Geschichte

Ein kräftiges Ja in der Volksabstimmung zum Kantonalbank-Gesetz bildete im Herbst 1869 die Basis zur Gründung der Bank, die am 15. Februar 1870 ihre Tätigkeit aufnahm. Im Mittelpunkt standen gewerbliche und landwirtschaftliche Kreditbedürfnisse und sichere Spar- und Anlagemöglichkeiten für breite Bevölkerungskreise. Als kantonale Universalbank mit einer umfassenden Produkt- und Dienstleistungspalette bildet sie heute ein Gegengewicht zu den privat gehaltenen Gross- und Privatbanken. Unverändert ist die Positionierung als nahe Bank – seit über 150 Jahren.

Bis zur Gründung der Schweizerischen Nationalbank 1907 gab die Bank eigene Banknoten heraus.

1830–1869 Eine friedliche Revolution

Eine Volksversammlung in Uster fordert 1867 politische Mitsprache und sozialpolitische Reformen. Bild: Zentralbibliothek Zürich

Hinter der Gründung der Zürcher Kantonalbank stand eine Bewegung, die nicht nur das Bankensystem verändern wollte, sondern eine grundlegende politische Erneuerung anstrebte. Man nannte sie die Demokratische Bewegung, weil ihr Hauptanliegen die Durchsetzung von direktdemokratischen Rechten war. Die neue Verfassung von 1869 enthielt u.a. das Referendumsrecht und die Direktwahl der Zürcher Regierungsräte, schaffte die Todesstrafe ab, garantierte die Vereinsfreiheit und führte progressive Steuern ein. Die Gründung einer Staatsbank war als wirtschaftspolitische Stärkung dieses demokratischen Reformprogramms gedacht. Die Bank sollte tragbare Kredite für Landwirtschafts- und Gewerbetreibende anbieten und die Spar- und Anlagebedürfnisse breiter Bevölkerungskreise befriedigen.

Erfahren Sie mehr über diese Epoche: «Jetzt spricht das Volk», «Wer gibt den Bauern einen Kredit?», «Die andere Bank für Kleinsparer» und weitere Geschichten (PDF, 1 MB)

 

1870–1914 Sturm und Drang

Die «Stahlkammer» in einer Imagebroschüre von 1908.

Die neugegründete Zürcher Kantonalbank öffnete ihren ersten Schalter am 15. Februar 1870. Die Anfänge waren bescheiden, galt es doch zunächst grundlegende Betriebsabläufe zu etablieren und einen Kundenstamm aufzubauen. Zudem brach im Sommer 1870 der Deutsch-Französische Krieg aus, der das Bankgeschäft stark behindert. Danach fasste die Bank schnell Tritt und weitete ihr Kreditvolumen rasch aus. Bis zur Gründung der Nationalbank gab sie auch eigene Banknoten heraus, was neben Spargeldern und Obligationen ihre Finanzierung sicherte. Zur Bedienung der Kundschaft wurden im Kanton eine Vielzahl von Filialen und Agenturen eröffnet, aber auch nebenamtlich betriebene «Einnehmereien», die Spargelder entgegennahmen. Keine andere Bank wies im Kanton Zürich eine vergleichbare Präsenz auf.

Erfahren Sie mehr über diese Epoche: «Ein Bernhardiner als Sicherheitschef», «1 Million Mal unterschreiben, bitte!», «Wie Fräulein Aufenast Agenturleiterin wurde» und weitere Geschichten (PDF, 10 MB)

1914–1945 Fels in der Brandung

Zwei Mitarbeiter in der Filiale Rüti, um 1915.

