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Biotech-Sektor sendet Lebenszeichen

Im medialen Aufmerksamkeits­schatten der künstlichen Intelligenz (KI) hat der Biotech-Sektor letztes Jahr fast unbemerkt eine Wieder­belebung erfahren. Was die Gründe dafür sind und was dies für Anlegerinnen und Anleger bedeutet, erfahren Sie im Beitrag von Anlage­spezialist Jens Schweizer.

Text: Jens Schweizer

DNA molecular structure with sequencing data of human genome analysis.
Die Erfolgserwartungen an die Biotech-Unternehmen sind gross (Quelle: Getty Images)

Biotech-Unternehmen haben seit den trumpizierten Tiefen des Aktien­marktes im April 2025 eine beachtliche Kursent­wicklung während dem Rest des Jahres hingelegt – nach Jahren im faktischen Koma. Woher kommen diese erfreulichen Lebens­zeichen?

Die Biotech­nologie ist ein interdiszi­plinär angewandtes Forschungs­feld, das biologische Systeme nutzt, um vornehmlich Lösungen im Bereich der Medizin zu entwickeln. Dabei wird Wissen aus Biologie, Chemie und Ingenieur­wissenschaften kombiniert. Weil lebende Organismen involviert sind, ist die Entwicklung stark reguliert, langwierig und kostspielig. Es kann oft Jahrzehnte dauern, bis Anwendungen kommerzialisiert werden. Kosten fallen jedoch ab dem ersten Tag an und steigen mit den Entwicklungs­phasen. Zudem ist der Ausgang der Entwicklungen mit erhöhter Unsicherheit behaftet, da nach neuartigen Lösungen geforscht wird. Dafür sind die potenziellen Margen bei einem Erfolg aber auch beträchtlich.

Strukturelles Umfeld unterstützt

Das Potenzial von Biotech-­Unternehmen wurde zuletzt während der Corona­pandemie sichtbar. Unternehmen erarbeiteten rasch neue Lösungen und wurden dafür am Aktien­markt gefeiert. Seither haben sich Investoren aber zurückhaltend gezeigt. Derzeit kommen jedoch positive Einfluss­faktoren zusammen, die Anlegerinnen und Anleger aus ihrem komatösen Zustand defibrillieren. In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit helfen der kapital­intensiven Branche die Aussichten auf niedrigere Zinsen. Die fort­schreitenden Gespräche mit der Regierung von Präsident Trump und die Erwartungen einer Deregulierung reduzieren die Unsicherheit im Gesundheits­sektor und sorgen damit ebenfalls für Unterstützung. Wissen­schaftliche Fortschritte beispielsweise bei der Gen-Editierung – nicht zuletzt mithilfe von KI – führen zu einer Häufung positiver klinischer Studien und Zulassungen neuer Produkte. Spekulationen über eine bevorstehende Übernahme­welle im Biotech-Sektor tun ihr Übriges, denn in den nächsten Jahren kommt es gemäss Markt­beobachtern bei grossen Pharma­unternehmen zu einem konzentrierten Auslaufen wichtiger Patent­rechte, was durch Übernahmen von Biotech-­Unternehmen ausgeglichen werden könnte.

Im Branchenindex NASDAQ Biotechnology Index hatten Ende 2025 über ein Viertel der Unternehmen noch keinen Umsatz. Dies ist deutlich mehr als im breiten Gesundheits­sektor.

Jens Schweizer, Anlagespezialist

Einzigartige Struktur und Risiken im Auge behalten

Ist diese Entwicklung gekommen, um zu bleiben? Der Biotech-Sektor spielt für die Gesundheits­versorgung eine wichtige Rolle. Viele neue Medikamente und Behandlungs­methoden werden von diesen hoch­spezialisierten Unternehmen entwickelt. Der Geschäfts­erfolg ist aber auch in der aktuellen Situation meist auf ein paar wenige Lösungen ausgerichtet und relativ unsicher, wenn auch durch die aktuellen Entwicklungen wahrscheinlicher geworden. Gerade Fortschritte bei zentralen wissen­schaftlichen Forschungen und mögliche Deregu­lierungen lassen zudem auf mehr hoffen.

Weil Umsätze versetzt anfallen, stellt dies Standard-Bewertungs­modelle vor Heraus­forderungen. Grössere Unternehmen, die bereits Zahlen zu ihrer Geschäfts­tätigkeit liefern, sind auch wegen des diesjährigen Kursanstiegs nicht gerade günstig bewertet. Positiv anzumerken ist, dass mit den Aktien­kursen auch die Erwartungen hinsichtlich der Gewinn­entwicklung steigen.

Diversifizierte Heran­gehensweise angeraten

Falls Sie ausgewogene Geschäfts­modelle, stabile Bilanzen und hohe Dividenden suchen, werden Sie im Biotech-­Sektor aber auch weiterhin nur selten fündig. Die Volatilität der Aktien­kurse ist dort rund 40 Prozent höher als im breiten Gesundheits­sektor. Investitionen in Biotech sind risiko­behaftet, da sie einer langfristigen Wette auf neu zu entwickelnde Produkte und Technologien gleichen. Eine Wette, die aber auch durchaus aufgehen kann, wie die aktuelle Aktienmarkt­entwicklung zeigt. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Biotech-­Sektors ist ein diversifiziertes Herangehen für interessierte Anlegerinnen und Anleger jedenfalls angeraten.
 

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