Cyberbetrug: Täuschend echt
Digitale Kanäle vereinfachen die Finanzwelt – öffnen aber auch neue Einfallstore für Täuschung und Betrug. Wer die Maschen der Cyberkriminellen durchschaut, behält die Oberhand.
Text: Patrick Steinemann / Illustrationen: Stephan Schmitz | aus dem Magazin «ZH» 2/2026
Darum geht es in diesem Beitrag
- Zunahme von Cyberbetrug: Experten berichten von einem starken Anstieg von Cyberbetrugsfällen, wobei die Betrüger mit psychologischen Tricks wie Zeitdruck und falschem Vertrauen arbeiten, um an Geld und persönliche Daten zu gelangen.
- Vielfältige Betrugsmaschen: Neben Support-Betrug gehören auch Shopping-Betrug, Investment-Betrug und Phishing zu den gängigen Methoden; Kriminelle setzen dabei zunehmend auf künstliche Intelligenz, um ihre Angriffe glaubwürdiger und effizienter zu gestalten.
- Prävention und Reaktion: Experten empfehlen gesundes Misstrauen und das Hinterfragen verdächtiger Situationen, während im Betrugsfall schnelle Massnahmen wie das Sperren von Karten und die Kontaktaufnahme mit der Polizei entscheidend sind.
Herr Muster wird verunsichert
Bruno Muster sitzt abends auf dem Sofa, entspannt, sein Handy klingelt. Die Nummer auf dem Display: Schweizer Vorwahl 079, unverdächtig. Die Anruferin: freundlich und professionell; sie stellt sich als «Andrea Schwarz von der Sicherheitsabteilung der Bank» vor. Ihre Botschaft allerdings tönt ernst und dringlich: «Wir haben auf Ihrem Konto verdächtige Überweisungen ins Ausland festgestellt. Um grösseren Schaden zu verhindern, müssen Sie sofort handeln, sonst bleibt uns nichts anderes übrig, als Ihr Konto zu sperren und rechtliche Schritte einzuleiten!» Die Kundendaten, die Frau Schwarz nennt, sind korrekt, alles wirkt echt.
Herr Muster, nun gar nicht mehr entspannt, setzt sich augenblicklich an seinen Computer. Frau Schwarz bittet ihn, sich «zur Überprüfung» ins eBanking einzuloggen und «eine Sicherungsüberweisung» auf ein Sicherheitskonto der Bank auszulösen. Das sei nur ein technischer Schritt, das Geld komme sofort zurück. Sie drängt ihn, die erfasste Zahlung schnellstmöglich mit der Banking-App zu bestätigen, «sonst sind die Betrüger schneller und Ihr ganzes Vermögen ist verloren». Bruno Muster, inzwischen stark verunsichert und unter immensem Zeitdruck, tut, wie ihm geheissen.
Die angezeigten Überweisungsdaten schaut er nicht richtig an. Sogar eine zweite, deutlich höhere «Testbuchung» löst er aus. Frau Schwarz verspricht, dass die Gefahr nun abgewendet sei und alles ausgewertet werde. Sie dankt Herrn Muster für die rasche Reaktion und Kooperation. Bruno Muster beendet das Telefongespräch und atmet auf.
Am nächsten Tag schaut er im eBanking nach, ob nun alles wieder in Ordnung ist und die Transaktionen retourniert wurden. Doch das Geld, es ist weg. Und Andrea Schwarz ist auf ihrer Mobilnummer nicht zu erreichen. Herr Muster kontaktiert daraufhin die eigene Bank über die offizielle Servicenummer. Was er da erfährt, schockt ihn: Die eigene Bank fordere ihre Kunden nie auf, unbekannte Transaktionen auszulösen oder zu bestätigen. Bruno Muster weiss nun: Er ist auf einen professionellen Betrug hereingefallen.
Cyberbetrugsfälle nehmen zu
Bruno Muster und Andrea Schwarz existieren so nicht, der geschilderte Fall jedoch sei sehr realitätsnah, sagt Namgyal Gangshontsang von der Fachstelle eChannel Security der Zürcher Kantonalbank. «Solche Fälle ereignen sich leider täglich und sind uns bestens bekannt. Bei der Masche handelt es sich um einen sogenannten Support-Betrug, zu dem nebst falschen Bankmitarbeitenden auch erfundene Sicherheitsabteilungen und Fake-Polizisten gehören. Diese Scams haben jüngst merklich zugenommen und können immer wieder zu betrügerischen Geldabflüssen führen.»
Und der Fall von Bruno Muster ist in der Realität eben auch kein Einzelfall: Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik wurden im Jahr 2025 knapp 40’000 Fälle von Cyberbetrug registriert. Dass diese Delikte stetig zunehmen, zeigt der Vergleich mit 2020: Vor fünf Jahren wurden in dieser Kategorie der digitalen Kriminalität gut 16’000 Fälle verzeichnet.
