CIO Kolumne: Echt künstlich
Anja Hochberg, Chief Investment Officer (CIO) der Zürcher Kantonalbank, schreibt in ihrer Kolumne rund ums Thema Geld und Anlegen.
Text: Anja Hochberg / Illustration: Florian Bayer | aus dem Magazin «ZH» 2/2026
Bilder, die mit künstlicher Intelligenz (KI) generiert werden, bringen einen potenziellen Widerspruch auf den Punkt. Kann etwas echt sein, was nicht vom Menschen oder von der Natur geschaffen wurde? In einem naturwissenschaftlichen Sinne kann es das durchaus, denn die Ergebnisse existieren. Ob diese richtig sind oder die KI bloss halluziniert, ist dabei vielleicht zweitrangig. Auch Menschen irren.
Auch philosophisch betrachtet gibt es einen Unterschied zwischen echt und wahr. Wahr ist, was der korrekten Abbildung der Realität entspricht. Echt ist hingegen eher mit Authentizität verbunden. Wer echt und sich selbst ist, handelt im Einklang mit seinen Wertvorstellungen. So kann auch das Ergebnis einer KI echt sein, wenn sie im Einklang mit unseren Werten sowie moralischen und ethischen Normen steht.
Fakt ist: KI dringt immer tiefer in unsere Wirtschaft und Gesellschaft ein. Dabei liefert sie in vielen Disziplinen Effizienz, gibt rasche Antworten, analysiert Datenmengen und vieles mehr. Klar müssen wir prüfen, ob die Ergebnisse inhaltlich korrekt, also wahr sind. Viel mehr sind wir jedoch aufgefordert, die Konsequenzen von KI ganzheitlich zu hinterfragen, so wie wir es auch in der Vergangenheit bei der Entwicklung und Einführung neuer Technologien getan haben. Denn auch wahr ist: Kein Licht ohne Schatten. Echter Fortschritt, der die Menschheit als Ganzes voranbringt, geht deshalb über faktische Wahrheit hinaus. Er verlangt Verantwortung, Werte und Reflexion. Bleiben Sie echt und kritisch.