«Zürcher Wirtschaft im Fokus»: Exportfokus der Kantone prägt ihre Wettbewerbsfähigkeit
Medienmitteilung vom 27. Oktober 2026
- 80% der Schweizer Warenexporte gehen in nur sechs Märkte
- Uri ist Eurozonen-Spitzenreiter (über 80% der Exporte), Nidwalden US-Leader (39%), Schwyz führt bei China (14%)
- In den letzten zehn Jahren haben Kantone ihre Exporte stärker auf USA, Eurozone und China fokussiert – entgegen den politischen Bestrebungen einer breiteren geografischen Diversifikation
- Nidwalden hat seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit am stärksten gesteigert, vor allem weil es seine Exporte weg von Schwellenländern hin zu Eurozone und USA verlagert hat
- Uri und Thurgau profitieren von einer Ausrichtung auf aufwertende Währungen, während Genf, Schwyz und Schaffhausen aufgrund abwertender Währungen an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verlieren – die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Zürichs blieb stabil
- Im zweiten Teil der Publikation: Zürich ist Magnet für Arbeitskräfte und überdurchschnittlich attraktiv für die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung
Die aktuelle Ausgabe von «Zürcher Wirtschaft im Fokus» des Economic Research der Zürcher Kantonalbank zeigt, wie sich die Exportausrichtung der Schweizer Kantone und die Entwicklung der Währungen ihrer wichtigsten Handelspartner auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Kantone auswirken.
Schweizer Exporte: Viel Volumen, wenig Märkte
Die Zahlen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass sich die Schweizer Exportwirtschaft stark auf wenige Währungsräume konzentriert. 80% aller Warenexporte fliessen in nur sechs Märkte: an erster Stelle steht die Eurozone mit 48%, gefolgt von den USA mit 20%, China mit 5%, Grossbritannien und Japan mit je 3% sowie Hongkong mit 1%. Gleichzeitig bestehen markante Unterschiede zwischen den Kantonen, sowohl beim Exportvolumen als auch bei den Absatzmärkten.
Kantone setzen zunehmend auf klare Export-Schwerpunkte statt breiter Diversifikation
Auf kantonaler Ebene treten deutliche Spezialisierungen zutage. Beispielsweise richtet Uri über 80% seiner Warenexporte auf die Eurozone aus und verzeichnet damit den höchsten Eurozonen-Anteil aller Kantone. Andere Kantone sind stark auf einzelne Nicht-Euro-Länder fokussiert: Nidwalden exportiert beispielsweise 39% seiner Güter in die USA und hat damit den höchsten US-Anteil. Beim Handel mit China liegt Schwyz mit einem Exportanteil von 14% an der Spitze. Jura führt das Ranking bei den Exporten nach Grossbritannien mit 10% und Japan mit 6% an, während Genf mit einem Anteil von 7% die führende Position bei den Exporten nach Hongkong einnimmt.
Über die letzten zehn Jahre zeigt sich zudem ein klarer Trend: Nicht die geografische Diversifikation, sondern die regionale Fokussierung hat zugenommen. Insbesondere die Exportanteile in die USA sind deutlich gestiegen, in geringerem Ausmass auch jene in die Eurozone und nach China. Dies mag erstaunen, da die Schweiz in den letzten Jahren bestrebt war mit ihrer aktiven Handelspolitik die Diversifikation der Handelspartner voranzutreiben.
Gezielte Marktwahl entscheidet zunehmend über die Wettbewerbsposition
Durch die gemeinsame Betrachtung der Wechselkursentwicklungen, den jeweiligen Inflationsraten und der Warenexporte in die verschiedenen Regionen kann der REER (Real Effective Exchange Rate) berechnet und so die Veränderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Kantone gemessen werden. Die Auswertungen zeigen, dass sich die Wahl und Gewichtung der Absatzmärkte in den vergangenen zehn Jahren deutlich auf die Wettbewerbsposition ausgewirkt haben.
Nidwalden konnte seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit am stärksten verbessern. Ausschlaggebend war, dass der Kanton seine Exporte schrittweise in die beiden Schlüsselmärkte Eurozone und USA verlagert hat. Heute entfallen rund 75% der Nidwaldner Exporte auf diese beiden Währungsräume; 2016 lag dieser Anteil noch unter 50%. Die Wettbewerbsvorteile resultieren somit vor allem aus geänderten Exportgewichten, nicht nur aus günstigen Wechselkursentwicklungen.
