Gut geplant die Nachfolge bauen

Daniel Huber gibt seine Firma Baureal AG in jüngere Hände. Doch Projektskizzen, Kostenkalkulationen und Terminübersichten stehen dabei nicht im Zentrum. Dafür ein solider Plan, die richtigen Partner – und einige Emotionen.

Text: Patrick Steinemann / Bilder: Lea Meienberg

Daniel Huber übergibt sein Unternehmen an ein eingespieltes Dreierteam.

Wünsche der Auftraggeber, Ideen der Architekten, Auflagen der Behörden, Bedürfnisse der Baufirmen: Bei komplexen Bauprojekten sehen Laien oft nur ein unübersichtliches Durcheinander von Akteuren, Abläufen und Werkstoffen. Anders bei Daniel Huber: Statt eines Wirrwarrs sieht der CEO und Inhaber der Baureal AG in Wettswil am Albis ein organisiertes Zusammenspiel für ein energiegeladenes Projekt, an dessen Ende ein stimmiges Objekt entstanden sein wird.

Den Blick fürs grosse Ganze schärft Daniel Huber seit über 20 Jahren: Im Jahr 1998 gründete er seine Einzelfirma, um im Kundenauftrag Wohnbauten zu realisieren und in Eigenregie Projekte zu lancieren. 1999 wurde aus der Baureal eine ­Aktiengesellschaft, geblieben ist die Idee eines «Gesamtleisters» – Huber beschreibt sie so: «Bauvorhaben nicht nur entwickeln und steuern, sondern über alle Projektphasen hinweg begleiten bis hin zur Vermarktung und zum Verkauf.»

Drei Dinge haben ihn dabei in all den Jahren und bei allen Projekten begleitet: Pläne, Partner und Emotionen. «Eine solide Prozess- und Kostenplanung ist in unserem Geschäft zentral», sagt Huber, «und ohne eingespielte Projektteams, auf die man sich verlassen kann, sind Grossprojekte nicht zu stemmen.» Bleiben die Emotionen: «Wir wollen schöne Bauten errichten, nur sie überdauern die Zeit.»

Tipps

Sechs Antworten zu den wichtigsten Fragen für Unternehmer und Nachfolger

Wie setzt sich der Wert meines Unternehmens zusammen?

Lassen Sie Ihr Unternehmen von Fachleuten bewerten. So erhalten Sie eine neutrale Einschätzung über den ungefähren Wert Ihrer Firma. Dieser dient als Grundlage für Gespräche mit Nachfolgern und der Familie. Ihre eigenen Preisvorstellungen und die Finanzkraft des Nachfolgers spielen bei der Preisgestaltung natürlich auch eine Rolle.

Wieso soll ich schon mit 50 meine Nachfolge planen?

Mit einer frühzeitigen Standortbestimmung gewinnen Sie Handlungsspielraum. Erfahrungsgemäss braucht es mehr Zeit als erwartet, um die Nachfolge vorzubereiten und in die Wege zu leiten. Sei es, um einen geeigneten Nachfolger aufzubauen, die Abhängigkeit von der eigenen Person zu reduzieren oder rechtzeitig die finanziellen Weichen zu stellen.

Reicht meine Vorsorge aus?

Die Vorsorgesituation muss in jedem Fall individuell analysiert und besprochen werden, optimalerweise durch einen Finanzplanungs- und Vorsorgespezialisten. Für den abtretenden Unternehmer ist entscheidend, welche Leistungen er aus der beruflichen Vorsorge erwarten und wie viel aus dem Verkauf der Unternehmung erzielt werden kann. Beim Nachfolger stehen die Tragbarkeit der finanziellen Verpflichtungen und die Leistungen im Risikofall (Erwerbsunfähigkeit oder Tod) im Vordergrund. Oft empfiehlt sich nach der Übernahme eine Anpassung des Pensionskassenvorsorgeplans.

Warum soll ich mir Gewinne auszahlen?

