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Auf lange Sicht

Nachhaltig handeln setzt vorausschauendes und ganzheitliches Denken voraus – sagt Romina Schwarz, Leiterin Fachstelle Leistungsauftrag der Zürcher Kantonalbank. Im Interview erklärt sie, wie die ZKB ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit lebt. Und wie es gelingt, langfristige Ziele auch in turbulenten Zeiten im Blick zu behalten.

Interview: Markus Flick / Bild: Marco Rosasco | aus dem Magazin «ZH» 1/2026

Romina Schwarz, Leiterin Fachstelle Leistungsauftrag der Zürcher Kantonalbank

Frau Schwarz, wie prägt der Wandel der Zeit das Verständnis von Nachhaltigkeit bei der ZKB – und wie Ihr persönliches Handeln?

Seit ihren Anfängen hat die ZKB eine Antwort auf die Herausforderungen der Zürcherinnen und Zürcher gefunden. Entstanden ist unsere Bank, damit das Gewerbe, Landwirte und die Bevölkerung Zugang zu Bankdienstleistungen haben. Mit der Zeit wurde der Versorgungsauftrag ergänzt um Unterstützungsleistungen im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit. Danach kam die ökologische Nachhaltigkeit hinzu. Schon 1992, lange vor dem Begriff Netto-Null, lancierte die ZKB das Umweltdarlehen für energieeffizientes Bauen und Renovieren und bereits 1998 den ersten nachhaltigen Aktienfonds. Seit dem Jahr 2024 ist eine «nachhaltige Entwicklung» und der «Beitrag zur Erreichung der Treibhausgasneutralität» explizit im Zweckartikel des Zürcher Kantonalbankgesetzes verankert.

Unser Leistungsauftrag bildet die Erwartungshaltung der Zürcherinnen und Zürcher an uns ab, und er entwickelt sich entlang der Bedürfnisse der Zeit weiter. Mir gefällt, dass Nachhaltigkeit nicht statisch ist. Deshalb heisst es auch nachhaltige «Entwicklung». Was aber bleibt: Wir begleiten Kundinnen und Kunden in eine nachhaltigere Zukunft. Damit identifiziere ich mich persönlich stark.

In einem Satz: Was versteht die Bank unter Nachhaltigkeit?

Unter Nachhaltigkeit versteht die ZKB, erfolgreiches wirtschaftliches Handeln und die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft dauerhaft in Einklang zu bringen. 

Zur Person

Romina Schwarz (lic. oec. publ.) ist seit 1. Oktober 2020 Leiterin Leistungsauftrag und Nachhaltigkeit bei der ZKB. Zuvor arbeitete sie als Senior Policy Advisor für das Bundesamt für Umwelt in Bern, war Schweizer Delegierte bei der OECD in Paris für die Schnittstelle Wirtschaft und Umwelt, leitete die Schweizer Sustainable-Finance-Koordinationsstelle für das Umweltprogramm der UNO und arbeitete als Strategic and Business Project Manager bei der Credit Suisse.

Konflikte und geoökonomische Konfrontationen bestimmen derzeit die Debatte. Wie gelingt es der ZKB, langfristige Ziele wie Netto-Null-Emissionen bis 2050 nicht aus den Augen zu verlieren?

Es gilt, den drängenden kurzfristigen Problemen zu begegnen, ohne die langfristigen wichtigen Themen aus den Augen zu verlieren. Das ist die Kerndisziplin der Nachhaltigkeit – der Ausgleich der kurzfristigen und langfristigen Bedürfnisse über Generationen und Geografien hinweg. In der Schweiz haben wir die besondere Ausgangslage, dass das wissenschaftlich geforderte Netto-Null-2050-Ziel per Volksentscheid demokratisch legitimiert und gesetzlich verankert ist. Im Rahmen ihres jährlichen Nachhaltigkeitsberichts veröffentlicht die ZKB seit 2024 ihren Netto-Null-Transitionsplan mit Klimazielen und Massnahmen zur Begleitung der Kundinnen und Kunden auf dem Weg zu Netto-Null 2050. Je mehr Unternehmen in der Schweiz Netto-Null-2050-Fahrpläne veröffentlichen, desto mehr Klimadatenpunkte gibt es. Dies ist die Grundlage für mehr Markttransparenz auf der Netto-Null-Transitionsreise und hilft den Marktakteuren, besser informierte Entscheide zu fällen. Netto-Null 2050 ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und nur erreichbar, wenn alle Akteure – Politik, Realwirtschaft, Finanzwirtschaft, jede und jeder Einzelne – zusammenarbeiten.

