ZKB Schillerpreis 2026 für Gerhard Meister
Der Autor Gerhard Meister wird für sein Werk «Cha me das therapiere» mit dem ZKB Schillerpreis 2026 ausgezeichnet. Die Jury würdigt die sprachliche Vielseitigkeit, den feinen Humor und die präzise Beobachtungsgabe des Berner Mundartautors.
Text: Katrin Hasler / Bilder: Dominique Meienberg
Gerhard Meisters Werk «Cha me das therapiere» ist eine Sammlung von Prosatexten und Versen voller Sprachwitz, überraschenden Perspektiven und einer feinen Beobachtungsgabe – dafür erhielt der 59-Jährige nun den ZKB Schillerpreis 2026. Die Jury lobte insbesondere die Fähigkeit des Autors, alltägliche Skurrilitäten auf den Punkt zu bringen und hierbei die Musikalität und den Rhythmus der Sprache zu zelebrieren.
Doch schon nach dem ersten Wort der ersten Zeile auf der ersten Seite des Textes stellte ich fest – so schnell wie das nur ein Zürcher kann: Auwä? Bärndütsch auso.
Dr. Jörg Müller-Ganz, Präsident des Bankrats der Zürcher Kantonalbank
Berndeutsch trifft auf Zürcher Boden
In seiner Rede anlässlich der Preisverleihung am 1. Juni im Literaturhaus Zürich würdigte Bankpräsident Dr. Jörg Müller-Ganz das mit dem ZKB Schillerpreis ausgezeichnete Werk von Gerhard Meister mit einer humorvollen Laudatio. Inspiriert von Gerhard Meisters Reihe von Sprechtexten, die durch «eine ausgesprochene Sensibilität für das Mündliche, den Rhythmus und die Musikalität einer vokalbetonten Sprache geprägt sind», schälte er die phonetischen und kulturellen Unterschiede von Meisters Berndeutsch und der ZKB-Konzernsprache Zürichdeutsch heraus.
«Gerhard Meister pflegt das mündliche Erzählen in seinem grossen textlichen Palmarès von Büchern, Hörspielen, Theaterstücken und CDs im Berner Dialekt als Kunstform. Und da muss ich als Zürcher ohne Wenn und Aber zugestehen, dass sich der Berner Dialekt dafür definitiv weit besser eignet als unser Züridütsch.»
Trotz seiner Berner – oder genauer gesagt Emmentaler – Wurzeln ist Zürich seit 27 Jahren Meisters Heimat. Mit einem Augenzwinkern spielte Müller-Ganz auf die sprachlichen Unterschiede zwischen Zürich und Bern an: «Doch schon nach dem ersten Wort der ersten Zeile auf der ersten Seite des Textes stellte ich fest – so schnell wie das nur ein Zürcher kann: Auwä? Bärndütsch auso. Für diese Erkenntnis hätte ein Berner vermutlich eine Eisenbahnfahrt – mit Umsteigen – von Burgdorf, "Burdlef", nach Züri gebraucht.»
Ein Abend voller literarischer Höhepunkte
Die Preisverleihung war sehr unterhaltend. Nach seiner Laudatio überreichte Jörg Müller-Ganz Gerhard Meister die Skulptur «Held Anti Held» des Zürcher Künstlers Max Grüter. Nicola Steiner, Leiterin des Literaturhauses Zürich, unterhielt sich anschliessend rege mit dem Preisträger – und zur Freude aller gab Gerhard Meister eine berndeutsche Hörprobe. Der Abend klang mit einem Apéro riche aus – und vielen Gesprächen über Literatur, das Leben und seine Geschichten.
Zur Person Gerhard Meister
Gerhard Meister wurde1967 im Emmental geboren und lebt seit 1999 in Zürich. Der Mundartautor hat sich mit seinen Prosatexten, Hörspielen, Theaterstücken und CDs einen Namen gemacht. Seine Werke zeichnen sich durch eine besondere Sensibilität für das Mündliche, für Rhythmus und Musikalität aus. Mit «Cha me das therapiere» legt er ein Werk vor, das die Jury als einzigartig in seiner sprachlichen und inhaltlichen Vielseitigkeit beschreibt.
Unser Engagement
Als Bank der Zürcherinnen und Zürcher engagieren wir uns seit 1979 für die Literaturförderung im Kanton Zürich. Der ZKB Schillerpreis wird jedes Jahr auf Vorschlag der Schweizerischen Schillerstiftung vergeben – an Autorinnen und Autoren, die mit ihrem Werk die literarische Landschaft der Schweiz bereichern. Wir freuen uns, mit dem diesjährigen Preisträger Gerhard Meister einen Künstler zu ehren, der seit Jahrzehnten mit seiner Stimme, seiner Sprache und seiner Haltung inspiriert – und Zürich zu einem Ort gelebter Kultur macht.