Der Support-Betrug, zu dem auch andere Arten des erschlichenen Zugangs zu Geräten, Programmen und Konten gezählt werden, ist nur eine von vielen Maschen, mit denen Betrügerinnen und Betrüger versuchen, an fremdes Geld zu kommen (siehe auch weitere Betrugsmaschen am Ende dieses Artikels). Häufig würden die Betrüger dabei ähnlich vorgehen, sagt Experte Gangshontsang: «Es wird beispielsweise eine Gefahr oder Notsituation beschrieben, eine Zahlung ins Spiel gebracht und gezielt grosser Zeitdruck aufgebaut.»
Psychologische Tricks und falsches Vertrauen
Die Betrüger bedienen sich bei ihren Betrügereien vor allem psychologischer Tricks und bauen gezielt falsches Vertrauen auf. Beispielsweise beim Shopping-Betrug: Auf viel besuchten Online-Marktplätzen geben sich Betrüger als Kaufinteressenten aus, die einen Kauf rasch abschliessen möchten. Dabei drängen sie die ahnungslosen Verkäufer jedoch zum Wechsel auf WhatsApp oder andere Kommunikationskanäle und zur Zahlungsabwicklung über gefälschte Zahlungswebseiten.
Dort sollen die Verkäufer ihre Debitkarten-, Kreditkarten- oder eBanking-Logindaten angeben, um das Geld zu erhalten. Die Betrüger verwenden die Karten- und Zugangsdaten dann für unrechtmässige Überweisungen. Was als vermeintlich schneller, problemloser Deal begann, kann so rasch in einem finanziellen Verlust enden.
Es kann jede und jeden treffen
«Grundsätzlich kann jede Person Opfer von Cyberbetrug werden», sagt Serdar Günal Rütsche, Chef Cybercrime der Kantonspolizei Zürich. «Kriminelle passen ihre Maschen gezielt an unterschiedliche Zielgruppen an. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen, Personen mit geringer digitaler Erfahrung sowie Menschen, die online einkaufen, investieren oder Dating-Plattformen nutzen.» Der Experte verweist auf die Website der Kantonspolizei Zürich zu Gefahren aus dem Internet. Dort werden aktuelle Betrugsmaschen geschildert – die Liste wird immer länger.
Die Betrugsmaschen würden auch immer perfider, wie Polizist Günal Rütsche sagt: «Künstliche Intelligenz ermöglicht es Betrügern, täuschend echte E-Mails, Nachrichten, Bilder, Stimmen und Videos zu erstellen. Dadurch wirken Betrugsversuche professioneller und glaubwürdiger, was die Erkennung erschwert. Gleichzeitig können Kriminelle mit KI Betrugsmaschen deutlich schneller und in grösserem Umfang erstellen und verbreiten. Die Technologie senkt den Aufwand für die Täter und ermöglicht es ihnen, ihre Angriffe rasch an aktuelle Ereignisse oder neue Zielgruppen anzupassen.»
Investiert – und dann ist das Geld weg
Immer häufiger appellieren Betrüger auch ans urmenschliche Streben nach Reichtum und Gewinn: Beim sogenannten Investment-Betrug locken Kriminelle mit lukrativen Investitionsmöglichkeiten und schnellem Geld. Oft werben sie dabei auch mit bekannten Persönlichkeiten, die mit einem solchen Investment angeblich ein Vermögen gemacht hätten. Nach ersten Einzahlungen folgen dann auch tatsächlich kleine Gewinne, schön dargestellt auf gefälschten Diagrammen. Dies verleitet zu immer weiteren Investitionen – bis plötzlich der Kontakt abreisst und die Betrüger und das eingesetzte Geld weg sind.
Auch das klassische Phishing, eine betrügerische E-Mail mit der Aufforderung, auf einen Link zu klicken oder ein Dokument zu öffnen, ist nach wie vor aktuell, wie ZKB-Experte Gangshontsang sagt: «Früher fielen Phishing-E-Mails zum Beispiel durch schlechtes Deutsch oder Rechtschreibfehler auf. Die betrügerischen E-Mails von heute sind jedoch professioneller gemacht, verstecken sich häufig hinter bekannten Firmen und Dienstleistern und sehen täuschend echt aus.»
Ist ein Schadprogramm, sogenannte Malware, erst einmal – häufig unbemerkt – auf den eigenen Computer heruntergeladen, ist es meistens bereits zu spät: Die Betrüger können persönliche Daten stehlen oder verschlüsseln und dafür Lösegeld erpressen.
Um in einem Betrugsfall richtig reagieren zu können, ist es entscheidend, die verschiedenen Betrugsarten zu erkennen und zu verstehen. Als Präventionsmassnahme empfiehlt ZKB-Experte Gangshontsang die Website des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit oder die Betrugs-Informationsseite der Zürcher Kantonalbank zu konsultieren – dort werden die verschiedenen Betrugsarten detailliert erklärt.
Gesundes Misstrauen schützt
«Gesundes Misstrauen ist der beste Schutz», sagt Cybercrime-Chef Günal Rütsche und gibt weitere praktische Tipps: «Persönliche Daten, Passwörter oder Sicherheitscodes sollten niemals leichtfertig weitergegeben werden. Zudem empfehlen wir die Zwei-Faktor-Authentifizierung, regelmässige Software-Updates und die Überprüfung von Anfragen über einen zweiten Kommunikationskanal.»
