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Im Fokus

Bei einer Erbschaft ist eine Standortbestimmung sinnvoll, die alle finanziellen Aspekte berücksichtigt.

Ich erbe - was nun?

Viele Menschen erben erst in der zweiten Lebenshälfte. Damit haben sie nicht nur neue finanzielle Möglichkeiten, sondern stehen auch vor neuen Herausforderungen.

Text: Stephan Lehmann-Maldonado, Illustration: 1kilo

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Obwohl sein alleinstehender Onkel fast 80 Jahre alt war, kam sein Tod unerwartet. Nun erbt Stefan Sommer (54) von ihm ein Ferienhaus, ein Wertschriftenportfolio und diverse Kunstgegenstände. Die Erbschaft verändert seine finanzielle Situation grundlegend.

Stefan Sommer ist kein Einzelfall. Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung haben geerbt oder erwarten ein Erbe. Die vererbten Vermögenswerte haben sich in den letzten 15 Jahren aus vielfältigen Gründen verdoppelt: Einerseits haben viele Erblasser selbst einmal geerbt. Andererseits hat sich das Vermögen aufgrund der Preisanstiege von Immobilien und Wertschriften erhöht. Gleichzeitig lebte die aktuelle Generation der Erblasser relativ sparsam, obwohl sie in den Nachkriegsjahren vom Wirtschaftsboom profitierte.

Gemäss einer Studie des Büro Bass (2017) beträgt der durchschnittliche Nachlass rund 1 Million Franken. Allerdings erreicht nur eine überschaubare Anzahl Nachlässe diesen Durchschnittswert. Die Höhe des mittleren Nachlasses (Median) betrug 2015 170’000 Franken. Während die eine Hälfte der Erbschaften darüber liegt, fällt die andere Hälfte bescheidener aus.

Eine Analyse lohnt sich

"Wer erbt, sollte eine Standortbestimmung vornehmen, die alle finanziellen Aspekte berücksichtigt", empfiehlt Sascha Schneeberger, Finanzplaner und Vorsorgeberater der Zürcher Kantonalbank. Denn meist ist die Vermögensstruktur nach einer Erbschaft nicht optimal aufgestellt: Ist das Vermögen richtig strukturiert? Soll man Gelder in Wertschriften investieren, Hypotheken amortisieren, Liegenschaften erwerben - oder gezielt vorsorgen? Ausserdem sollte man die Steuerfolgen einer Erbschaft nicht ausser Acht lassen.

Eine Finanzplanung ist in der Regel nicht mit einem allzu grossen Aufwand verbunden, zahlt sich aber aus - wie Schneeberger weiss. Je nach Art und Umfang des geerbten und bereits bestehenden Vermögens können sich komplexe steuer-, vorsorge- und erbrechtliche Fragen stellen. "Dabei gilt es, nicht nur die aktuelle Situation zu beurteilen, sondern die Finanzen für die Zukunft zu planen, etwa mit Blick auf die Pensionierung", erklärt Schneeberger. "Wenn Stefan Sommer mit 54 Jahren erbt, ist das anders als bei einer 64-jährigen Person." Schneeberger meint: "Entscheide, die man nur aus dem Bauchgefühl heraus trifft, führen oft nicht zur besten Lösung - insbesondere, wenn man die Rechnung ohne das Steueramt macht."

Wenn sich der Fiskus meldet

Meistens fliessen einem Erbschaften von den Eltern zu. Diese sind in vielen Kantonen steuerfrei. Doch stammt die Erbschaft wie bei Stefan Sommer von Geschwistern, Verwandten oder Bekannten, kann die Steuerbelastung im Kanton Zürich je nach Höhe der Erbschaft und Verwandtschaftsgrad bis zu 36 Prozent betragen. Das gilt ebenso für Partner, die ohne Trauschein zusammenleben. Experte Schneeberger: "Man vergisst oft, dass bei einer Begünstigung unter Lebenspartnern der höchste Steuertarif zur Anwendung gelangt."

