Was haben Dating und Stellensuche gemeinsam?

Ob Sie wechselnde, kurze Liaisons bevorzugen oder doch eher etwas für die Ewigkeit wollen – auch die Stellensuche ist eine Typenfrage. David Halter erklärt, weshalb.

Text: Ina Gammerdinger / Bild: Simon Baumann

David Halter rekrutiert bei der Zürcher Kantonalbank und ist stets auf der Suche nach Talenten. Die Vertraulichkeit ist ihm wichtig: «Ihren Kontostand sollten Sie generell für sich behalten, auch beim Dating.»

Job und Partnerschaft sind wichtige Säulen in unserem Leben und füllen unseren Alltag aus. Inwiefern die Suche nach dem Beziehungsglück Parallelen zum Sondieren von Jobs aufweist, darum soll es im Folgenden gehen: David Halter, der bei der Zürcher Kantonalbank in der Rekrutierung arbeitet, hat diesbezüglich spannende Gemeinsamkeiten entdeckt – aber auch einen wichtigen Unterschied.

Zentral ist jeweils: Wir sollten wissen, was wir wollen. Und uns genauso darüber im Klaren sein, was wir zu bieten haben. So tarieren sich am Markt Angebot und Nachfrage aus. Zwar gibt es hier wie dort die Liebe auf den ersten Blick, sich jedoch die nötige Zeit für eine nachhaltige Entscheidung zu nehmen, macht sich bezahlt.

Giesskanne oder Wasserstrahl? Wie sich die Suche gestaltet.

Mit der Wahl des Suchverhaltens beginnt der Prozess. Es ist Ihre erste grosse Entscheidung. Mit ihrer Bewerbung und einer entsprechenden Kommunikation positionieren Sie sich. Es gilt: Verkaufen Sie sich nicht unter Wert. Ihr Profil sollte einladend und authentisch sein. Unwahrheiten sind selbstredend ein No-Go. Die Zahl der Kontaktaufnahmen sollte überschaubar bleiben. Sie sollten den Überblick behalten, wem Sie was eingereicht und erzählt haben, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Verzweifelt Suchende sind unbeliebt. Meint: Streuen Sie Ihre Bewerbung nicht planlos und ziehen Sie sich nicht zu oft aus einem weit fortgeschrittenen Prozess zurück. Beides senkt mittelfristig Ihren Marktwert.

Für einen guten ersten Eindruck gibt es nur eine Chance – das erste Interview ist wichtig. 

Tag X ist gekommen – das erste Treffen steht an. Beide Parteien sollten nun die wichtigste Basis einer jeden Beziehung schaffen: Vertrauen. Authentizität, Glaubwürdigkeit, Ernsthaftigkeit sowie Wissen, Erfahrung und Persönlichkeit, all das befindet sich nun auf dem Prüfstand. Wie fühlen sich Begrüssung, Small-Talk, fundierter Austausch an? Möchten Sie am liebsten gleich wieder gehen oder könnten Sie Ihrem Gegenüber stundenlang zuhören? Er Ihnen? Etwas Nervosität ist normal. Trotzdem ist dazu zu raten, mitunter unangenehmen, jedoch relevanten Fragen über Ihre Vergangenheit nicht auszuweichen; seien Sie auf sie vorbereitet. Sie sollten zum Ende des Gesprächs hin wissen, ob Sie überhaupt noch Interesse an diesem Job haben. Wer meldet sich danach – und soll es zu einem weiteren Treffen kommen? Schaffen Sie Verbindlichkeiten, indem Sie klare Aussagen machen – bitte keine «Spielchen». Sich nach dem Treffen zu reflektieren, schadet nicht.

So bleiben Sie auf dem Radar.

Melden Sie sich ruhig danach und geben Sie eine Rückmeldung. Stossen Sie hier Ihrem Gegenüber jedoch mit einer allfälligen totalen Ehrlichkeit nicht vor den Kopf; Ihr Taktgefühl zählt. Sie haben weiterhin Interesse und wünschen ein zweites Treffen? Dann sagen Sie dies geradeheraus. Fahren Sie mehrspurig? Dann seien Sie ehrlich, wenn Sie danach gefragt werden. Wenn auch Ihr Gegenüber weiterhin Interesse an Ihnen hat, sollten Sie jetzt erst recht nicht überborden: Zu viele Anrufe und Nachrichten Ihrerseits wirken bedrängend und überhaupt wenig professionell. 

 

Die heisse Phase

Nun geht es auf die Zielgerade – womöglich sind Sie bald vergeben. Doch bevor Sie sich nun binden, reflektieren Sie das Geschehene nochmals und beantworten Sie für sich wichtige Fragen ganz ehrlich: Fühlt sich die Verbindung immer noch gut an? Haben beide Parteien wirklich die gleichen Interessen und Absichten? Kennen Sie die Kehrseite der Medaille? Lassen Sie sich bloss nicht blenden, mit leeren Versprechungen abfertigen und werfen Sie keinesfalls Ihre Werte über den Haufen. Auch sollten Sie offen sein und preisgeben, was Ihre Wünsche und Vorstellungen punkto der sich anbahnenden Beziehung sind.

Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.

Haben sie einen Korb kassiert? Behalten Sie die Nerven und fragen Sie aktiv nach, was der Grund ist. Akzeptieren Sie die Rückmeldung und reflektieren Sie sich danach selbst. Bleiben Sie stets höflich, profitieren Sie von den gemachten Erfahrungen. Möchten Sie die Absage erteilen? Mut, Timing und Kommunikation sind entscheidend. Kurz: Ein prompter Kontaktabbruch geht gar nicht und schadet sogar Ihrem Ruf. Stellen Sie sich einmal vor, Sie daten jemanden, hören dann nichts mehr und sehen diese Person später irgendwo wieder … Wie heisst es doch: Man sieht sich immer zweimal im Leben.

Sie sind am Ziel. Wie weiter?

Ihre Beziehung zu sich selbst ist besonders wichtig – seien Sie deshalb achtsam mit sich. Machen Sie sich nun bewusst, dass es der Konstanz bedarf, des Einsatzes. Bleiben Sie offen für Veränderungen. Auch Fairness ist immer ein hohes Gut. Entwickeln Sie sich weiter, werden Sie mit sich zufriedener sein. Und andere mit Ihnen.

 

 

Job-Bewerbung und Partnerschaft – welchen Unterschied gibt es also?

Sich auf Teufel komm raus allumfassende Informationen zu beschaffen, das ist nur bei der Stellensuche erlaubt, doch nicht bei der Partner- und Partnerinnenwahl. Nutzen Sie guten Gewissens sämtliche Möglichkeiten, um sich über ein Unternehmen zu informieren. Bei einer Job-Bewerbung dürfen Sie davon ausgehen: Ihre Privatsphäre wird gewahrt. Fragen nach Ihrer Religion oder Ihren Familienplänen sollten erst gar nicht gestellt werden, aber wenn doch, dann sollten Sie der Beantwortung geschickt ausweichen. Ihren Kontostand sollten Sie generell für sich behalten, auch beim Dating.

 

Und nun: Viel Erfolg bei Ihrer Suche. 

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