Dadurch steigen die Chancen, eine gute Nachfolgelösung zu finden. Gewinne im Unternehmen zu belassen stärkt zwar die Finanzkraft, erhöht jedoch auch den Verkaufspreis einer Gesellschaft. Dies kann eine Nachfolge erschweren oder im schlimmsten Fall verunmöglichen. Prüfen Sie frühzeitig die Option, sich Teile des Gewinns als Dividende auszuzahlen. Mit gestaffelten Bezügen über mehrere Jahre hinweg, verbunden mit allfälligen Einkäufen in die berufliche Vorsorge, können Sie die steuerlichen Folgen optimieren.

Wie wird der Kaufpreis finanziert?

Je früher Ihr Nachfolger Kontakt mit der Bank aufnimmt, desto mehr Zeit bleibt, um verschiedene Optionen der Finanzierung zu prüfen und die optimale Variante zu finden. Faktoren wie die nachhaltige Ertragskraft der Unternehmung, die Eigenmittel des Nachfolgers und die Höhe eines allfälligen Verkäuferdarlehens haben Einfluss auf die Finanzierung.

Benötige ich externe Unterstützung?

Nachfolgeregelungen sind vielschichtige Vorhaben. Experten unterstützen Sie dabei, die Phasen und Elemente des Nachfolgeprozesses aufeinander abzustimmen und den Überblick zu bewahren. Zudem werden Sie als Geschäftsinhaber zeitlich entlastet, damit Sie sich voll und ganz um den operativen Betrieb kümmern können.

Inneres Feuer für die Zukunft

Wer baut, will Werte schaffen, die auch in der Zukunft Bestand haben. Das ist bei einem Gebäude nicht anders als bei einer Aktiengesellschaft. Ein Unternehmer wie Daniel Huber braucht deshalb nicht nur gute Bau- und Businesspläne, sondern irgendwann auch eine Lösung für die Nachfolge in der Firma. «Jemand hat mir mal gesagt, dass du mit 50 daran denken, mit 55 einen Plan haben und mit 60 das Ganze umgesetzt haben solltest.»

Huber – ganz der Planer – hat sich an die Fünfjahres-Schritte gehalten, hat einen Komplettverkauf seiner Firma an Dritte genauso geprüft wie eine interne Nachfolgelösung. Den Ausschlag für Letzteres gaben schliesslich: Partner – und Emotionen. «Die richtigen Partner habe ich in drei jungen Mitarbeitenden gefunden, bei denen ich gespürt habe, dass sie nicht nur für unsere Projekte, sondern überhaupt für die Firma Feuer und Flamme sind», sagt Huber.

Wie ein Bauprojekt kann auch eine Unternehmensnachfolge rasch ein stattliches Volumen haben. «Ein solches Projekt ist eine grosse zeitliche Belastung, die man neben dem Tagesgeschäft bewältigen muss.» Für Huber – ganz der Teamplayer – war deshalb rasch klar: Er braucht eine externe Beratungspartnerin. Und diese war bald gefunden: die Zürcher Kantonalbank, die langjährige Finanzdienstleisterin der Baureal AG.

In mehreren Schritten zum Gesamtbauwerk

Den zugespielten Ball nahm Thomas Stohldreier gerne auf. Als Mandatsleiter KMU Unternehmensnachfolge bei der Zürcher Kantonalbank machte er sich daran, die Zukunft der Baureal AG zusammen mit Daniel Huber zu formen. Sein erstes Arbeitsinstrument: ein Plan, der die Meilensteine definierte. «Eine Nachfolgeregelung ist aber zumeist auch ein dynamischer Prozess, bei dem Veränderungen bis zur endgültigen Lösung möglich sind», weiss Stohldreier. So entstand aus einem ersten Grobkonzept mit verschiedenen Übernahmevarianten schliesslich in mehreren Schritten ein Gesamtbauwerk mit zahlreichen thematischen Räumen.

Stohldreier holte sich dafür bankintern Unterstützung. Neben dem direkten Kundenbetreuer von Daniel Huber verstärkten Spezialisten aus den Bereichen Steuern, Unternehmensfinanzierung und private Finanzplanung das Team. Als Projektleiter machte Bankfachmann Stohldreier die gleichen Erfahrungen wie Bauexperte Huber: «Die grösste Herausforderung ist, alle Ansprüche und Inputs zusammenzuführen und abzustimmen.» Das funktionierte im interdisziplinären Expertenteam bestens: «Ich konnte auf die Fachkompetenz meiner Kolleginnen und Kollegen in der Bank vertrauen», sagt Stohldreier.