Was tut die Bank für die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Hypothekargeschäft?

Das Hypothekargeschäft bildet den Löwenanteil unseres bilanzrelevanten Finanzierungsgeschäfts – dadurch sind wir eng mit dem Gebäudesektor verbunden, der gemäss Klimaschutzgesetz bis 2050 vollständig dekarbonisiert werden soll. Unser eingangs erwähntes Pionierprodukt – das zinsvergünstigte ZKB Umweltdarlehen für energieeffiziente Neubauten, Sanierungen oder Einzelmassnahmen – hat 2025 eine rekordhohe Nachfrage erreicht. Wir sind stolz, unsere Kundinnen und Kunden umfassend entlang der individuellen Finanzplanung in jeder Lebensphase in eine nachhaltigere Zukunft zu begleiten: von Informationsveranstaltungen über die Sensibilisierung, die kostenlose Heizungsersatzberatung oder unseren Renovationsrechner bis hin zur Finanzierung. Das kantonale Energiegesetz, das den Ersatz von fossilen Heizungen am Ende der Laufzeit durch ein erneuerbares Heizsystem vorgibt, verleiht unserem Begleitansatz Rückenwind. Wir schliessen keine Kundinnen und Kunden aufgrund ihrer fossilen Heizung aus. Die Dekarbonisierung im Gebäudebereich erreichen wir nur gemeinsam mit ihnen.

Wie unterstützen Sie Firmenkunden auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft?

Ein Beispiel ist der ZKB Eco-Check für KMU, der sich ebenso grosser Beliebtheit erfreut. Er beinhaltet eine kostenlose Energie- und Ressourceneffizienzberatung in Zusammenarbeit mit Reffnet. Die Reffnet-Beraterinnen und Berater identifizieren im Betrieb vor Ort Massnahmen. Teilweise sind es kleinere, die sofort umgesetzt werden können, manchmal auch grössere, deren Finanzierung wir mit dem ZKB Umweltdarlehen oder dem ZKB Umweltleasing unterstützen. Energie- und Ressourceneffizienz dienen der Kosteneffizienz und zahlen sich auch betriebswirtschaftlich aus.

Was ist das ZKB Umweltleasing?

Die Zürcher Kantonalbank beteiligt sich zum Beispiel beim Umstieg von fossil betriebenen LKWs und Bussen auf Elektro- oder Wasserstoff-Antrieb mit einem Prozent an den Nettoanschaffungskosten.  

Mir gefällt, dass Nachhaltigkeit nicht statisch ist. Deshalb heisst es auch nachhaltige ‹Entwicklung›.

Romina Schwarz, Leiterin Fachstelle Leistungsauftrag der Zürcher Kantonalbank

Bei den Diskussionen rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist eine gewisse Polarisierung spürbar. Wie finden Sie die Lösungen, die von breiten Bevölkerungsschichten akzeptiert werden?

Wir wollen Mehrwerte für unsere Privat- und Firmenkunden generieren und sie nicht bevormunden. Ausschlüsse setzen wir nur dort, wo die Geschäftstätigkeit keinen Wandel durchlaufen kann oder wo regulatorische Vorgaben gelten. Ansonsten ist Begleitung und Zusammenarbeit die Devise. Nehmen wir den bereits genannten ZKB Eco-Check als Beispiel: Wenn sich ökologischer Fortschritt auch betriebswirtschaftlich auszahlt, schaffen wir eine Win-win-Situation.

Es gibt insofern keinen «Backlash» bei der Bank punkto Nachhaltigkeit?

