Unsere drei Anlagetrends für 2023

Für das kommende Anlagejahr definierte das Asset Management der Zürcher Kantonalbank drei Hauptthesen. Zwei davon sind positiv. Aber es gibt auch Risikofaktoren.

Das Anlagejahr 2023 – Das Asset Management der Zürcher Kantonalbank pickt drei Trends heraus.

Rasch steigende Zinsen als Reaktion auf rekordhohe Teuerungsraten, eine Energiekrise als Folge des Ukraine-Krieges und nach wie vor stockende Lieferketten – dieser «Giftcocktail» kontaminierte im Jahr 2022 nahezu alle Anlageklassen.

In Schweizer Franken gerechnet notiert der MSCI World rund 18 Prozent tiefer als noch zu Jahresbeginn (Stand: 31.12.22). Der globale Bondindex (Bloomberg Global-Aggregate Total Return Index, unhedged) hat 15 Prozent verloren. Auch kotierte Schweizer Immobilienfonds (SWIIT Index) bröckelten stark. Hier beträgt das Minus gut 16 Prozent.

Das drückte in der Folge auch auf ein klassisch gemischtes CHF-Portfolio, bestehend aus 60 Prozent Schweizer Aktien und 40 Prozent Schweizer Obligationen. Nur sieben Anlagejahre in der hundertjährigen Finanzmarktgeschichte der Schweiz waren schlechter als 2022, wie nachfolgende Grafik zeigt: 

Quelle: Bloomberg, SNB, Zürcher Kantonalbank, Portfolio monatlich rebalanced

Die dunklen Wolken werden zwar im kommenden Anlagejahr nicht gänzlich verschwinden. Allerdings: «Für 2023 sehen wir einige Silberstreifen am Horizont», sagt Anja Hochberg, Leiterin Multi-Asset Solutions.

Trend 1: Renaissance des Multi-Asset-Portfolios

Die Zinswende kehrt die Vorteile des Obligationen-Anteils in einem Multi-Asset-Portfolio endlich wieder stärker hervor. Zum einen ist mit deutlich mehr Renditebeitrag von den Obligationen zu rechnen als in den Jahren zuvor. Derzeit liegt die Gesamtmarktrendite für den Schweizer Markt (Swiss Bond Index) bei rund 2 Prozent.

Während der Negativzins-Periode ging ein Obligationen-Portfolio nicht nur mit fallenden Renditen einher, sondern auch mit steigenden Zinsrisken, d.h. einer höheren Duration. Dies hat sich nun gekehrt. Höhere Renditen an den Obligationenmärken gehen wieder mit weniger Zinsrisiken einher.

Trend 2: Milde Rezession erwartet

Rezessionen, insbesondere wenn sie heftig ausfallen, sind Gift für Aktienmärkte und andere risikobehaftete Anlagen. Wir erwarten zwar eine Rezession, aber nur eine milde. Die Gründe:

  • Der US-amerikanische Arbeitsmarkt ist nach wie vor robust.
  • Die Konsumentenverschuldung hält sich in Grenzen.
  • Die Banken sind mehrheitlich solide aufgestellt und die Unternehmen zeigen eine robuste Tragfähigkeit hinsichtlich der Schulden.
  • Einen überbordender Investitionsboom wie in den 2000er-Jahren oder eine massive Überbewertung bei Immobilien wie zuletzt 2008 ist nicht feststellbar.

Der Tiefpunkt der Konjunktur dürfte gegen Mitte 2023 eintreten. Der Aktienmarkt gilt erfahrungsgemäss als einer der besten Frühindikatoren für die künftige Konjunkturentwicklung. Unter den Voraussetzungen, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat und die Bewertungen noch ein wenig fallen, ist mit einem Ende der Börsenbaisse und mit einer anschliessenden Erholung bereits im ersten Quartal 2023 zu rechnen.

Die aktuelle Entwicklung der Teuerung unterstützt diesen vorsichtigen Optimismus. In den USA ist der Inflations-Zenit bereits überschritten. Preistreibende Güter wie etwa Rohstoffe, Lebensmittelpreise, Preise für Occasionsautos und insbesondere Frachtpreise haben sich allesamt verbilligt. Selbst die Mietpreise für US-Immobilien sinken seit vergangenem Oktober.

Sinkende Preise in den USA (Quelle: Bloomberg, Zürcher Kantonalbank per Ende Oktober 2022)

Die Teuerung wird im kommenden Jahr weiter abflauen, aber weiterhin ausserhalb des Zielbandes von 2 Prozent bleiben.

Ist der Inflationshöhepunkt erst überschritten, war dies in der Vergangenheit stets positiv für Aktien. Das zeigt unsere bis 1934 zurückreichende Analyse, die Aktienmarktbewegungen während Perioden von Inflationswerten von über 5 Prozent untersuchte. In den Monaten vor dem Erreichen des Teuerungshöhepunktes ist der S&P 500, der die Aktien der 500 grössten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst, um jeweils 30 Prozent gefallen. Ist der Zenit indes überschritten, haben Aktien in den Monaten danach die Verluste mehr als wettgemacht.

Höhepunkt der Inflation markiert Bodenbildung bei Aktien (Quelle: Bloomberg, Zürcher Kantonalbank per Ende Oktober 2022)

Trend 3: Systemische Risiken

Mit zunehmender Länge und Intensität des Konjunkturzyklus steigen nicht nur zyklische Risiken. Wir sehen auch systemische Risiken wieder auf dem Vormarsch. Neben der anhaltenden Ukraine-Krise zählen die geopolitischen Ambitionen Chinas zu den grössten derzeitigen Gefahren. Aber auch innenpolitisch steigen die Risiken und bergen die Gefahr von Politikfehlern. Steigende Arbeitslosigkeit und hohe Inflation öffnen Populismus auf der geld- oder fiskalpolitischen Seite Tür und Tor – Grossbritannien ist ein Beispiel hierfür. 

Diversifikation und das Investieren in sichere Häfen können jedoch Portfolio-Verluste eingrenzen, sollten sich die erwähnten Risiken materialisieren.

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Anja Hochberg, Leiterin Multi-Asset Solutions, im Interview mit Veronika Müller-Wilmes (Aufnahme vom 8. November 2022).

Asset Allokation 2023

Unsere Asset Allokation für das kommende Jahr spiegelt konsequenterweise unsere These der Rückkehr des Multi-Asset-Portfolios wider. Folgerichtig haben wir Obligationen und Aktien auf Kosten der Liquidität übergewichtet. Bei den Obligationen favorisieren wir globale Staatsanleihen und Obligationen aus Schwellenländern. Aktienseitig sehen wir vor allem Opportunitäten in entwickelten Märkten. Positiv sind wir für Immobilien Schweiz.

Unsere Asset Allokation für 2023 (Quelle: Zürcher Kantonalbank)

Dieser aktualisierte Artikel wurde ursprünglich am 12. Dezember 2022 auf cash.ch publiziert.

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