Die Kantone Uri und Thurgau profitierten dagegen in erster Linie davon, dass sie bereits 2016 stark in solche Länder exportierten, deren inflationsbereinigte Währungen in den letzten zehn Jahren gegenüber dem Schweizer Franken an Wert gewonnen haben. Ihre frühere Positionierung in bestimmten Märkten hat ihnen somit im Nachhinein einen preislichen Vorteil verschafft.
Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Genf, Schwyz und Schaffhausen, die an preislicher Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst haben. Diese Kantone hatten schon früh einen Schwerpunkt auf Ländern, deren Währungen inflationsbereinigt gegenüber dem Franken abgewertet haben – mit entsprechend negativen Folgen für die preisliche Konkurrenzfähigkeit ihrer Unternehmen.
Für die Schweiz insgesamt ergibt sich das Bild, dass exportorientierte Kantone tendenziell auch häufiger an preislicher Wettbewerbsfähigkeit gewonnen haben. Damit unterstreicht die Studie, dass eine starke internationale Ausrichtung – kombiniert mit einer klugen Wahl der Absatzmärkte – ein wichtiger Hebel für den wirtschaftlichen Erfolg der Regionen ist.
Zürich: Stabiler Dienstleistungsstandort mit breiter Basis
Trotz seines gewichtigen Beitrags zu den Schweizer Warenexporten ist Zürich vor allem ein Dienstleistungsstandort. Zürich ist geografisch breit diversifiziert und hat seine Exportstruktur über die Zeit nur wenig verändert. Dies führt dazu, dass die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Zürichs über die letzten zehn Jahre weitgehend stabil geblieben ist.
Starke arbeitsmarktorientierte Zuwanderung in Zürich
Im zweiten Teil der Studie wird die ausländische Wohnbevölkerung und die Zuwanderung der Schweizer Grossregionen untersucht. Die Zuwanderung in Zürich ist – wohl aufgrund des breit diversifizierten Branchenmixes und der hohen Unternehmensdichte – noch arbeitsmarktorientierter als in anderen Regionen. 74% der EU/EFTA Einwanderer im Jahr 2025 kamen aus beruflichen Gründen – das ist interregionaler Spitzenwert und sechs Prozentpunkte mehr als im Schweizer Durchschnitt. Entsprechend korreliert die Zuwanderung relativ eng mit dem Zürcher Beschäftigungswachstum, vor allem im Dienstleistungssektor. Ohne die internationale Zuwanderung wäre Zürichs Bevölkerung in den letzten fünf Jahren sogar geschrumpft.
Lesen Sie hier die vollständige Ausgabe «Zürcher Wirtschaft im Fokus» (PDF, 3 MB)
Zur Publikation «Zürcher Wirtschaft im Fokus»
Die halbjährlich erscheinende Publikation liefert fundierte volkswirtschaftliche Analysen zu Wirtschaft und Gesellschaft mit Schwerpunkt Regionalökonomie. Im Fokus stehen vergleichende Analysen zwischen Regionen, Kantonen und Branchen. Die makroökonomischen Analysen zu Wirtschaft und Gesellschaft im Kanton Zürich unterstützen die Zürcher Kantonalbank bei der Erfüllung ihres gesetzlichen Leistungsauftrags. Dazu dient der stetige und tiefe Wissensaustausch der Bank mit den entscheidenden Anspruchsgruppen im Kanton.
Zu den Autoren
Kevin Gismondi
Kevin Gismondi
Kevin Gismondi, Ökonom Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, verstärkt seit 2023 das Team «Economic Research», welches für die volkswirtschaftliche Analyse und Meinungsbildung verantwortlich ist. Dabei ist er für die Analyse und Einschätzung der Konjunktur in der Schweiz mit Schwerpunkt Regionalökonomie verantwortlich. Er hat an der Universität St. Gallen (HSG) Banking & Finance mit der Vertiefung Financial Economics studiert und bringt durch seine Erfahrungen in der Konjunktur- und Finanzmarktanalyse auch Kenntnisse im quantitativen Bereich mit.
Dr. David Marmet
Dr. David Marmet
David Marmet ist Chefökonom Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, zudem verantwortet er die geopolitische Analyse der ZKB. Seine Laufbahn begann der Berner Oberländer als Maschinenzeichner. In Bern studierte er Volkswirtschaft und Soziologie und war anschliessend unter anderem an der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) tätig. David Marmet promovierte an der Universität Zürich. Seit 2006 arbeitet er in verschiedenen Funktionen für die Zürcher Kantonalbank, unter anderem leitete er die Bereiche Volkswirtschaft und Devisen-Research.