Nein. Einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung sowie zur Netto-Null-Transition zu leisten, ist Teil unseres Leistungsauftrags. Wir sind auf Langfristigkeit und Kontinuität ausgerichtet. Wirtschaftlichen Erfolg mit den Bedürfnissen von Gesellschaft und Umwelt in Einklang zu bringen, passt hervorragend zu dieser Langfristorientierung. So leisten wir einen echten Beitrag zum Wohlstand unserer Eigentümerschaft – das sind die Zürcherinnen und Zürcher.

In der Bankbranche sind Vertraulichkeit und Diskretion zentral. Wie transparent sind Sie bezüglich des Nachhaltigkeitsengagements der Zürcher Kantonalbank?

Wir legen grossen Wert auf Transparenz. In unserer öffentlich einsehbaren Nachhaltigkeitspolitik sind unsere Vorgaben entlang der Kriterien Umwelt, Soziales und Gesellschaft sowie Unternehmensführung, sprich Governance, stets nachvollziehbar. Zudem wird unser ebenfalls öffentlich verfügbarer Nachhaltigkeitsbericht im Rahmen der Geschäftsberichterstattung jährlich im Zürcher Kantonsrat behandelt.

Wie motivieren Sie sich und andere, auf langfristige Nachhaltigkeitsziele hinzuarbeiten?

Als Bank bilden wir die Zürcher, Schweizer und – insbesondere mit dem Anlagegeschäft – auch die Weltwirtschaft ab. Gleichzeitig haben wir das grosse Privileg, unsere Kundinnen und Kunden bei Finanzierungs- und Anlagefragen zu beraten. Dabei geht es immer um Entscheidungen, die die Zukunft prägen. Finanzflüsse sind also nicht neutral, sondern haben eine indirekte Auswirkung auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Banking im Dienst der Gesellschaft ist eine sehr sinnstiftende und zukunftsgestaltende Aufgabe.

Zum Schluss: Wie wird sich das Thema Nachhaltigkeit bei der ZKB entwickeln?

Unser Versorgungs-, Unterstützungs- und Nachhaltigkeitsauftrag wird sich weiterhin entlang der Bedürfnisse der Zürcherinnen und Zürcher sowie der Herausforderungen der Zeit entwickeln. Die Zürcher Kantonalbank ist und bleibt die nahe Bank im Dienst der Zürcher Wirtschaft und Bevölkerung.

Mehr Informationen: zkb.ch/nachhaltigkeit

Zeitreise: Verantwortung bei der ZKB

1870

Die ZKB entsteht mit dem Zweck, die Befriedigung von Kredit- und Geldbedürfnissen im Kanton zu erleichtern. Der kleinere und mittlere Grundbesitz sowie der Handwerks- und Gewerbestand sollen besonders berücksichtigt werden.

1902

Zuweisung von 10 Prozent des Reingewinns an gemeinnützige Hilfsfonds

1951

Spende von 500’000 Franken zur Bekämpfung der Tuberkulose

1992

Lancierung ZKB Umweltdarlehen

1998

Lancierung des ersten nachhaltigen Aktienfonds und erster Umweltbericht

2002

Zertifizierung des betrieblichen Umweltprogramms

2015

Weltweit erstes Fairtrade-Gold

2018

Lancierung von Green Bonds

2020

Lancierung der Heizungsersatzberatung

2021

Lancierung von an Nachhaltigkeitsziele gebundenen Unternehmenskrediten (Sustainability Linked Loans)

2022

Lancierung ZKB WohnPlus Hypothek für Wohnbaugenossenschaften

2024

Nachhaltige Entwicklung und Beitrag zur Erreichung der Treibhausgasneutralität erstmals explizit im Zweckartikel verankert

Die ZKB publiziert ihren Netto-Null-Transitionsplan als integralen Bestandteil des Nachhaltigkeitsberichts

Lancierung ZKB Umweltleasing und ZKB Eco-Check-Beratungen für KMU

Lancierung ZKB Nachhaltigkeitsstandard im Anlagegeschäft

2025

Die ZKB Philanthropie Stiftung nimmt ihre Arbeit auf 

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