Zusätzlich können Unsicherheiten entstehen, wenn nicht nur Barvermögen in neue Hände übergeht. Die Erben treten sowohl Rechte als auch Pflichten des Erblassers an. Beispielsweise übernehmen sie bei einer Liegenschaft auch die darauf lastenden Hypothekarschulden und treten in alle daraus folgenden Rechtsverhältnisse ein. Liebhaber- und Sammlerobjekte wie Stefan Sommers geerbte Kunstgegenstände können ebenfalls neue Fragen aufwerfen. Einerseits verlangen sie Know-how und angemessene Pflege. Andererseits kann ihre Bewertung für Überraschungen sorgen: Möglicherweise liegt sie aktuell deutlich über jener, die in der Steuererklärung des Erblassers aufgeführt wurde. "Die meisten Unsicherheiten kann ein Experte aus dem Weg räumen, indem er die Situation transparent aufzeigt", betont Schneeberger.

Erbvorbezüge als Option

Den grössten Finanzbedarf weisen die meisten Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf. In dieser Zeit gründen viele eine Familie und erwerben Wohneigentum. Paradoxerweise fallen ihnen die Erbschaften häufig erst später zu - nämlich dann, wenn sie pensioniert sind und ausreichend Vermögen angespart haben. Schneeberger hält es daher für wichtig, zu prüfen, ob es Sinn macht, Nachkommen zu Lebzeiten mit einem Erbvorbezug zu unterstützen. "Erbvorbezüge oder Schenkungen können steuerlich vorteilhaft sein", führt Schneeberger aus. "Das ist dann der Fall, wenn Einkommen oder Vermögen der Eltern bei diesen eine hohe Steuerbelastung auslösen. Durch den Übertrag auf die Nachkommen kann die steuerliche Belastung reduziert werden. Allerdings muss bedacht werden, dass Erbvorbezüge die Pflichtteile der anderen gesetzlichen Erben nicht verletzen dürfen. Sonst entstehen Ausgleichspflichten, welche die Begünstigten später erheblich belasten können."

Liegt eine Frühpensionierung drin?

Nach grösseren Erbschaften liebäugeln manche Erben mit einer Frühpensionierung. Was braucht es, damit sich Stefan Sommer eine solche leisten kann? Die Altersrente der AHV kann erst ab dem ordentlichen Rentenalter bezogen werden, wobei ein Vorbezug von bis zu zwei Jahren möglich ist. Die Altersrente aus der Pensionskasse fällt bei einer Frühpensionierung tiefer aus. "Daraus ergibt sich ein kurzfristiger sowie ein langfristiger Finanzierungsbedarf. In jedem Fall ist es unerlässlich, die Gesamtausgaben sorgfältig zu ermitteln. Reichen die Einnahmen nicht aus, um diese zu decken, muss das angesparte Privatvermögen verzehrt werden, um den fehlenden Betrag aufzubringen", erläutert Schneeberger. Alternativ ist ein Einkauf in die Pensionskasse zu prüfen. Welche Lösung für einen Frühpensionär die Beste ist, hängt von seinen persönlichen Lebensumständen und Prioritäten ab.

Manche Erben wollen ihr Vermögen langfristig erhalten. Doch ist zu hinterfragen, was sie unter "langfristig" verstehen: Möchten sie ihr Vermögen bis zum Lebensende aufbrauchen - oder dieses später selbst weitervererben? Je nachdem stellen sich andere Anforderungen. "Für Erben, die ihr Vermögen nicht antasten wollen, empfiehlt sich eine entsprechende Anlagestrategie", meint Schneeberger. "Interessante Renditechancen bieten sich jedem - die passende Anlagestrategie dazu lässt sich im Beratungsgespräch bestimmen."

Fünf Tipps für Erben

Standort bestimmen

Überlegen Sie, inwiefern die Erbschaft Ihre Zukunftsplanung und Ihre Bedürfnisse verändert.

Finanzplan erstellen

Um den finanziellen Zielkurs zu halten, brauchen Sie ein langfristiges Konzept für die Verwendung - respektive allenfalls den Verbrauch - des geerbten Vermögens.

Erbrecht prüfen

Denken Sie nicht nur an Ihre persönliche Zukunftsplanung, sondern auch an güter- und erbrechtliche Aspekte, die Ihre Liebsten betreffen. Das schweizerische Erbrecht befindet sich derzeit in Revision. Dabei sollen die gesetzlichen Pflichtteile reduziert werden, damit der Erblasser zukünftig freier über sein Vermögen verfügen kann.

Steuern optimieren

Prüfen Sie die steuerlichen Auswirkungen Ihrer Erbschaft. Vielfach ergibt sich Spielraum für Optimierungen.

Experten hinzuziehen

Packen Sie Ihre Finanzplanung frühzeitig an und holen Sie sich hierzu Unterstützung. Nur so können wirksame Massnahmen ergriffen werden.


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