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Mein Leben

Der Netzwerker

Tue Gutes und sprich darüber

"Tue Gutes und sprich darüber" heisst es im Volksmund. Bei der Stiftung Swisscontact geschieht die Förderung von Menschen und Ländern jedoch eher im Stillen. Swisscontact-Geschäftsführer Samuel Bon weiss aber, wie wichtig das persönliche Gespräch in der Branche ist.

Text: Susanne Wagner, Bild: Selina Meier 

Samuel Bon (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Samuel Bon ist einer der Menschen, die sich im Gespräch voll und ganz auf das Gegenüber konzentrieren. Beim Gespräch sitzt er am Besprechungstisch und sagt: "Meine Aufgabe ist so schön und motivierend, dass ich jeden Morgen gerne aufstehe und arbeiten gehe". Ebenso gut kann man sich den 50-Jährigen jedoch auch "im Feld" vorstellen: Der Geschäftsführer der Stiftung Swisscontact reist zwei bis drei Monate pro Jahr in Länder auf der ganzen Welt, um Projekte zu besuchen und sich mit Mitarbeitenden und Partnern vor Ort auszutauschen.

Während Samuel Bon die Funktion als CEO einer der grössten schweizerischen Entwicklungsorganisationen derart überzeugend ausfüllt, schimmern im Gespräch auch andere mögliche Rollen, Berufe und Interessen durch, die ebenso zu ihm gehören: Sein Berufswunsch als Kind, Pilot oder Bergführer zu werden, sein Flair für das Zeichnen, sein Studium der Theologie, der Philosophie und der alten Sprachen oder seine sechs Auslandsjahre als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Ländern wie Afghanistan.

Prägungen fürs Leben

"Für die tiefsten Zäsuren in meinem Leben sorgten jeweils Orte und Menschen ausserhalb des Gewohnten. Sie prägten mein Weltbild und mein Werteverständnis am stärksten", blickt Bon zurück. Es war ihm jedoch wichtig, den Anschluss an die Schweiz nicht zu verpassen: Er kehrte rechtzeitig zurück und wählte als 32-Jähriger mit seinem Betriebsökonomiestudium nochmals eine ganz andere Richtung. Dies ebnete ihm schliesslich den Weg zu Swisscontact. Es ist eine Arbeit, die das Leben vieler Menschen verändert.

Zu den grössten Herausforderungen unserer Zeit gehören für Samuel Bon der demografische Wandel und die Perspektivlosigkeit junger Menschen in vielen Ländern, beispielweise auf dem afrikanischen Kontinent. Hier setzen die Projekte von Swisscontact an: "Wir befähigen das lokale System in den einzelnen Ländern, ihre jungen Leute besser ins Wirtschaftsleben zu integrieren. Zudem fördern wir Firmen dabei, Arbeitsplätze zu schaffen und am Markt zu bestehen." Im Fokus stehen der Aufbau und die Förderung von nachhaltigen Wertschöpfungsketten. Die Zahlen sind beeindruckend: 1’400 Mitarbeitende, über 100 Projekte in 36 Ländern und ein Projektvolumen von 100 Millionen jährlich - darunter sind auch Mandate des Bundes. Die einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Swisscontact gewann kürzlich die vom Seco ausgeschriebene schweizerische Importförderung (SIPPO).

Partnerschaften pflegen

"In einer Stiftung wie unserer ist eine solide Finanzierungsbasis sehr wichtig. Nur so können wir nachhaltig in die Zukunft, in den Betrieb und in unsere Fähigkeiten investieren", erklärt Samuel Bon den Vorsorgeaspekt seiner Arbeit. Die wiederkehrenden strategischen Fragen lauten: Haben wir noch die richtigen Lösungen für Herausforderungen wie z.B. Produktivitätsschwierigkeiten von Kleinbauern in klimasensiblen Gebieten? Der nachhaltige Stiftungszweck hat auch Auswirkungen auf die Personalselektion. Samuel Bon: "Es ist gar nicht so einfach, Leute zu finden, die vier Jahre lang im Niger, in Laos oder in Myanmar leben und arbeiten möchten".

Zu Samuel Bons Aufgaben gehören auch die Pflege von bestehenden und das Suchen von neuen Partnerschaften. Dazu sind viele persönliche Gespräche und das Aufbauen von Vertrauen nötig. Die finanziellen Mittel setzen sich aus privaten Spenden, aus Beiträgen und Mandaten des Bundes sowie aus Mitteln von diversen internationalen Auftraggebern zusammen. Den Begriff "Hilfe" hört Samuel Bon nicht gerne: "Wir haben diesen Ausdruck aus unserem Vokabular verbannt, weil er eine Machtstellung des Helfers suggeriert", erklärt er. "Vielmehr ermöglichen wir eine Befähigung der Menschen, damit sie selber für sich sorgen und vorsorgen können."

Was haben Sie sich als Kind von Ihren ersten Ersparnissen gekauft?

Ein Fünfgangvelo der Marke Sioux, für das ich zweieinhalb Jahre lang gespart habe: Ich verdiente Geld im Landdienst und durch Mithilfe im Garten meiner Eltern und setzte den Batzen von Weihnachten und Geburtstagen ein.

Welche alltägliche Freude leisten Sie sich, ohne ans Geld zu denken?

Beim Essen, beim Wein und in den Ferien schaue ich nicht so auf den Preis. Meine Frau und ich verbringen gerne Ferien in der Schweiz - beruflich reise ich ja schon genug - und wir haben ein so schönes Land.

Wie sorgen Sie im (Berufs-)Alltag vor?

Ich habe viel in meine Ausbildungen sowie einen Teil der Pensionskasse in unser Haus investiert. Mit unseren 3a-Konten und klassischen Anlagen sind meine Frau und ich relativ breit aufgestellt.

Welche Träume möchten Sie noch verwirklichen?

Ich würde gerne einmal länger das Tibet bereisen und dort ganz gemächlich auf eine Trekkingtour gehen. Sonst bin ich eigentlich wunschlos glücklich.

Swisscontact

Die schweizerische Organisation Swisscontact ist eine wirtschaftsnahe, unabhängige Stiftung für internationale Entwicklungszusammenarbeit. Das Ziel ist, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung der betreuten Länder zu fördern. Eines der Projekte von Swisscontact heisst Senior Expert Corps (SEC): Es ist ein Pool von über 700 Schweizer Fachexperten, etwa Handwerker oder Hotelmanager, die KMU in Entwicklungs- und Schwellenländern beratend unterstützen. Die Zürcher Kantonalbank unterstützt Swisscontact seit rund 60 Jahren.


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