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Zürcher Wirtschaft im Fokus: FIFA-Effekt beeinflusst Zürcher BIP spürbar

Medienmitteilung vom 28. April 2026

  • Die Kantone Zürich, Bern, Waadt und Genf erwirtschaften fast die Hälfte des Schweizer BIPs
  • Zürichs Tertiärsektor umfasst rund ein Viertel der gesamtschweizerischen Wirtschaftsleistung im Dienstleistungssektor: private Dienstleistungen sind die Treiber
  • Der FIFA-Effekt sorgt alle vier Jahre für Volatilität des Zürcher Wachstums und fällt stärker aus als in der Gesamtschweiz
  • Zürichs Trendwachstum liegt tiefer als jenes der Schweiz
  • Zürichs Wirtschaft ist zwischen 2008 und 2022 um 7% effizienter geworden – dies ist im interregionalen Vergleich unterdurchschnittlich

Die aktuelle Ausgabe von «Zürcher Wirtschaft im Fokus» des Economic Research der Zürcher Kantonalbank zeigt: Der Kanton Zürich spielt für die Schweizer Wirtschaft eine zentrale Rolle. Angetrieben wird Zürichs Wachstum durch private Dienstleistungen, aber auch internationale Sport-Events haben einen spürbaren Einfluss und sorgen für Volatilität.

Vier Kantone erwirtschaften das halbe BIP

Die kantonalen Beiträge zum Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz variieren erheblich. Bemerkenswert ist, dass die vier Kantone Zürich, Bern, Waadt und Genf kumuliert beinahe die Hälfte des Schweizer BIPs erwirtschaften. Ausserdem erzielen die elf grössten Kantone zusammen bereits 80% des BIPs und die übrigen 15 Kantone tragen 20% zum gesamtschweizerischen Resultat bei.
 

Viele Kantone tragen kaum zum Schweizer BIP bei

Mittleres nominales BIP, in Mrd. Schweizer Franken, 2008 - 2022

Beitrag zum BIP (Kantone)
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Bundesamt für Statistik

Zürich stemmt ein Viertel des gesamten Schweizer Dienstleistungssektors

Auf kantonaler Ebene erbringt Zürich mit 21% die grösste wirtschaftliche Leistung und Wertschöpfung. Zürich verfügt dabei über einen überdurchschnittlich grossen Tertiärsektor. Zürichs Tertiärsektor allein umfasst fast ein Viertel der gesamtschweizerischen Wirtschaftsleistung im Dienstleistungssektor.

Es sind auch die Dienstleistungsbranchen, die am meisten zum Zürcher BIP-Wachstum beitragen. Dabei stützen und stabilisieren die staatlichen Dienstleistungssektoren mit rund 15% des BIP das Wachstum in der Regel mit einem kleinen Wachstumsbeitrag. Für das Zürcher Wachstum entscheidend sind vor allem die privaten Dienstleistungen mit rund 70% des BIP.
 

Private Dienstleistungen treiben Wachstum

Reales BIP-Wachstum und Wachstumsbeiträge der Sektoren, Kanton Zürich

Private Dienstleistungen treiben Wachstum
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Bundesamt für Statistik

Der FIFA-Effekt sorgt für Volatilität beim Zürcher BIP

Zudem hat der sogenannte FIFA-Effekt einen spürbaren Einfluss auf das Zürcher BIP. Der Weltfussballverband FIFA hat seinen Hauptsitz in Zürich. Diese Organisation verbucht alle vier Jahre durch den Verkauf von Übertragungs- und Markenrechten bei Weltmeisterschaften hohe Einnahmen. Für den Kanton Zürich sorgen diese Einnahmen für Schwankungen des BIP. Konkret beeinflusst die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer die Wachstumsrate des Zürcher BIP alle vier Jahre asymmetrisch. In einer groben Berechnung macht der Sport-Event-Effekt in Zürich zwischen 0,7 und 1 Prozentpunkten aus. Somit fällt der FIFA-Effekt in Zürich stärker aus als in der Gesamtschweiz mit rund 0,3 Prozentpunkten. Ausserdem sind die Einnahmen der FIFA-WM zuletzt deutlich stärker gewachsen als das reale Zürcher BIP. Entsprechend dürfte der Sport-Event-Effekt über die Jahre zugenommen haben.

