Chaos mit Kalkül
Christoph Schenk, Chief Investment Officer (CIO) der Zürcher Kantonalbank, schreibt in seiner Kolumne rund ums Thema Geld und Anlegen.
Text: Christoph Schenk / Porträtillustration: Florian Bayer | aus dem Magazin «ZH» 2/2025

Bei der Umsetzung seiner politischen Agenda schafft es Donald Trump fast täglich, Freund und Feind weltweit auf Trab zu halten. Sein erratisches Verhalten erstaunt, verwirrt, ja verängstigt Verbündete und Finanzmärkte und irritiert sogar manche Republikaner. Herrscht hier «Management by Chaos» oder fussen seine Entscheide auf einer Strategie?
Trumps Wirtschaftspolitik jedenfalls lässt klares Kalkül erkennen: Die «Trumponomics» kombinieren Protektionismus, Steuersenkungen und Deregulierung zugunsten nationaler Interessen. Dabei geht es um weit mehr als ausgeglichene Handelsbilanzen. Denn in einem zumindest sind sich Republikaner und Demokraten einig: Die USA wollen Hegemonialmacht bleiben, China darf nicht noch grösser werden. Es gilt, den Technologiekrieg gegen China zu gewinnen.
Lieferketten und Ressourcen sind dabei entscheidend. Trump will die Hoheit über die globalen Lieferketten erlangen – oder zumindest mehr Einfluss darauf. Auch Europa soll ihm helfen: So will Trump etwa verhindern, dass China an die Technologie des niederländischen Unternehmens ASML gelangt, die in der Chipherstellung zur Anwendung kommt. Bei den umkämpften seltenen Erden strebt Trump einen Deal mit China an. Gleichzeitig will er die Abhängigkeit von China reduzieren, was sein Interesse an Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo und Grönland erklärt. Das übergeordnete Ziel der «Trumponomics» ist klar: «Make America great again.»