige Stelle angepasst werden.

Nach 30 Jahren Berufserfahrung ist mein CV viel zu lang.

Im Vergleich zu jüngeren Bewerberinnen und Bewerbern steht bei einer 50+-Bewerbung klar die bisherige Erfahrung im Fokus. Der Lebenslauf sollte also vollständig und nachvollziehbar, aber auch nicht zu lang sein. Daher empfehle ich Berufserfahrenen, lediglich die letzten beiden Stationen hinsichtlich Aufgaben und Verantwortungen detailliert aufzuführen und weiter zurückliegende Stellen nur kurz zu erwähnen. Besonders jene Tätigkeiten oder Kompetenzen sollten hervorgehoben werden, welche bei der neuen Stelle gefordert werden. Hatte jemand zu Beginn seiner Karriere viele Praktika und Jobwechsel, dann können diese zusammengefasst werden; beispielsweise mit dem Hinweis «1985 bis1989 diverse Praktika im kaufmännischen Bereich».

Die Liste der Vorurteile lässt sich weiter verlängern: Alle Zeugnisse zusenden, überfordert doch alle.

Auch hier gilt es zu fokussieren. Erfahrene Bewerberinnen und Bewerber können auf Schulzeugnisse mit Noten und Arbeitszeugnisse aus längst vergangenen Tätigkeiten verzichten. Unabhängig vom Alter kann man auch auf Zwischenzeugnisse verzichten, wenn diese inhaltlich identisch zum Abschlusszeugnis sind. Auch bei Weiterbildungszertifikaten gilt Klasse vor Masse: Nur relevante Weiterbildungen sollten der Bewerbung hinzugefügt werden. Eine Bestätigung der Office-Schulung vor 15 Jahren hilft wenig.

Ich bin viel zu teuer.

Alter legitimiert nicht unbedingt ein höheres Gehalt. Früher galten Senior- oder Experten-Positionen als Privileg für ältere Personen mit entsprechendem Gehalt. Heute zählen Wissen und Kompetenz. Bei der Zürcher Kantonalbank wird funktionsbasiert entlöhnt. Wer die Chance erhält, sich neues Wissen aneignen zu können, verzichtet allenfalls auf einen höheren Lohn.

Die Digitalisierung verhindert Jobchancen.

Die heutige Berufswelt entwickelt und verändert sich in einem rasanten Tempo; und stellt uns Arbeitnehmende vor viele Herausforderungen. Gerade wenn es um das Thema Digitalisierung geht, fallen einem ab einem gewissen Alter Dinge vielleicht nicht mehr so einfach wie früher. Man braucht eventuell auch länger, um ein neues System zu verstehen. Daher ist es ungemein wichtig, am Ball zu bleiben – und in der Bewerbung die geforderten Kompetenzen anhand von Beispielen aufzuzeigen oder sogar zu belegen.

Ich habe Angst, dass mich niemand will.

Aus Angst, keine Stelle zu finden, begehen ältere Bewerberinnen und Bewerber häufig den Fehler, sich auf zu viele unterschiedliche Jobangebote in zu kurzer Zeit zu bewerben. So geht der Fokus und die Aufmerksamkeit verloren. Auch betonen viele zu stark das Alter, sie rechtfertigen sich oder verfallen in eine Art Opferrolle: Statt positive und motivierte Vibes transportiert die Bewerbung dann nur Negatives.

Über Angela Glauser

Seit 30 Jahren steckt Angela Glauser ihr Herzblut in die Personalarbeit – dies in unterschiedlichen Rollen und verschiedenen Branchen – am längsten für die Zürcher Kantonalbank. Seit drei Jahren konzentriert sie sich auf die Talentsuche für die Geschäftseinheit Products, Services & Directbanking. Neben der Arbeit treibt sie gerne Sport, pflegt Freundschaften und verwöhnt Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten, während sich ihr Mann um den Wein kümmert.

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