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Schweizer Pensions­kassen­studie 2026: Rekord­verzinsung, aber Versicherte mit enormen Zinsunter­schieden konfrontiert

Medienmitteilung vom 2. Juni 2026

  • Die 26. Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto zeigt: Die Pensionskassen verzinsten die Altersguthaben 2025 rekordhoch. Den Versicherten blieben nach Abzug der Inflation 4,6 Prozent – das ist die höchste Realverzinsung seit 25 Jahren.
  • Die Unterschiede sind jedoch enorm: Die erfolgreichsten 10 Prozent der Pensionskassen verzinsten die Altersguthaben der aktiven Versicherten mit 9,25 Prozent, die schwächsten nur mit 2 Prozent. Über fünf Jahre beträgt die Differenz ganze 26 Prozentpunkte.
  • Hauptursache für die grossen Unterschiede ist die Performance der Anlagen: 93 Prozent der Kassen machen die Verzinsung von der erzielten Rendite abhängig.
  • Die Mehrheit der Versicherten bekommt von den hohen Leistungen wenig mit: Rund 70 Prozent kennen die aktuelle Verzinsung ihrer Kasse nicht, wie die erstmalige Versichertenbefragung zeigt.
  • Die Umwandlungssätze haben sich stabilisiert. Sie verlieren durch den Trend zum Kapitalbezug an Bedeutung. 2025 wurde erstmals mehr als die Hälfte der Altersguthaben in Kapitalform bezogen. 

Pensionskassen weisen eine sehr hohe Leistungsfähigkeit aus. Mit 119,6 Prozent erreichte der Deckungsgrad der privatrechtlichen Kassen Ende 2025 den zweithöchsten Stand seit der ersten Ausgabe der Schweizer Pensionskassenstudie im Jahr 2000. Damit sind die Reserven so gut gefüllt, dass die meisten Vorsorgeeinrichtungen Leistungsverbesserungen umsetzen können.

Die solide Finanzierung kommt in der hohen Verzinsung zum Ausdruck: Die Kassen verzinsten die Altersguthaben der aktiven Versicherten 2025 zum dritten Mal in Folge höher als im Vorjahr. «Der Schnitt der über 500 befragten Kassen liegt bei 4,7 Prozent», sagt Heini Dändliker, Leiter Grossfirmen/Markt Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank. «Zieht man die Inflation ab, bleiben 4,6 Prozent – das ist die höchste Realverzinsung seit 25 Jahren.»

Zinsunterschiede zwischen den Kassen werden immer grösser

Mit den Zinssätzen nehmen auch die Unterschiede zwischen den Kassen zu. Die Spannweite ist nochmals deutlich breiter als in den Vorjahren: 2025 lagen die Zinssätze zwischen 1,25 und 17 Prozent.

Die Differenz bleibt gross, wenn man die erfolgreichsten 10 Prozent mit den schwächsten 10 Prozent vergleicht. Die Top-Verzinser kamen im Schnitt auf 9,25 Prozent, die Kassen am Tabellenende auf 2 Prozent. «Über fünf Jahre hinweg beträgt der Unterschied zwischen den beiden Gruppen – mit je rund 50 Kassen – ganze 26 Prozentpunkte», sagt Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank. «Was vielen nicht bewusst ist: Es geht um viel Geld. Mit einem durchschnittlichen Altersguthaben der aktiv Versicherten von rund 200'000 Franken haben erfolgreiche Kassen ihren Versicherten über fünf Jahre 52'000 Franken mehr Leistung auf ihr Konto gutgeschrieben.»

Jahresperformance gibt den Ausschlag

Wie kommen diese enormen Unterschiede zustande? Das Fokusthema der Schweizer Pensionskassenstudie bringt Klarheit: 93 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen machen die Verzinsung von der Rendite abhängig. An zweiter Stelle folgt mit 90 Prozent der Deckungsgrad – ein Kriterium, das aufgrund der aussergewöhnlich hohen Reserven momentan weniger relevant ist. Die Verzinsung in der Vergangenheit spielt hingegen für weniger als die Hälfte eine Rolle.

Damit entscheidet primär die Jahresperformance darüber, wie viel die Versicherten erhalten. Die Abhängigkeit der Verzinsung von der Rendite spiegelt sich deutlich in den Daten: Die 10 Prozent der Kassen mit den höchsten Renditen über fünf Jahre verzinsten im Jahr 2025 im Schnitt 6,7 Prozent. Die schwächsten 10 Prozent kamen indes auf 3,4 Prozent.

Versicherte profitieren, viele wissen aber nichts davon

Diese Unterschiede fallen umso stärker ins Gewicht, da die Kassen immer grössere Teile der Jahresperformance an die Versicherten weitergeben. Betrug der durchschnittliche Anteil der Verzinsung an der Nettorendite im Jahr 2023 noch 48 Prozent, waren es 2024 bereits 56 Prozent. «Im vergangenen Jahr gaben die Pensionskassen den Versicherten über drei Viertel der durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent weiter. Mit 78 Prozent ist der Anteil damit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr», sagt Francesca Pitsch, Leiterin der Schweizer Pensionskassenstudie.

