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Was gehört wie ins Wertschriftenverzeichnis

Das Geld auf dem Konto brachliegen lassen oder es investieren? Jeder finanzielle Entscheid hat auch steuerliche Folgen. Das zeigt sich spätestens, wenn es gilt, das Wertschriftenverzeichnis auszufüllen. Wie sieht ein korrektes Vorgehen aus?

Text: Stephan Lehmann-Maldonado, Illustration: 1kilo, Foto: vichie81, Konstantin Labunskiy

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Sobald die Steuererklärung ins Haus flattert, fühlt sich Stephanie Schwegler (Name geändert) überfordert. Sie besitzt Anlagefonds, Schweizer Aktien, ausländische Aktien wie Apple und VW, Obligationen und eine Beteiligung am Familienunternehmen. Wie werden diese korrekt aufgeführt? "Nebst den Konten sind alle Wertschriften im Wertschriftenverzeichnis zu erfassen – auch ausländische, nicht börsenkotierte und solche, die während des Jahres gekauft oder verkauft wurden" erklärt Remo Ghilardi, Steuerberater der Zürcher Kantonalbank. Anhand der Valoren- oder der ISIN-Nummern bei börsenkotierten Wertschriften ist dies einfach zu erfassen. Eine Übersicht über die relevanten Kurswerte und Erträge von Titeln bietet die Kursliste der Eidgenössischen Steuerverwaltung im Internet, die mit der Steuererklärungs-Software Private Tax vom Kanton Zürich verknüpft ist.

Steuerverzeichnis anfordern

Wer sich das Leben weiter vereinfachen will, kann bei seiner Bank ein – meist kostenpflichtiges – Steuerverzeichnis anfordern. So auch Stephanie Schwegler. Darin sind Vermögenssteuerwerte und die steuerbaren Erträge ausgewiesen. Statt auf unzähligen Zeilen jeden Titel einzeln aufzuführen, kann Stephanie Schwegler ihre Vermögenswerte pro Finanzinstitut in einer einzigen Zeile angeben. Aber aufgepasst: Das übliche Depotverzeichnis ist nicht mit dem Steuerverzeichnis zu verwechseln.

Das Depotverzeichnis enthält keine Erträge und die Titel werden nicht zwingend nach steuerlichen Aspekten bewertet. Das wäre vor allem bei Fonds mit direktem Grundbesitz wichtig. Hier versteuert der Fonds selbst den Löwenanteil am Vermögen und den Erträgen. Fondsanleger müssen somit «nur» den nicht in Immobilien gehaltenen Anteil am Fondsvermögen versteuern. Im Falle von Stephanie Schwegler: Sie besitzt 250 Anteile an einem solchen Fonds. Der eigentliche Wert ihrer Anteile lag per Ende 2017 bei rund 28’000 Franken, der Steuerwert bei rund 1’000 Franken. Der für sie steuerbare Ertrag beträgt Null, obwohl sie 875 Franken erhalten hat.

Die Krux mit ausländischen Titeln

Besonders praktisch ist das Steuerverzeichnis für ausländische Aktien (im Fall von Stephanie Schwegler von Apple und VW): Es weist die Faktoren für das DA-1-Formular bereits aus. Was hat es damit auf sich? "Auf den Dividenden ausländischer Titel wird oft schon im Herkunftsstaat der Gesellschaft ein Teil des Ertrages als Steuer abgeführt. Dieser kann schnell 30 Prozent betragen", erklärt Remo Ghilardi. Frau Schwegler erhält lediglich einen reduzierten Betrag der Dividende ausbezahlt, muss aber die Bruttodividende im Wertschriftenverzeichnis deklarieren. Um die Doppelbesteuerung zu reduzieren, gibt es das Formular DA-1 – für den Antrag auf pauschale Steueranrechnung und zusätzlichen Steuerrückbehalt.

Anstatt die Werte dieser ausländischen Aktien im Wertschriftenverzeichnis zu deklarieren, trägt Stephanie Schwegler ihre Apple- und VW-Aktien im Formular DA-1 ein. Dieses reicht sie direkt bei der Wertschriftenabteilung des Kantonalen Steueramtes Zürich ein. So kann sie sich bei den VW-Aktien 15 Prozent der in Deutschland bezahlten Steuer in der Schweiz anrechnen lassen und erhält einen Teil davon vom kantonalen Steueramt auf ihr Konto vergütet. Für US-Aktien kann sie mit der zusätzlichen Spalte "Steuerrückbehalt USA" die gesamte Steuer in der Schweiz zurückfordern. Bei Aktien aus dem übrigen Ausland (Voraussetzung ist ein Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz) ist es möglich, weitere Ansprüche beim jeweiligen Land geltend zu machen. "In der Praxis lohnt sich der Aufwand wegen der hohen Gebühren der ausländischen Staaten erst bei grösseren Summen", weiss Remo Ghilardi. Beträgt die pauschale Steueranrechnung weniger als 50 Franken, kann der Antrag aufgrund Geringfügigkeit nicht eingereicht werden. Dafür ist es erlaubt, die Bruttodividende abzüglich der pauschalen Steueranrechnung zu deklarieren.

