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Starke Korrektur bei Gold und Silber

Das Jahr 2026 begann für die Edelmetalle mit dynamischen Kursentwicklungen. In der zweiten Januarhälfte kletterte der Goldpreis im Soge der Grönlandkrise nahezu mühelos über die Marke von 5'500 US-Dollar pro Feinunze, während auch Silber die Schwelle von 100 US-Dollar pro Feinunze problemlos erreichte. Just zum Monatsende kamen der Gold- und Silberpreis ins Schwanken. Am Freitagabend korrigierten die Edelmetalle abrupt. Wie ist das einzuordnen? Erfahren Sie mehr dazu im Beitrag.

Text: Manuel Ferreira

Manuel Ferreira, Chefstratege Zürcher Kantonalbank (Bild: Andreas Guntli)
Ein erstarkter US-Dollar macht Gold für Investoren ausserhalb des Dollarraums teurer, weshalb die Nachfrage insgesamt sinkt (Bild: Christian Grund)

Was war der Auslöser für die starke Korrektur an den Edelmetallmärkten?

Nachdem die Schwäche des US-Dollars (USD) den Goldpreis am Donnerstag (29. Januar) auf über 5'500 USD/Unze befeuerte, führten Aussagen des US-Finanz­ministers Scott Bessent, in denen er sich für einen starken USD aussprach, sowie die Dementierung von Stützkäufen im japanischen Yen zu einer Erstarkung des USD. In der Folge korrigierten der Gold- und Silberpreis, begleitet von technischen Gewinn­mitnahmen, um 8 Prozent bzw. 11 Prozent.

Noch am gleichen Tag erholten sich die Preise fast vollständig. Die Korrektur setzt sich allerdings am Freitag fort, als sich die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef abzeichnete und bestätigte. Sollte der Republikaner Kevin Warsh vom Senat bestätigt werden, würde er im Frühsommer 2026 die Nachfolge des amtierenden Fed-Präsidenten Jerome Powell nach dessen regulärem Amtsende antreten. Gleichzeitig erstarkte der US-Dollar weiter.

Die Märkte erwarten mit Kevin Warsh einen strengen Inflationshüter mit straffer Geldpolitik, der auch wenig von Bilanz­ausweitungen – sprich Staatsanleihen­käufen durch die Zentralbank – hält. Dies hat zusammen mit den Aussagen von Scott Bessent das Vertrauen in den Greenback wieder­hergestellt. Ein erstarkter US-Dollar macht Gold für Investorinnen und Investoren ausserhalb des Dollarraums teurer, weshalb die Nachfrage insgesamt sinkt. Zudem verringern höhere Zinsniveaus die Attraktivität von Gold im Vergleich zu anderen Anlagen, da Gold keine Erträge wie zum Beispiel Zinsen oder Dividenden abwirft. Genau diese breit­gestützten Erwartungen führten am Monatsende nach der Nominierung von Kevin Warsh dazu, dass viele Markt­teilnehmer ihre Bestände verkauften, was die starken Kursrück­gänge bei Gold und Silber auslöste. Gleichzeitig erstarkte der US-Dollar gegenüber allen Währungen wieder. Der Gold- und Silberpreis scheint sich heute Morgen auf tieferem Niveau 4500 USD/Unze bzw. 75 USD/Unze zu stabilisieren.

Unsere Einschätzung zu Gold

Für die Vermögens­verwaltungs- und Anlageberatungs­mandate der Zürcher Kantonalbank halten wir seit Längerem ein leichtes taktisches Übergewicht in Gold und werden dies beibehalten. Diese Position begründen wir mit einem Umfeld erhöhter geopolitischer Risiken, allgemein hohen Staats­schulden, aber vor allem mit den Unsicherheiten rund um die fiskal- und geldpolitische Entwicklung in den USA. Auch wenn der designierte Fed-Chef Kevin Warsh dem US-Dollar mehr Halt gibt, gehen wir stark davon aus, dass die Zinsen in den USA weiter gesenkt werden. Zudem rechnen wir damit, dass die bevor­stehenden Steuer­rückerstattungen den Konsum in den USA kurzfristig anheizen werden und die Trump-Administration im Vorfeld der US-Zwischen­wahlen Massnahmen ergreifen wird, um die US-Wirtschaft weiter anzukurbeln. Innerhalb der Edelmetalle favorisieren wir Gold. Die strukturelle Nachfrage nach Gold ist durch verschiedene Käufer­gruppen wie Schmuck­industrie, Anleger, Zentral­banken und Finanzmärkte gut abgestützt. Insbesondere haben die Diversifikations­bemühungen der Zentralbanken, US-Devisen­reserven durch Goldreserven zu ersetzen, zu einer höheren Preisbasis von Gold geführt.

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