Was die Elektromobilität wirklich bewegt

Der finale Durchbruch der Elektromobilität gelingt, wenn die Produktionskosten der Batterien das Kostenniveau von Verbrennungsmotoren erreichen. Davon ist man nicht mehr weit entfernt.

Dr. Daniel Fauser, Co-Autor: Dr. Manuel Renz

Das Kernstück eines Elektrofahrzeugs (EV) ist das Batteriepack und nicht wie beim klassischen Verbrenner der Motor. Die Kosten für das Batteriepack machen heutzutage ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtkosten eines EV aus. Es ist die grösste einzelne Kostenkomponente. Damit spielt das Batteriepack die Hauptrolle in der Kostenreduktion von EVs.

Batterieherstellungs-Kosten im Sinkflug

Hersteller von Batteriepacks haben in den letzten Jahren grosse Fortschritte bei der Kostenreduktion erzielt. Der Batteriepreis sank von 1'220 USD/kWh im Jahr 2010 auf 132 USD/kWh im Jahr 2021, das heisst um über 89 %.

Entwicklung der Produktionskosten in USD für Batteriemodule

Quelle: Bloomberg New Energy Finance (BNEF)

Die wesentlichen Treiber dieser Kostensenkungen sind unter anderem:

  • Skalierungsvorteile bei der kapitalintensiven Produktion
  • Deutliche Technologiefortschritte, insbesondere bei der Erhöhung der Energiedichte (in kWh/kg)
  • Fortschritte beim Batterie-Design und der chemischen Zusammensetzung (z.B. Lithium-Eisenphosphat-Batterien, Cell-to-Pack-Technologie)

Kostenparität in Sichtweite

Die Forschung und der Markt gehen davon aus, dass die Kostenparität zwischen EVs und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor – unter sonst gleichen Bedingungen – bei Batteriekosten von zirka 100 USD/kWh erreicht wäre. Damit wären EVs voraussichtlich bereits in wenigen Jahren kostenkompetitiv relativ zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, was die Akzeptanz beim Endkunden und damit das EV-Wachstum weiter befeuern dürfte.

Dieses Wachstum wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren in den Erfolgszahlen grosser und namhafter Batteriehersteller wie zum Beispiel einer Contemporary Amperex Technology Corp., LG Energy Solution, BYD, oder Samsung SDI zeigen.

Wir verfolgen die Entwicklungen im Markt und bei den Batterietechnologien sehr eng und setzen diese unter Berücksichtigung von Qualitätsaspekten (Profitabilität, Verschuldung, etc.) in den nachhaltigen, globalen Aktienstrategien gegebenenfalls um. Derzeit liegt der Fokus unserer Anlagen auf den Marktführern in der Batterieherstellung in der asiatisch-pazifischen Region.

Zunehmende Mobilität verleiht EVs Schub

Die stete Kostenreduktion in der Batterieherstellung ist ein wichtiger Faktor, um EVs zum Durchbruch zu verhelfen. Ein zweiter, gewichtiger Faktor ist das zunehmende Bewusstsein in Politik und Gesellschaft für eine beschleunigte Dekarbonisierung der Wirtschaft. Der Verkehrssektor zählt bekanntlich zu den grössten CO2-Emittenten. So führte die Erholung der Weltwirtschaft und des Reiseverkehrs im Jahr 2021 zu einem Anstieg der globalen CO2-Emissionen auf 33 Gigatonnen, was die Emissionen nach dem Rückgang im Jahr 2020 fast auf das Niveau von 2019 zurückbringt. Der Verkehrssektor ist für fast ein Viertel, 8,2 Gigatonnen (24 %), dieser Emissionen verantwortlich. Von diesen 8,2 Gigatonnen entfallen allein 45 % auf den Personenstrassenverkehr und weitere 29 % auf den Frachtverkehr.

Globale Anteile an CO2-Emissionen in % nach Transportart
 

Quelle: Internationale Energieagentur (IEA)

EVs und Batterien profitieren von mehreren Entwicklungen

Neben den oben skizzierten zentralen Faktoren kommen weitere wesentliche Wachstumstreiber für Hersteller von EVs und Batterien hinzu. Diese sind:

  • Effektivität zur Dekarbonisierung: Bereits heute verursachen EVs gemäss Daten der Internationalen Energieagentur über den gesamten Lebenszyklus durchschnittlich 50 % weniger Treibhausgasemissionen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren (abhängig von der CO2-Intensität des Strommix).
  • Hohe Nachfrage: Im vierten Quartal 2021 stieg der Absatz von EVs um 134 % auf ein Rekordhoch verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Das Marktforschungsunternehmen Bloomberg New Energy Finance (BNEF) prognostiziert, dass der Anteil EVs an den insgesamt neu verkauften Fahrzeugen bereits im Jahr 2025 29 % in Europa und 25 % in China betragen könnte.
  • Kaufzuschüsse: Staatliche Zuschüsse reduzieren zwar die Anschaffungskosten, variieren aber stark nach Land und können zwischen EUR 2'000 (Finnland) und EUR 12'000 (Singapur) pro Fahrzeug betragen.
  • Verbesserte Ladeinfrastruktur: Die jährlich neu installierten Ladeverbindungen haben sich von zirka 200'000 im Jahr 2015 auf 1,5 Mio. im Jahr 2021 fast verachtfacht.
  • Staatliche Ausstiegsziele: Die Verabschiedung regionaler und nationaler Ziele für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor haben in den letzten Jahren stark zugenommen (z.B. Norwegen bis 2025, Vereinigtes Königreich bis 2030, Kanada bis 2035).

 

Die Publikationen wurden vom Buy-Side Research des Asset Managements der Zürcher Kantonalbank und nicht von der Abteilung «Finanzanalyse» im Sinne der von der Schweizerischen Bankiervereinigung herausgegebenen «Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse» erstellt. Die Publikationen unterliegen folglich nicht diesen Richtlinien.

Weiterführende Informationen

In Ergänzung zu den obigen Ausführungen hat der Bereich Investment Strategy & Economic Research der Zürcher Kantonalbank einen Videobeitrag produziert. Er thematisiert unter anderem, wie kompetitiv erneuerbare Energien heute sind.

 

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