Zusammen mit dem Kunden entwickelte Stohldreier mit seinen Kolleginnen und Kollegen das Modell einer indirekten Beteiligung mit einer Übernahmeholding. Diese soll die Mehrheit an der Baureal AG in drei Beteiligungsstufen übernehmen. «Eine solche stufenweise Nachfolgelösung ist vertraglich komplex, deshalb haben wir auch einen externen Juristen hinzugezogen, der uns mit seinem Know-how unterstützte», berichtet Stohldreier.

Neben den sachlichen und finanztechnischen Aspekten sieht Stohldreier aber auch die weniger rationalen Komponenten seiner Arbeit: «Es gibt neben dem berechneten Wert einer Firma immer auch einen emotionalen Wert eines Unternehmens. Und für einen Firmenbesitzer kann es genauso schwer sein, sich zurückzuziehen, wie für die Nachfolger, das Steuer zu übernehmen.»

Schrittweise Verantwortung übernehmen

Bei der Baureal AG ist der erste Schritt mittlerweile erfolgreich umgesetzt: Die drei jungen Nachfolger haben 2020 mit ihrer gemeinsamen Holdinggesellschaft eine Minderheit der Baureal AG übernommen. 2022 wird Daniel Huber voraussichtlich die Mehrheit an seiner Firma abgeben und aus der Geschäftsleitung in den Verwaltungsrat wechseln. Und im letzten Schritt 2027 soll die gesamte Firma in den Besitz der Nachfolgerin und der Nachfolger übergehen – und Daniel Huber wird sich komplett zurückziehen.

Der mehrjährige Übernahmeprozess gibt Fabienne Morath und ihren Kollegen Tobias Abt und Martin Broder Zeit, ihre Verantwortung als Nachfolger innerhalb der Baureal AG nach und nach zu stärken. «Wir spüren jetzt hautnah, was es heisst, vorne zu stehen und Entscheidungen zu fällen über zukünftige Unternehmensstrategien», sagt Morath. «Wir sind zwar alle schon mehrere Jahre im Betrieb, aber es braucht viel Erfahrung, die verschiedenen Zusammenhänge bei der Firmenführung zu erkennen und zu beherrschen.» Dabei half und hilft den drei Jungunternehmern auch die professionelle Beratung und Begleitung der Zürcher Kantonalbank im Übernahmeprozess: «Das gibt uns Sicherheit in Bereichen, mit denen wir uns bisher noch nicht so gut auskannten», sagt Morath.

Bauen und kommunizieren

Die drei Nachfolger leben Hubers Dreiklang der «Pläne, Partner und Emotionen» mittlerweile genauso wie der Firmengründer. Nachfolgerin Fabienne Morath formuliert es so: «Damit wir die Zukunft der Baureal AG erfolgreich planen können, muss das Zusammenspiel unter uns Partnern stimmen. Und wir müssen alle leidenschaftlich dabei sein und uns einbringen.» Alle drei Dinge sieht Morath als gegeben an. «Das Einvernehmen zwischen uns unterschiedlichen Persönlichkeiten ist gut. Wir müssen uns aber auch immer wieder darum bemühen, den Austausch zu übergeordneten Fragen gemeinsam aktiv zu pflegen – von allein läuft so etwas nicht.»

Auf die drei Nachfolger bei der Baureal AG warten also noch einige Baustellen – und mit ihnen hie und da ein ganz kleines Durcheinander, das auch perfekt geplante Projekte brauchen, um bei den Partnern und Bauherren für den gewissen Puls zu sorgen.

Das Team

Daniel Huber, Gründer Baureal AG
Thomas Stohldreier, Mandatsleiter KMU Unternehmensnachfolge bei der Zürcher Kantonalbank
Fabienne Morath, Nachfolgerin Baureal AG
Martin Broder, Nachfolger Baureal AG
Tobias Abt, Nachfolger Baureal AG
Raphael Liniger, Kundenbetreuer, Zürcher Kantonalbank

Kategorien

Vorsorge