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Schritt für Schritt in den Ruhestand.

Immer mehr Menschen möchten vor dem ordentlichen Rentenalter kürzertreten. Andere bleiben dafür noch länger im Erwerbsleben. So attraktiv ein schrittweiser Übergang in den Ruhestand ist, so anspruchsvoll ist seine finanzielle Planung.

Text: Stephan Lehmann-Maldonado, Illustration: 1kilo

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65 für Männer, 64 für Frauen: Dieses Alter ist in vielen Köpfen für den Übertritt in die Rente verankert. Doch immer mehr Menschen möchten selbst bestimmen, wann sie sich aus dem Arbeitsleben verabschieden. Laut der Swisscanto-Pensionskassenstudie arbeitet nur noch rund ein Drittel der Erwerbstätigen bis zum ordentlichen Rentenalter. 10 Prozent bleiben länger im Erwerbsleben tätig und etwa 60 Prozent gehen vorzeitig in Pension. "Menschen in der zweiten Lebenshälfte möchten oft einen Gang zurückschalten und das Arbeitspensum reduzieren. Andere wünschen sich, nach der Pensionierung erwerbstätig zu bleiben - meist auf Teilzeitbasis", weiss Remo Stöckli, Finanzplaner und Vorsorgeberater der Zürcher Kantonalbank.

Eine schrittweise Pensionierung kann für beide Seiten vorteilhaft sein: Arbeitnehmende müssen sich nicht über Nacht auf einen ganz anderen Tagesablauf einstellen, während Arbeitgeber einen abrupten Know-how-Verlust vermeiden können. Aber nicht immer ist das Austreten aus dem Erwerbsleben in Etappen möglich. Remo Stöckli betont: "Arbeitgeber müssen diese Möglichkeit schaffen, sowohl bei der Arbeitsstelle wie auch der beruflichen Vorsorge."

Zu beachten sind dabei die Unterschiede zwischen einer Teilpensionierung und einer Pensumsreduktion. "Pensumsreduktionen können Pensionskassenreglemente nicht verbieten, aber Teilpensionierungen sind nicht immer vorgesehen", sagt Remo Stöckli. Er empfiehlt eine ganzheitliche Analyse, die rechtliche, steuerliche, vorsorgetechnische und finanzplanerische Aspekte einer flexiblen Pensionierung berücksichtigt.

Die 1. Säule: relativ restriktiv

Beginnen wir bei der 1. Säule. Auf Wunsch lässt sich die AHV-Rente bis zu zwei Jahre früher beziehen. Pro Vorbezugsjahr reduziert sich die lebenslange Rente jedoch um 6,8 Prozent. Bei einem Vorbezug der AHV-Leistung besteht bis zum ordentlichen Pensionierungsalter eine AHV-Beitragspflicht. "Auch ein Aufschub der AHV-Rente um maximal fünf Jahre ist möglich. Dabei erhöht sich die spätere Rente um bis zu 31,5 Prozent", sagt Remo Stöckli. Ob sich ein Vorbezug oder ein Aufschub lohnt, muss im Rahmen einer gesamtheitlichen finanziellen Auslegeordnung geprüft werden. Der Bundesrat strebt zurzeit eine weitere Flexibilisierung der AHV an. Demnach soll es künftig möglich werden, zwischen 62 und 70 Jahren die AHV-Rente oder einen Teil davon beziehen zu können.

Da die AHV-Rente derzeit frühestens zwei Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter bezogen werden kann, entsteht bei einer noch frühzeitigeren Pensionierung eine finanzielle Lücke. Einige Arbeitgeber bzw. Pensionskassen gewähren daher auf freiwilliger Basis sogenannte AHV-Überbrückungsrenten. Remo Stöckli: "Überbrückungsrenten sind rückläufig. Die Kosten dafür müssen irgendwie gedeckt werden - oft bezahlt man sie selbst mit einer Reduktion der späteren Renten."

Die 2. Säule: komplex, aber interessant

"Bei der Pensionskasse reichen die finanziellen und steuerlichen Konsequenzen von Entscheiden weiter als bei der AHV. Nur schon, weil in der Regel wählbar ist, ob man die Altersleistung als Rente oder als Kapital beziehen will", erklärt Remo Stöckli. Versicherte können ihre Altersleistungen häufig ab 58 Jahren beanspruchen - dies ist jedoch vom Pensionskassenreglement abhängig. Ähnlich wie bei der AHV wird auch bei einem Pensionskassen-Vorbezug die Altersleistung gekürzt und der Bezug der Rente kann um bis zu fünf Jahre übers ordentliche Rentenalter hinausgezögert werden. Voraussetzung ist, dass die Erwerbstätigkeit fortgeführt wird.

Ob sich eine Teilpensionierung oder eine Pensumsreduktion besser eignet, ist von der finanziellen und familiären Situation abhängig. "Einerseits ist eine Teilpensionierung für vermögende Personen interessant, die einen Kapitalbezug bei der Pensionskasse anstreben", weiss Remo Stöckli. Steuerlich werden im Kanton Zürich maximal zwei Bezüge als Kapitalleistung aus der Vorsorge akzeptiert, wenn sowohl die Pensumsreduktion als auch das zukünftige Pensum mindestens 30 Prozent betragen. Andererseits kann eine Teilpensionierung auch bei einem Rentenbezug interessant sein. Durch den Bezug einer Teilrente fällt die Einkommenslücke in der Frühpensionierungsphase geringer aus und zudem kann im Umfeld sinkender Umwandlungssätze mit einer Teilpensionierung zumindest teilweise der bisherige Umwandlungssatz gesichert werden.

