«Unsere Verantwortung ist gestiegen»
Martin Bardenhewer, Leiter Finanz (CFO) und Mitglied der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank, über Stabilität und Verantwortung der Bank in unruhigen Zeiten, optimalen Kundennutzen und eine massvolle Regulierung der Finanzbranche.
Interview: Patrick Steinemann / Bilder: Christian Grund | aus dem Magazin «ZH» 2/2026
Was Sie in diesem Interview erfahren
- Die Zürcher Kantonalbank ist seit fast 15 Jahren systemrelevant und gewährleistet durch hohe Liquiditätspuffer grösstmögliche Sicherheit.
- Das diversifizierte Geschäftsmodell der ZKB basiert auf den drei Pfeilern Zinsgeschäft, Anlagegeschäft und Handel.
- Die ZKB unterstützt eine Bankenregulierung mit Augenmass, welche den Schweizer Finanzplatz stärkt.
- Der Kern des Geschäftsmodells der ZKB ist und bleibt im Kanton Zürich, sie ist punktuell aber auch schweizweit und im Ausland tätig.
Weshalb die ZKB auch in turbulenten Zeiten sicher ist
Wir erleben weltweite wirtschaftliche Turbulenzen, davon betroffen ist auch der Schweizer Finanzplatz. Herr Bardenhewer, wie verhält sich da die Zürcher Kantonalbank?
Die gegenwärtigen Turbulenzen sind in der Tat gewaltig. Das spüren wir etwa über die hohen Energiepreise und die daraus resultierenden Belastungen für den Exportmarkt, doch auch über die Herausforderungen im Anlage- und Zinsgeschäft. Unsere Aufgabe ist es, unseren Kundinnen und Kunden in dieser Situation klare Leitplanken, Ruhe und Sicherheit zu geben. Sie sollen wissen, wohin die Reise geht und dass wir nicht erratisch agieren, wie das mancherorts auf der Welt der Fall ist. In Zeiten unruhiger Märkte und sich ändernder Bedürfnisse waren und sind die Kantonalbanken ein stabilisierender Faktor. Bei der ZKB zeigt sich diese Stabilität etwa beim Kapital und bei der Liquidität, aber auch durch unser breit abgestütztes Geschäftsmodell.
Die ZKB ist als zweitgrösste Universalbank der Schweiz systemrelevant. Das bedeutet auch eine hohe Verantwortung gegenüber Gesellschaft, Wirtschaft und Staat.
Die ZKB ist bereits seit fast 15 Jahren systemrelevant. Und durch den Wegfall der zweiten Grossbank ist die Verantwortung, die wir im Finanzmarkt haben, nochmals gestiegen. Wir begegnen dem, indem wir grösstmögliche Sicherheit gewährleisten. Das zeigt sich etwa darin, dass wir fast ein Viertel unseres Bilanzwerts als hoch liquide Mittel bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) deponiert haben. Allein die Existenz solcher Liquiditätspuffer würde helfen, auch Phasen von grösstmöglichem Stress gut zu überstehen. Diese Stabilität ist ganz im Sinne unseres Eigentümers, des Kantons Zürich. Und sie wird auch von externer Seite bestätigt, etwa durch unser AAA-Rating der führenden Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody's. Durch unsere hohe Kapitalisierung sowie unser sorgfältiges Bilanz- und Risikomanagement sorgen wir dafür, dass wir dieses Top-Rating auch in Zukunft behalten können. Diese Sicherheit gehört für uns zur Grundverantwortung, die wir auf dem Finanzplatz haben, und von der letztlich alle Stakeholder profitieren.
Zur Person
Dr. Martin Bardenhewer ist seit 2023 Leiter der Geschäftseinheit Finanz und Mitglied der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank. Er kam 2001 als Verantwortlicher für die Modelle in der Steuerung der bilanziellen Risiken zur Zürcher Kantonalbank. 2007 wurde er zum Leiter Treasury und stellvertretenden CFO befördert. 2017 wechselte er in die Geschäftseinheit Institutionals & Multinationals, die er auch stellvertretend leitete. Martin Bardenhewer hat an der Universität Bonn Volkswirtschaft studiert und an der Universität Mannheim in Wirtschaftswissenschaften promoviert.
