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CEO Martin Scholl zur Wirtschaftshilfe in der Corona-Krise

"Die Banken werden die Erwartungen des Bundesrates und der KMU erfüllen."

Rede von Martin Scholl, Vorsitzender der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank, an der Medienkonferenz des Bundesrates vom 25. März 2020 zum Massnahmenpaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise

Sehr geehrter Herr Bundesrat, sehr geehrter Herr Vizekanzler

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich habe sie alle hautnah erlebt: die Immobilienkrise in den 1980/90er Jahren, das Swissair-Grounding 2001, die Finanzkrise 2008, die Eurokrise 2015 und jetzt leider auch Corona. Was wir heute erleben, übertrifft alles. Die volle Wucht dieser Krise wird mir jeden Tag bewusst: Wir sehen von unserem Wohnzimmer auf den Flugplatz Dübendorf mit einem Teil der gegroundeten Swiss-Flotte. Und von meinem Büro blicke ich auf die praktisch menschenleere Bahnhofstrasse. Ein dramatischer und auch trauriger Anblick.

Ankündigungen gibt es rund um den Globus viele in diesen Tagen. Wichtig ist am Schluss, dass die Gelder auch fliessen, die Löhne bezahlt werden und diese schwierige Phase gemeinsam gemeistert werden kann. Und zwar schnell.

Der Bund hat vor wenigen Tagen versprochen, dass er liefert. Und er hat es getan. Mit dem Entscheid des Bundesrates von heute Morgen steht die Lösung. Nicht nur konzeptionell, sondern wie vom Bundesrat gefordert auch umsetzbar. Das war nur möglich, weil auf allen Seiten im 7/24-Modus, auf der Basis von Vertrauen und Respekt um Lösungen gerungen wurde. Es wurde Unglaubliches geleistet, von den Mitarbeitenden der Behörden und auch der Banken. Ohne diesen Einsatz wäre dies nicht möglich gewesen. Das gewählte Vorgehen mit dem Einschalten der Banken ist sinnvoll und richtig. Alle anderen Lösungen sind zwar theoretisch vorstellbar, aber nicht praxistauglich. Schon gar nicht in der geforderten Geschwindigkeit. Die Banken inkl. Postfinance haben die Kundenbeziehungen, die notwendigen Informationen, die Systeme, das Know-how und die Ressourcen. Alle relevanten Geschäftsbanken werden an diesem Programm teilnehmen und sind absolut gewillt, einen Beitrag zu leisten.

Die Vorbereitungen laufen überall auf Hochtouren. Wir alle haben nur ein Interesse: die Liquidität so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen. Viele Banken werden ab morgen operativ bereit sein. Einige werden noch etwas mit Startschwierigkeiten kämpfen. Ich kann allen KMU versichern: das ist mit Sicherheit nicht schlechter Wille oder Verweigerungshaltung. Das Ganze wird sich in wenigen Tagen eingespielt haben. Die Banken werden die Erwartungen des Bundesrates und der KMU erfüllen!

Lassen sie mich noch kurz etwas sagen zur Lösung der Kantone, im speziellen zum Kanton Zürich. Am 18. März 2020 erliess der Regierungsrat des Kantons Zürich verschiedene Notstandsmassnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Belastung durch den Coronavirus. Dazu gehört eine Kreditausfallgarantie zu Gunsten von Zürcher Geschäftsbanken im Umfang von 425 Millionen Franken. Damit sollen subsidiär zu den Massnahmen des Bundes gesamthaft 500 Millionen Franken Kredite von Geschäftsbanken abgesichert werden. 

Die Funktionsweise ist also gleich wie bei dem Covid-19-Kredit plus des Bundes. Die Banken übernehmen 15 Prozent des Risikos. Laufzeit der Garantie ist fünf Jahre. Die Banken müssen ihre Teilnahme am Programm bis zum 27. März 2020 beim Kanton anmelden. Wir gehen davon aus, dass dies die relevanten Banken tun werden.Unter die Lösung des Kantons Zürich fallen alle Unternehmen mit Steuerdomizil Zürich bis zu 250 Mitarbeitenden.

Die Subsidiarität wird sichergestellt, indem die KMU im Rahmen einer Selbstdeklaration verschiedene Zusicherungen abgeben müssen. Insbesondere müssen sie bestätigen, dass sie alle anderen zur Verfügung stehenden Hilfen beantragt haben oder noch werden. 

Die Lösung des Kantons Zürich kann in Anspruch genommen werden, wenn

  • die Lösung des Bundes nicht anwendbar ist oder
  • nicht zu sinnvollen Lösung von Härtefällen führt. 

Der Zinssatz für den durch den Kanton garantierten Teil richtet sich nach der Verordnung des Bundesrates. Der Zuschlag des Kantons beträgt 0 Prozent. Die Banken entscheiden über die Vergabe von Krediten gemäss ihren eigenen Vorgaben und Prozessen. Für die definitive Operationalisierung musste zuerst die Verordnung des Bundesrates abgewartet werden. Diese liegt nun vor. Es ist die Absicht aller Parteien, die Lösung des Kantons Zürich per  30. März 2020 funktionsfähig zu machen. 

Meine Damen und Herren von den Medien, geschätzte KMU-Vertreterinnen und Vertreter. Aus Sicht der Banken können wir Ihnen versichern, dass wir nicht nur die Bundes- und auch Kantonslösungen mit voller Kraft unterstützen, sondern wo immer sinnvoll und irgendwie machbar zusätzlich auch ins Risiko gehen. Wir bei der Zürcher Kantonalbank haben in den letzten Tagen schon Zusatzlimiten im Umfang von mehreren 100 Millionen Franken gesprochen und Amortisationen sistiert. Und wir werden dies weiterhin tun. 

Wir gehen schliesslich alle davon aus, dass es sich um ein zwar sehr schmerzhaftes, aber vorübergehendes Phänomen handelt. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


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