In anderen Fällen ist es sinnvoll, die Altersleistungen möglichst im Umfang des bisherigen Lohns beizubehalten. "Wer sein Pensum ab 58 Jahren um weniger als die Hälfte reduziert, kann bei vielen Pensionskassen das bisherige Einkommen weiterversichern." Diese Lösung ist auch für Personen interessant, welche die Altersleistung mit Pensionskasseneinkäufen aufstocken möchten: «Ein Beibehalten des versicherten Lohns bewahrt die bestehenden Einkaufsmöglichkeiten, wogegen eine Pensumsreduktion und eine Teilpensionierung die Möglichkeit für Einkäufe verringert. Besteht eine Vorsorgelücke, sind Einkäufe steuerlich abziehbar. Aber wenn bei Pensionierung der Wunsch nach einem Kapitalbezug besteht, müssen zwischen Einkauf und Bezug mindestens drei Jahre liegen», erklärt Remo Stöckli. Wer den in der Pensionskasse versicherten Lohn konstant hält, muss für die Weiterversicherung allerdings auch die Arbeitgeberbeiträge bezahlen.

Die 3. Säule: zunehmend wichtig

Hinsichtlich Bezugszeitpunkt ist die dritte Säule am flexibelsten. Einerseits ist es möglich, die Gelder schon fünf Jahre vor dem Erreichen des ordentlichen Rentenalters zu beziehen. Andererseits darf man die steuerlich privilegierten Einzahlungen bis fünf Jahre darüber hinaus tätigen, sofern man weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Im Rahmen der Säule 3a vorzusorgen, hält Remo Stöckli für unentbehrlich. Sein Tipp: Frühzeitig mehr als ein Säule-3a-Konto eröffnen. "Nur so kann man die Guthaben später gestaffelt beziehen und damit die Steuerprogression brechen."

Fazit: Bis zu welchem Alter man arbeiten kann und will, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Musterlösungen gibt es nicht. Im Gegensatz zur Frühpensionierung ist es bei der schrittweisen Pensionierung jedoch möglich, weiterhin Beiträge in die Pensionskasse einzuzahlen und bis zum ordentlichen Pensionsalter gegen die Risiken Tod und Invalidität versichert zu bleiben. "Wer die Planung rechtzeitig angeht, kann gezielt Vermögen aufbauen und Einkommenslücken schliessen», meint Remo Stöckli: "Je früher der Rat von Spezialisten eingeholt wird, desto eher kann die gewünschte Lösung erreicht werden."

Remo Stöckli berät Kundinnen und Kunden in sämtlichen Fragen rund um Finanzplanung und Vorsorge.

E-Mail schreiben

044 292 21 00044 292 21 00 anrufen

Fünf Tipps für den schrittweisen Ausstieg

Überblick verschaffen

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Vermögens- und Vorsorgesituation, Ihre Verpflichtungen sowie Ihre Einnahmen und Ausgaben.

Arbeitgeber miteinbeziehen

Besprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber die Möglichkeiten eines etappenweisen Berufsausstiegs.

Optionen ausloten

Klären Sie bei Ihrer Pensionskasse ab, welche Optionen zur schrittweisen Pensionierung vorgesehen sind. Gerade bei der zweiten Säule ist es wichtig, aufs Kleingedruckte zu achten. Jede Pensionskasse hat ihre eigenen Spielregeln.

Vorsorgebezüge optimieren

Stimmen Sie die Renten- und Kapitalbezüge aus allen drei Säulen optimal auf Ihren finanziellen Bedarf und Ihre Steuersituation ab. Dazu lohnt es sich, verschiedene Szenarien durchzurechnen.

Experten beiziehen

Aufgrund des komplexen Zusammenspiels von Gesetz, Pensionskassenreglement, Steuern und familiärer Situation zahlt sich eine Beratung durch Spezialisten aus.

Zahlen und Fakten

  • Die reguläre Pensionierung bleibt die Ausnahme: Nur ein Drittel der Erwerbstätigen tritt nach Vorgabe des Pensionskassenreglements ins Rentenalter über. 58 Prozent der Versicherten gehen vorzeitig in Pension, 9 Prozent arbeiten übers offizielle Rentenalter hinaus.
  • 63,5 Jahre: So alt sind Menschen im Durchschnitt, wenn sie sich pensionieren lassen - gemäss Angaben der Pensionskassen mit reglementarischem Rentenalter 65.
  • 6,8 Prozent: Die AHV-Rente lässt sich bis zu zwei Jahre früher beziehen. Pro Vorbezugsjahr fällt die Rente um 6,8 Prozent kleiner aus.

Pensumsreduktion vs. Teilpensionierung

Bei einer Pensumsreduktion verringert sich das Arbeitspensum und damit einhergehend der versicherte Lohn und die Leistungen der Pensionskasse. Das Alterskapital bleibt unberührt. Bei einer Teilpensionierung wird hingegen entsprechend dem reduzierten Pensum eine Leistung aus der Pensionskasse in Form von Rente oder Kapital vorbezogen.


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