ZKB-Experte Gangshontsang ergänzt: «Lassen Sie sich von einer vermeintlichen Dringlichkeit keinesfalls aus der Ruhe bringen oder unter Druck setzen, hören Sie auf das eigene Bauchgefühl und hinterfragen sie verdächtige Situationen kritisch – das alles kann vor Betrug schützen.»
Verdächtige Nachrichten sofort löschen
Ist ein verdächtiges E-Mail, eine auffällige SMS oder eine WhatsApp-Message eines unbekannten Absenders eingetroffen, sollte diese Nachricht am besten sofort gelöscht werden. Auf keinen Fall sollten Anhänge geöffnet oder Links angeklickt werden. Telefonanrufe von unbekannten Personen sollten im Zweifel abgebrochen werden. Aber vor allem sei eines entscheidend, so ZKB-Experte Gangshontsang: «Überweisen Sie nicht Geld an Personen, die Sie noch nie im echten Leben getroffen haben oder nicht persönlich kennen!»
Doch welche Reaktion ist angezeigt, wenn es trotz aller Vorsicht zu einem Betrugsvorfall gekommen ist? Empfehlenswert ist es, wenn Sie sich möglichst rasch jemandem aus Ihrem Umfeld anvertrauen und sich Rat holen. Falls Sie befürchten, dass Ihre ZKB Debitkarte missbraucht wird, können Sie diese selbstständig rund um die Uhr im ZKB Mobile Banking oder im ZKB eBanking sperren (und bei falschem Alarm später auch wieder entsperren).
Während der Geschäftszeiten unterstützen Sie auch der ZKB eBanking-Support (Telefon 0844 840 140) oder die Fachstelle eChannel Security (Telefon 044 292 90 30). Eine ZKB Kreditkarte können Sie über die Viseca-one-App sperren oder über die Telefonnummer 058 958 83 83 (24-Stunden-Service).
Bei akuter Not die Polizei einschalten
In einem akuten Notfall sollten Sie direkt die Polizei kontaktieren über die Notrufnummer 117, wie Kantonspolizist Günal Rütsche sagt: «Dazu gehören beispielsweise laufende Betrugshandlungen mit unmittelbarem Schaden, Erpressungen, Bedrohungen oder Situationen, in denen sofortiges polizeiliches Handeln erforderlich ist.»
Bei bereits abgeschlossenen Betrugsfällen ohne akute Gefahr sollte hingegen Anzeige bei der zuständigen Polizeistelle erstattet werden. Eine solche Anzeige ist auch online über suisse-epolice.ch möglich, insbesondere bei bestimmten Formen von Cyberkriminalität. «Phishing-Versuche, neue Betrugsmaschen oder verdächtige Online-Angebote können zusätzlich auf cybercrimepolice.ch gemeldet werden, damit andere Personen frühzeitig gewarnt werden», sagt Günal Rütsche.
Weitere Betrugsmaschen
Romance-Betrug
Romance-Betrug
Auf Social-Media-Plattformen nehmen Betrüger Kontakt mit Ihnen auf und bauen über eine längere Zeit eine persönliche Beziehung auf. Nach einer gewissen Zeit erfinden die Betrüger einen persönlichen Notfall und bitten Sie um Geld.
Seien Sie skeptisch bei Kontaktaufnahmen von Unbekannten; seien Sie hellhörig, wenn jemand Geld von Ihnen will; überweisen Sie kein Geld an Personen, die Sie noch nie getroffen haben; geben Sie keine Kartendaten weiter; brechen Sie den Kontakt sofort ab.
WhatsApp-Betrug
WhatsApp-Betrug
Sie erhalten eine WhatsApp-Nachricht oder eine SMS von einer unbekannten Nummer. Der Absender gibt vor, ein Familienmitglied mit einer neuen Telefonnummer zu sein und sich in einer Notlage zu befinden. Dafür wird Geld gefordert.
Lassen Sie sich durch eine vermeintliche Dringlichkeit nicht aus der Ruhe bringen; kontaktieren Sie die Familienmitglieder über die Ihnen bereits bekannten Nummern; überweisen Sie kein Geld und geben Sie Ihre Kartendaten nicht weiter.
QR-Code-Betrug
QR-Code-Betrug
QR-Codes werden an öffentlichen Orten wie etwa an Parkuhren mit falschen QR-Codes überklebt. Wenn Sie den falschen QR-Code scannen, erfolgt die Zahlung an den Betrüger statt an die korrekten Begünstigten.
Kontrollieren Sie bei QR-Codes, ob sie überklebt wurden; scannen Sie den TWINT-QR-Code nicht mit der Kamera Ihres Smartphones, sondern immer mit der TWINT-App; wenn Sie online mit TWINT bezahlen, prüfen Sie den Empfänger (Ziel-Link).