Der starke Anstieg der Verzinsungsquote macht deutlich, dass die Kassen Jahr für Jahr höhere Leistungen erbringen. Die grosse Mehrheit der Versicherten ist sich dessen jedoch nicht bewusst. Nur rund 30 Prozent haben die Verzinsung ihres Altersguthabens auf dem letzten Pensionskassenausweis zur Kenntnis genommen, wie die repräsentative Bevölkerungsbefragung unter den aktiven Versicherten sowie Rentnerinnen und Rentnern zeigt, die in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut gfs.bern im Rahmen der diesjährigen Studie erhoben wurde.

Erstmals wird Kapital mehrheitlich bezogen – Umwandlungssatz wird Nebensache

Rentenerhöhungen bleiben weiterhin die grosse Ausnahme: Lediglich zwei Kassen haben von 2025 auf 2026 den Umwandlungssatz angehoben. Wie die Prognosen zeigen, planen die meisten Kassen auch keine Erhöhung. Das bestätigt den Befund der Pensionskassen-Studie der Vorjahre: Die Kassen setzen Leistungsverbesserungen fast nur noch kurzfristig über die Verzinsung der aktiven Versicherten sowie über Einmalzahlungen an die Rentnerinnen und Rentner um – und nicht mehr langfristig über garantierte Leistungen wie den Umwandlungssatz.

Durch den Trend hin zum Kapitalbezug ist der Umwandlungssatz als Berechnungsgrundlage der Rente für immer weniger Versicherte relevant. 2025 wurden 51 Prozent der Altersguthaben in Kapitalform bezogen. Damit macht das Kapital erstmals die Mehrheit aus. Beim Entscheid «Rente oder Kapital?» spielt der Umwandlungssatz ohnehin eine untergeordnete Rolle, wie die Bevölkerungsbefragung zeigt. Persönliche Motive sind wichtiger: die Sicherheit beim Rentenbezug oder die finanzielle Flexibilität beim Kapitalbezug.

Asset Allocation macht den Renditeunterschied

Der Anstieg der Kapitalbezüge könnte den Charakter der 2. Säule verändern: Der Versicherungsgedanke wird tendenziell verwässert. Die auf langfristige Leistungsversprechen ausgerichtete berufliche Vorsorge kann ihren Anspruch auf kollektive Absicherung von Risiken immer weniger einlösen. Da die Versicherten über die Verzinsung immer direkter von der Jahresperformance profitieren, gewinnt der dritte Beitragszahler weiter an Bedeutung – und dieser ist die tragende Säule der beruflichen Vorsorge. 2025 steuerten die Renditen einen höheren Anteil zum Vorsorgevermögen bei als die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmenden zusammen.

Wie hoch die Renditen ausfallen, ist von der Asset Allocation abhängig. Dabei erweisen sich Obligationen als Bremsklotz für die Performance. Während die Kassen mit den höchsten Renditen nur 18 Prozent Obligationen halten, liegt der Anteil bei den schwächsten Kassen mehr als doppelt so hoch. Die Aktienquote erreicht hingegen einen neuen Höchststand. Top-Performer setzen mit 35,8 Prozent deutlich stärker auf Aktien als Kassen mit tieferen Renditen (30,9 Prozent).

Einfluss der Beratung ist nicht zu unterschätzen

Mehr als zwei Drittel der Stiftungsräte arbeiten bezüglich ihrer Anlagestrategie und der Auswahl der Anlagen mit Investment Consultants zusammen. Als erste Schweizer Studie nimmt die diesjährige Ausgabe im Fokusthema den Beratungsmarkt und die Rolle der Anbieter unter die Lupe.

Dabei zeigt sich eine hohe Marktkonzentration: Zwei Beratungsunternehmen betreuen rund die Hälfte der Kassen, die andere Hälfte verteilt sich auf rund 20 Mitbewerber. Zudem lassen sich signifikante Unterschiede zwischen den betreuten Kassen beobachten. So ist die Asset Allocation je nach Investment Consultant unterschiedlich ausgeprägt. Der Einfluss der Berater auf die Asset Allocation ist nicht von der Hand zu weisen.

Schweizer Pensionskassenstudie 2026

An der Schweizer Pensionskassenstudie 2026 von Swisscanto nahmen 528 Vorsorgeeinrichtungen teil. Das erfasste Vermögen der Umfrageteilnehmenden beläuft sich auf CHF 939 Mrd. Gesamthaft sind damit 4 Mio. Versicherte repräsentiert.

Der Fokus der 26. Ausgabe liegt auf dem Verzinsungsentscheid. Neben den damit verbundenen Kriterien wurden auch die Zusammensetzung des Stiftungsrats sowie die Rolle von Investment Consultants untersucht. Zudem wird die Studie erstmals durch eine von gfs.bern durchgeführte Versichertenbefragung ergänzt. 

Weitere Informationen unter zkb.ch/pensionskassenstudie