Geschichte

Ein kräftiges Ja in der Volksabstimmung zum Kantonalbank-Gesetz bildete im Herbst 1869 die Basis zur Gründung der Bank, die am 15. Februar 1870 ihre Tätigkeit aufnahm. Im Mittelpunkt standen gewerbliche und landwirtschaftliche Kreditbedürfnisse und sichere Spar- und Anlagemöglichkeiten für breite Bevölkerungskreise. Als kantonale Universalbank mit einer umfassenden Produkt- und Dienstleistungspalette bildet sie heute ein Gegengewicht zu den privat gehaltenen Gross- und Privatbanken. Unverändert seit der Gründung ist die Positionierung als nahe Bank.

Gründerjahre

Bis zur Gründung der Schweizerischen Nationalbank 1907 gab die Bank eigene Banknoten heraus.

Als die Zürcher Kantonalbank am 15. Februar 1870 ihren ersten Schalter eröffnete, geschah dies in einer Zeit, in der Landwirtschafts- und Gewerbebetriebe kaum noch tragbare Kredite von bestehenden Banken erhielten und Spar- und Anlagebedürfnisse breiter Bevölkerungskreise nur sehr rudimentär befriedigt wurden. Hier sollte die Bank des Zürcher Volkes einspringen, so die Idee von Kantonsrat Johann Jakob Keller, einer der treibenden Kräfte hinter der Bankgründung. Der Kanton Zürich stellt seither das Dotationskapital zur Verfügung und garantiert die Verbindlichkeiten der Bank (Staatsgarantie). Das Kantonsparlament bestellt die obersten Organe. Der öffentliche Leistungsauftrag und damit die gesellschaftspolitische Verantwortung wurden gesetzlich festgeschrieben.

Aufschwung und Ausbau

Der 1902 erbaute Hauptsitz im Neorenaissance-Stil an der Bahnhofstrasse 9.

Um 1900 erlebte die Zürcher Wirtschaft einen enormen Aufschwung, welcher die Bevölkerung und damit auch die Wohnbautätigkeit rasant ansteigen liess. Der Hypothekarbestand der Zürcher Kantonalbank wuchs markant. Zur Bedienung der Kundschaft wurden im Kanton eine Vielzahl von Filialen und Agenturen eröffnet, aber auch nebenamtlich betriebene «Einnehmereien», die Spargelder entgegennahmen. Trotz kriegs- und krisenbedingter Rückschläge zwischen 1914 und 1950 blieb die Zürcher Kantonalbank eine zuverlässige Stütze der kantonalen Volkswirtschaft. Aufgrund ihres gesetzlichen Auftrags vermied sie spekulative Geschäfte. Anders als die global tätigen Grossbanken überstand sie aufgrund ihrer Binnenmarktorientierung die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre relativ unbeschadet.

Wachstum ohne Grenzen

Bildschirm und Eingabegerät für die «Datenfernverarbeitung» – elektronische Hilfsmittel halten auch bei der Bank Einzug.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Zürich zu einem der bedeutendsten Finanzplätze der Welt. Diese Entwicklung begleitete die Zürcher Kantonalbank, indem sie die Produkt- und Dienstleistungspalette erweiterte und damit ihr Geschäftsvolumen ausdehnte. Die Schwerpunkte in dieser Zeit bildeten Spar- und Hypothekargeschäfte. Ausserdem erlangte die Zürcher Kantonalbank eine führende Stellung im Kapitalmarktgeschäft und zählt heute zu den führenden Anbieterinnen bei Emissionen von Fremd- und Eigenkapitalinstrumenten. Ihr Aktien- und Obligationen-Research weist zudem die grösste Abdeckung in der Schweiz auf.

Entwicklung zur Universalbank

Plakat aus den 1980er Jahren macht auf die weltweite Tätigkeit, aber starke Verwurzelung im Kanton Zürich aufmerksam.

Gegen Ende des Jahrhunderts entwickelte sich aus der Hypothekarbank eine innovative, international vernetzte Universalbank, welche so die Bedürfnisse einer zunehmend global tätigen Wirtschaft unterstützen konnte. Die Immobilienkrise Mitte der 1990er-Jahre zwang auch die Zürcher Kantonalbank zu Veränderungen. Die Bank reorganisierte sich und richtete ihre Organisation stärker auf einzelne Kundensegmente aus. In den Fokus rückten auch Digitalisierungsprojekte wie das 1997 lancierte Online-Banking oder die Immobilienplattform Homegate. Der Bereich der Start-up-Finanzierung wurde ausgebaut und mit umfassenden Fördermassnahmen wie Netzwerkpflege und Beratungsangeboten angereichert.

Stabilität durch Diversifikation

CEO Martin Scholl (l.) und Bankpräsident Jörg Müller-Ganz (r.) mit Mitarbeitenden in der 2015 aufgefrischten Kundenhalle im Hauptsitz.

2008 erlebte die Finanzbranche die grösste Krise seit den 1930er-Jahren. Das Geschäftsmodell der Zürcher Kantonalbank, das auf Ertragsdiversifikation und Nachhaltigkeit setzt, bewährte sich in der Zeit der globalen Vertrauenskrise. Während das Handelsgeschäft teilweise schwächelte, blieb das Zinsdifferenzgeschäft ein stabiler Ertragspfeiler. Die Zürcher Kantonalbank erreichte im Wirtschaftsraum Zürich bei Privat-, Firmen- und Gewerbekunden eine marktführende Stellung. Sie erweiterte ihre Struktur auf neun Geschäftseinheiten und startete eine Wachstumsinitiative. 2013 stufte die Schweizerische Nationalbank die Zürcher Kantonalbank als systemrelevant ein. Dies aufgrund ihrer Bedeutung als Marktführerin im wirtschaftsstärksten Kanton der Schweiz. 2015 ging Swisscanto mit ihrer Fondsleitung in den Besitz der Zürcher Kantonalbank über. Zur drittgrössten Fondsanbieterin der Schweiz geworden, gelang es ihr damit, das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft weiter zu stärken. Zusammen mit dem Handelsgeschäft bildet es heute einen wichtigen Ertragspfeiler, derweil das anhaltend tiefe Zinsumfeld das Zinsdifferenzgeschäft vor grosse Herausforderungen stellt.

150-Jahr-Jubiläum

Pilotstandort Bahnhof Stettbach mit neuen Dienstleistungen.

Im Jahr 2020 feierte die Zürcher Kantonalbank ihr Jubiläum. Seit über 150 Jahren ist sie Teil des Lebens- und Wirtschaftsraums Zürich. Im Lauf ihrer Unternehmensgeschichte hat sie auf der Basis ihres öffentlichen Leistungsauftrags mit Engagement viel zu einem prosperierenden Kanton beigetragen. Seit jeher versteht sie sich als verbindendes Element zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Stadt und Land, Tradition und Moderne. Diese tiefe Verbundenheit treibt die Zürcher Kantonalbank seit jeher an: Brücken schlagen, Impulse setzen und Begegnungen schaffen.