Zürich mit tieferem Wirtschafts- und Produktivitätswachstum

Zürichs durchschnittliches Wachstum zwischen 2008 und 2022 liegt mit 1,3% tiefer als jenes der Schweiz mit 1,7%. Aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur erstaunt das tiefere Trendwachstum jedoch nicht, denn der in Zürich übervertretene und beschäftigungsintensive Dienstleistungssektor hat typischerweise tiefere Wachstumsraten als der Industriesektor.

Auch das Produktivitätswachstum von Zürich fiel unterdurchschnittlich aus. Zürichs Wirtschaft ist über die gleiche Zeitperiode zwar erwiesenermassen um 7% effizienter geworden, aber im interregionalen Vergleich belegt der Kanton damit den letzten Platz. Die Regionen Ost- und Zentralschweiz legten im selben Zeitraum vergleichsweise um über 20% zu. Die Finanzkrise hat im Kanton Zürich deutlichere Spuren hinterlassen als anderswo. Seit dem Jahr 2012 ist Zürichs Produktivitätszuwachs jedoch mit jenem der Gesamtschweiz vergleichbar und sogar höher als in der Genferseeregion und dem Espace Mittelland. Dass Zürich bei den Produktivitätsgewinnen nicht ganz oben mitmischt, hängt ebenfalls mit seiner Wirtschaftsstruktur zusammen. Der arbeitsintensive Dienstleistungssektor ermöglicht typischerweise ein geringeres Produktivitätswachstum als der kapitalintensive Industriesektor. Grundsätzlich ist das Produktivitätsniveau in Zürich aber bereits hoch. Die Wertschöpfung pro geleistete Arbeitsstunde liegt 5% über dem Schweizer Durchschnitt, was weitere Zugewinne erschwert. Auch das BIP pro Kopf liegt mit CHF 104'000 etwa 16% über dem Schweizer Durchschnitt von CHF 90'000.
 

Zur Publikation «Zürcher Wirtschaft im Fokus»

Die halbjährlich erscheinende Publikation liefert fundierte volkswirtschaftliche Analysen zu Wirtschaft und Gesellschaft mit Schwerpunkt Regionalökonomie. Im Fokus stehen vergleichende Analysen zwischen Regionen, Kantonen und Branchen. Die makroökonomischen Analysen zu Wirtschaft und Gesellschaft im Kanton Zürich unterstützen die Zürcher Kantonalbank bei der Erfüllung ihres gesetzlichen Leistungsauftrags. Dazu dient der stetige und tiefe Wissensaustausch der Bank mit den entscheidenden Anspruchsgruppen im Kanton.

Zu den Autoren

Kevin Gismondi

Kevin Gismondi, Ökonom Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, verstärkt seit 2023 das Team «Economic Research», welches für die volkswirtschaftliche Analyse und Meinungsbildung verantwortlich ist. Dabei ist er für die Analyse und Einschätzung der Konjunktur in der Schweiz mit Schwerpunkt Regionalökonomie verantwortlich. Er hat an der Universität St. Gallen (HSG) Banking & Finance mit der Vertiefung Financial Economics studiert und bringt durch seine Erfahrungen in der Konjunktur- und Finanzmarktanalyse auch Kenntnisse im quantitativen Bereich mit.

Dr. David Marmet

David Marmet ist Chefökonom Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, zudem verantwortet er die geopolitische Analyse der ZKB. Seine Laufbahn begann der Berner Oberländer als Maschinenzeichner. In Bern studierte er Volkswirtschaft und Soziologie und war anschliessend unter anderem an der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) tätig. David Marmet promovierte an der Universität Zürich. Seit 2006 arbeitet er in verschiedenen Funktionen für die Zürcher Kantonalbank, unter anderem leitete er die Bereiche Volkswirtschaft und Devisen-Research.