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Dividenden, Zinsen, thesaurierende Erträge

Stephanie Schwegler hat im Jahresverlauf ihre Zurich Insurance Group-Aktien mit Gewinn verkauft. Eine Dividende hat sie erhalten, da Sie zum Zeitpunkt der Ausschüttung noch Besitzerin der Aktien war. Was ist steuerbar? Remo Ghilardi erklärt die Grundregel: «Private Kapitalgewinne sind steuerfrei. Im Gegenzug lassen sich Verluste nicht von den Steuern absetzen.» Dividenden gelten meist als steuerbares Einkommen, jedoch gibt es Ausnahmen: Von den 18 Franken, die pro Aktie an die Aktionäre gingen, muss Frau Schwegler nur 16,60 Franken versteuern; 1,40 Franken sind steuerfrei. Der Grund: Es handelt sich um eine Rückzahlung aus Kapitaleinlagereserven, was im Steuerverzeichnis und der Kursliste der Steuerverwaltung ersichtlich ist.

Neben dem Immobilienfonds hält Stephanie Schwegler weitere Fondsanteile. Im letzten Jahr hat der Fonds zwar Erträge aus Dividenden und Zinsen erzielt, doch wurden diese nicht ausgeschüttet, sondern direkt in den Fonds reinvestiert. Diesen Vorgang nennt man Thesaurierung. "Auch thesaurierte Gewinne sind steuerbar", betont Remo Ghilardi.

Dass auch die Zinserträge von Obligationen zu versteuern sind, leuchtet Stephanie Schwegler ein. Sie denkt allerdings, sie könne mit dem Kauf einer Obligation ohne jährlichen Zinsertrag, die unter dem Nennwert ausgegeben wird, einen steuerfreien Kapitalgewinn von 1’000 Franken erzielen. Ihre Obligation hat einen Nominalwert von 10’000 Franken, sie musste dafür jedoch nur 9’000 Franken bezahlen. Am Ende der Laufzeit gibt es 10’000 Franken zurück. Doch beim vermeintlichen "Kapitalgewinn" von 1’000 Franken handelt es sich um einen steuerbaren Zinsertrag. "Der einzige Unterschied zu jährlichen Coupons ist, dass der Zins nur einmal ausbezahlt wird", erläutert Remo Ghilardi.

Beteiligungen an Unternehmen

Schliesslich ist Stephanie Schwegler zu 15 Prozent an einer nicht börsenkotierten Familien-Aktiengesellschaft beteiligt. Der Vermögenssteuerwert einer solchen Unternehmung wird dem Verwaltungsrat regelmässig vom kantonalen Steueramt mitgeteilt. Im Wertschriftenverzeichnis kennzeichnet Stephanie Schwegler diese Position mit einem «Q» für qualifizierte Beteiligung. Denn wer mit 10 Prozent oder mehr an einer Kapitalgesellschaft beteiligt ist, profitiert bei der Besteuerung des Ertrages von einer Entlastung. Die Bruttodividende von 10’000 Franken ist in der Spalte A "mit Verrechnungssteuerabzug" zu deklarieren. Auf diese Weise erhält Frau Schwegler die Verrechnungssteuer von 35 Prozent (3’500 Franken) zurückerstattet, die zuvor einbehalten wurde. Bei der Verrechnungssteuer handelt es sich um eine Sicherungssteuer, welche zurückerstattet wird, wenn die mit der Steuer belasteten Vermögenswerte und Erträge ordnungsgemäss deklariert wurden.

Da bleibt Stephanie Schwegler nur noch eine Frage: Welche Vermögenswerte müssen in der Steuererklärung nicht aufgeführt werden? "Zum Beispiel Freizügigkeitsguthaben in der zweiten Säule und Sparguthaben im Rahmen der Säule 3a", schliesst Remo Ghilardi ab.

Fünf Tipps zur Steuererklärung

Hilfsmittel nutzen

Füllen Sie die Steuererklärung elektronisch aus, sind Ihre Angaben für die nächste Steuererklärung gespeichert. Bei mehreren Wertschriften lohnt sich ein kostenpflichtiges Steuerverzeichnis.

Verwaltungskosten für Vermögen abziehen

Für die durch Dritte verwalteten Wertschriften können Sie entweder die effektiven Depot- und Safegebühren oder pauschal 3 Promille - maximal aber 6'000 Franken - der Depotwerte als Aufwände abziehen.

Kryptowährungen aufführen

Kryptowährungen sind im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis offenzulegen. Der Besitz ist vergleichbar mit jenem von Bargeld oder Edelmetallen.

Marchzinsen nicht deklarieren

Zinsertrag, der noch nicht ausbezahlt wurde, müssen Sie beim Verkauf einer Obligation während der Laufzeit nicht deklarieren.

Steuercheck beantragen

Beantragen Sie bei Unsicherheiten einen Steuercheck von unseren Experten. Für langfristige Optimierungen empfiehlt sich eine Finanzplanung.


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