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Christoph Haerle: Gewichtiger Beton

Wir kommen nicht drum herum, ständig zu gewichten, findet Christoph Haerle.

Text: Markus Wanderl | aus dem Magazin «ZH» 2/2025

Kunstwerk von Christoph Haerle
Christoph Haerle, Betontafel 48, 2023, Beton, pigmentiert, poliert, 55 × 55 × 5 cm. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Christoph Haerles Arbeiten mit Beton gehen Nagellackzeichnungen voraus. Nagellackfarben sind irisierend – und wen würde dieses optische Phänomen unberührt lassen, das Oberflächen je nach Perspektive in anderen Farben erscheinen lässt? Berühren dürfen Sie gern einmal «Ganymeds Schwester», jenen von Haerle geschaffenen und dann so benannten Brunnen am General-Guisan-Quai.

Nur einige Schritte weg vom Zürichsee befindet sich diese tonnenschwere, rosafarbene und mehr als mannshohe Schale aus eingefärbtem Beton, die mit Wasser gefüllt ist, welches das Rund leicht überfliesst. Stabil ist sie dort aufgestellt, was zur Frage führen kann, wie etwas richtig zu gewichten ist; seit je beschäftigt dies Haerle.

Doch Gewicht ist nicht nur eine physikalische Grösse – auch eine psychologische; so oder so ergibt sich in der Kunst daraus manchmal ein Schweben – siehe Kantonsschule Oerlikon: Nur ein gespanntes Stahlseil hält dort die Betonquader an jener Gebäudewand. Und natürlich ging auch jener 60 Meter langen und fünf Meter hohen Mauer aus eingefärbtem Beton eingangs des Bürgerspitals Solothurn eine Nagellackskizze voran; Haerle wählte fünf Betonfarben, berechnete, welche Farbfüllung wann zu verwenden sei; 2’000 Einfüllbewegungen wurden es, verteilt auf vier Tage im Abstand von zwei Wochen; die Koordination vieler verschiedener Pumpfahrzeuge und Mischer und übereinandergreifender Pumpschläuche, Haerle dirigierte alles mit Helm.

Doch ist er ebenso froh um die Werkgruppe der Betontafeln, ein kleineres Format, das feineres und freieres Arbeiten zulässt. Die Nagellackskizze vorab, dann gibt er den eingefärbten Beton in die Schale. Weil das Ergebnis zufälliger ist, findet sich die Frage des Gewichts hier ausgedehnt hin zur Frage des Aushaltens. Haerle sagt, er könne gut aushalten.

Monografie über Christoph Haerle

Über den Bildhauer und Architekten Christoph Haerle (67) ist soeben eine Monografie erschienen. Sie umfasst über 40 Jahre künstlerisches Schaffen. Christoph Haerle. 228 Seiten. Hardcover. Mit Farbabbildungen. ISBN 978-3-906191-22-5. CHF 58.–

Serie «Kunstpause»

Die Zürcher Kantonalbank sammelt Zürcher  Gegenwartskunst. Damit fördert sie die Kreativwirtschaft im Sinne des Leistungsauftrags. Ob Malerei, Zeichnung, Videokunst, Skulptur oder Kunst am Bau: Die Werke sind im ganzen Kanton in den Räumlichkeiten der Bank ausgestellt.

In der Serie «Kunstpause» geben wir Einblick in die Sammlung und porträtieren jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler und stellen ein Werk vor.

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