Trotz kriegs- und krisenbedingten Rückschlägen zwischen 1914 und 1945 blieb die Zürcher Kantonalbank eine zuverlässige Stütze der kantonalen Volkswirtschaft. Aufgrund ihres gesetzlichen Auftrags vermied sie spekulative Geschäfte. Anders als die global tätigen Grossbanken überstand sie dank ihrer Binnenmarktorientierung die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre relativ unbeschadet. Die Krisenresistenz erhöhte ihr Ansehen und diente als Beweis für die Notwendigkeit einer staatlichen Bank. Obwohl sie ihre Geschäftstätigkeit auch in andere Gebiete wie den Kapitalmarkt ausweitete, blieb sie im Kern die wichtigste Hypothekarbank für den Kanton. Besonders stark engagierte sie sich als Kreditgeberin für Wohnbaugenossenschaften, die in den 1920er Jahren populär geworden waren.

Erfahren Sie mehr über diese Epoche: «Sinkender Milchpreis, sinkender Hypothekarzins?» «Sparen in Blau», «Ab geht die Rohrpost!» und weitere Geschichten (PDF, 7 MB)

1945–1990 Beeindruckendes Wachstum

Elektronische Hilfsmittel für die «Datenfernverarbeitung» halten Einzug in die Bank.

Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte der kraftvollste und längste Wirtschaftsaufschwung der westeuropäischen Geschichte ein. Für den Zürcher Finanzplatz begann das Goldene Zeitalter und auch die Zürcher Kantonalbank entwickelte sich entsprechend. Während sie 1945 noch 689 Personen beschäftigte, waren es 1990 mehr als 4‘000. Die Bilanzsumme stieg von 1,6 auf 44,4 Milliarden Franken, was auch Folge der erweiterten Produkt- und Dienstleistungspalette war. Aus einem überschaubaren Kreditinstitut war eine grosse Bank geworden. Gegen Ende der Periode kam es allerdings zu einer Überhitzung im Immobiliensektor, was später hohe Folgekosten verursachte.

Erfahren Sie mehr über diese Epoche: «Konkurrenzkampf in den Dörfern», «Eheglück dank vorfinanzierten Möbeln», «Mittagsschläfchen ade» und weitere Geschichten (PDF, 10 MB)

1990–2020 Stabilität durch Diversifikation

CEO Martin Scholl (l.) und Bankpräsident Jörg Müller-Ganz (r.) mit Mitarbeitenden in der 2015 aufgefrischten Kundenhalle im Hauptsitz. Bild: Reto Schlatter

Als Folge der Immobilienkrise der 1990er Jahre leitete die Bank die erste grössere Reorganisation in ihrer Geschichte ein, womit auch eine strategische Neuausrichtung verbunden war. Die Bank wollte ihre Abhängigkeit von der Immobilienfinanzierung verringern, weshalb sie kontinuierlich das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie das Handelsgeschäft stärkte – etwa 2014 mit der Übernahme der Fondsgesellschaft Swisscanto. Das Umfeld blieb in dieser Periode volatil: Kurz nach der Jahrtausendwende platzte die Dotcom-Blase und im Sommer 2007 brach die globale Finanzkrise aus. Weitere Erschütterungen für den Bankenplatz Schweiz brachte der US-Steuerstreit. Die Diversifikationsstrategie erwies sich während dieser Krisen als Stabilitätsfaktor und Stütze sowohl für die Bank wie auch den Kanton und die Gemeinden.

Erfahren Sie mehr über diese Epoche: «Die anspruchsvolle Finanzierung von Start-ups», «Anlagen so nachhaltig wie Kühlschränke», «Eine Bank sieht rosa» und weitere Geschichten (PDF, 9 MB)

150-Jahr-Jubiläum

Im Jahr 2020 feierte die Zürcher Kantonalbank ihr Jubiläum. Seit über 150 Jahren ist sie Teil des Lebens- und Wirtschaftsraums Zürich. Im Lauf ihrer Unternehmensgeschichte hat sie auf der Basis ihres öffentlichen Leistungsauftrags mit Engagement viel zu einem prosperierenden Kanton beigetragen. Seit jeher versteht sie sich als verbindendes Element zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Stadt und Land, Tradition und Moderne. Diese tiefe Verbundenheit treibt die Zürcher Kantonalbank seit jeher an: Brücken schlagen, Impulse setzen und Begegnungen schaffen.