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Mein Leben

Karin Hindenlang im Porträt

Interesse für Natur und Landschaft wecken

Wertvolle Naturlandschaften für die folgenden Generationen zu erhalten, ist ein dringendes Anliegen von Karin Hindenlang. Der Geschäftsführerin der Stiftung Wildnispark Zürich liegt es sehr am Herzen, dass die Natur auch wild sein darf.

Text: Susanne Wagner, Bild: Selina Meier 

Karin Hindenlang, Chefin Wildnispark Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Sie redet in flottem Tempo, denkt schnell und drückt sich prägnant aus. Denn Zeit verlieren möchte Karin Hindenlang nicht: Wenn es an einer Sitzung zu viele Traktanden hat, redet sie einfach ein bisschen schneller. Als "Wirbelwind" ist die Chefin des Wildnisparks Zürich im Betrieb deshalb schon bezeichnet worden. Dabei ist ihr Arbeitsplatz im Verwaltungsgebäude mitten im Wildnispark schon fast meditativ ruhig und malerisch schön.

Diese Schönheit geniesst Karin Hindenlang oft auch bei der Arbeit an der frischen Luft: Wenn sie bei Begehungen VIPs durch die Anlage führt oder Führungen für das Publikum leitet, nah bei den Elchen, Wildschweinen, Wisents, Wölfen und Rothirschen ist, fühlt sie sich wohl. Schon von klein auf wollte Karin Hindenlang Tierärztin werden. Studiert hat sie dann jedoch Biologie, was sie bis heute nicht bereut. "Mich haben schon immer auch die ökologischen Fragen, die Zusammenhänge zwischen Tieren und ihren Lebensräumen interessiert."

Das Engagement für die Natur war da, seit sie denken kann. Als Mädchen begleitete sie ihren Vater auf mehrstündigen Wanderungen. Wenn sie müde war, erzählte er ihr Geschichten von Trollen, Waldschraten und lebendigen Felsen. Das gab ihr wieder Energie. Bereits im und nach dem Studium arbeitete sie im Bereich Natur- und Landschaftsschutz und war das jüngste Vorstandsmitglied von Pro Natura Schweiz. Die erste Stelle nach dem Studium am Zoologischen Institut der Universität Zürich ergab sich als logische Folge des bisherigen Werdegangs.

Heim für Hirsche und Murmeli

Ihre aktuelle Position umfasst vor allem Management- und Führungsaufgaben. Der Biologin kommt dies sehr entgegen, weil sie "nicht nur gerne Tiere, sondern auch gerne Menschen hat - am liebsten diskutiere ich mit Leuten, die nicht die gleiche Meinung haben wie ich." Zu ihrer Arbeit gehören auch konzeptionelle Aufgaben wie das Erarbeiten von Finanzierungsstrategien oder Grossprojekte wie die neue Anlage Alpenwelt, die im Tierpark im Laufe der nächsten Jahre für die Steinböcke, Rothirsche und Murmeltiere entstehen soll.

"Die Tiere sind für die Menschen und vor allem für die Kinder das Eingangstor zum Verständnis für Natur und Landschaft. Wenn sie die einheimischen Wildtiere in natürlicher Umgebung sehen, bauen sie einen ersten Bezug dazu auf", sagt Karin Hindenlang, die auch ab und zu Pikett-Dienst im Tierpark leistet. Auch die 11 Quadratkilometer Naturerlebnispark Sihlwald, wo man der Natur freien Lauf lässt, liegen ihr sehr am Herzen: "Es ist wichtig, dass es Orte gibt, wo wieder Wildnis entstehen kann. So erhalten wir wertvolle Lebensräume und Ökosysteme auch für die nächsten Generationen."

Ein paar Mal durchatmen

Auf die Frage, was sie täglich antreibt, wird Karin Hindenlang ganz deutlich: "Die Freude am Leben und der Natur. Die Natur kann sehr gut ohne uns leben, aber wir nicht ohne Natur"» Sie sei unsere Lebensgrundlage, nicht nur für die Nahrungsmittelproduktion, sondern auch als ökonomischer Faktor: Attraktive Landschaften sind ein Mehrwert für eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen im Dienstleistungssektor arbeiten und sich in der Natur erholen möchten.

Das macht sie auch selber sehr gerne: Die 53-Jährige, die früher Triathlonsport betrieben hat, liebt es, den anderthalbstündigen Arbeitsweg auch mal zu Fuss zurückzulegen. In der Freizeit ist sie als Hundetrainerin tätig und bildet unter anderem Jagd- und Sporthunde aus. Das Schönste ist für sie, an einem Samstagmorgen auf einen Berggipfel zu wandern, um ein paar Mal durchzuatmen. Mehr brauche sie eigentlich nicht, um glücklich zu sein.

Was haben Sie sich als Kind von Ihren ersten Ersparnissen gekauft?

Ich sparte mein Taschengeld für einen Kassettenrecorder. Ich verbrachte Stunden damit, Lieder von der Radiohitparade aufzunehmen.

Welche alltägliche Freude leisten Sie sich, ohne ans Geld zu denken?

Ein gutes und abwechslungsreiches Mittag- und Abendessen mit saisonalen und wenn immer möglich biologisch produzierten Produkten.

Wie sorgen Sie im (Berufs-)Alltag vor?

In einem Betrieb wie unserem ist Controlling sehr wichtig. Meine Gesundheitsvorsorge könnte besser sein, ich schlafe zu wenig und arbeite zu viel.

Welche Träume möchten Sie noch verwirklichen?

Nach meiner Pensionierung möchte ich mit meinem Mann wieder mehr in die Berge gehen. Ich würde sehr gerne noch erleben, dass die Schweiz einen zweiten Nationalpark bekommt.

Wildnispark Zürich

Der Wildnispark Zürich mit dem Naturerlebnispark Sihlwald und dem Tierpark Langenberg beschäftigt 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2017 besuchten fast 600‘000 Besucherinnen und Besucher den Wildnispark. Der Naturwald Sihlwald wird seit dem Jahr 2000 sich selbst überlassen. Umgestürzte Baumstämme bieten Lebensräume für Hunderte von Käfer-, Mücken- und Fliegenarten sowie 407 Pilzarten, 188 Flechten- und 166 Moosarten. Im 150-jährigen Tierpark werden Wildtiere – darunter Luchse, Damhirsche, Elche, Feldhasen, Wildkatzen, Wisents, Wildschweine und Wölfe – in grosszügigen, naturnahen Anlagen gehalten und sollen möglichst ihr ganzes natürliches Verhaltensrepertoire ausleben können.


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