Was das diversifizierte Geschäftsmodell bringt
Die ZKB setzt stark auf ein diversifiziertes Geschäftsmodell. Was heisst das konkret?
Unser Geschäft steht auf drei Pfeilern: dem Zinsgeschäft, dem Kommissionsgeschäft – der grösste Teil davon ist das Anlagegeschäft – und dem Handel. Das Zinsgeschäft, vereinfacht gesagt die Vergabe von Krediten wie Hypotheken und die Annahme von Kundeneinlagen, macht bei uns noch etwa die Hälfte unseres Geschäftsertrags aus. In diesem Bereich sind die Erträge wegen des Nullzinsniveaus der SNB aktuell unter Druck. Das Anlagegeschäft – der zweite Pfeiler – entwickelt sich hingegen immer besser und festigt unseren Ertrag. Unser dritter Pfeiler ist der Handel: Im Zentrum stehen hier die Wertschriftentransaktionen unserer Kundinnen und Kunden, seien es Privatkunden, kleine und grosse Unternehmen oder Pensionskassen. Auch dieser Bereich ist für uns ein stabilisierender Faktor, denn wenn Märkte sehr unruhig sind, wird typischerweise mehr gehandelt, was sich auf unsere Erträge auswirkt. Insgesamt gleichen sich diese drei Bereiche aus und tragen zu unserem sehr erfreulichen Geschäftsergebnis und der positiven Ergebnisentwicklung der letzten Jahre bei.
Wie profitieren die Kundinnen und Kunden von der breiten Abstützung des Geschäfts?
Als Universalbank können wir aus einer Hand alle Finanzierungs- und Anlagebedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden abdecken: Sei es ein Gehaltskonto, eine Hypothek, eine Anlagelösung für Erspartes oder eine erhaltene Erbschaft oder der Wertschriftenhandel – bei uns erhalten sie das Angebot physisch wie digital. Und durch die Stabilität unseres Geschäftsmodells profitieren unsere Kundinnen und Kunden zudem von unseren hohen Investitionen. So haben wir 2025 rund 200 Millionen Franken in die Weiterentwicklung unserer IT investiert. Damit bieten wir laufend Neuerungen und Verbesserungen in unserem Angebot, halten unsere technischen Prozesse und unsere Infrastruktur zukunftsfähig und bauen den Schutz gegen Cyberangriffe stark aus. Und schliesslich profitieren alle Kundinnen und Kunden von den Mitteln, die wir zur Erfüllung unseres Leistungsauftrags im Kanton Zürich einsetzen, etwa durch unsere vielfältigen Sponsoringsengagements und Vergünstigungen.
Unsere Bank ist für unterschiedliche Szenarien gewappnet und erfüllt in jeder Lage ihre Aufgaben.
Martin Bardenhewer, CFO Zürcher Kantonalbank
Wie sich die ZKB zur Bankenregulierung positioniert
Die Politik befasst sich seit einiger Zeit mit der Bankenregulierung. Wie ist die Position der ZKB dazu?
Die Diskussionen zur Bankenregulierung sind durch den Fall «Credit Suisse» getrieben. Die Politik reagiert darauf, indem sie etwa fehlbare Manager stärker in die Verantwortung nehmen will oder indem neue Elemente zur besseren Krisenbewältigung geschaffen werden sollen, zum Beispiel mit dem sogenannten Public Liquidity Backstop, also einer gesetzlich verankerten Liquiditätslinie der SNB. Das sind sinnvolle Elemente, und wir unterstützen eine Regulierung mit Augenmass, welche die Stabilität und das Vertrauen in den Schweizer Finanzplatz erhöht. Wenn aber generell für alle Banken die Regulierung hochgefahren werden soll, ist das aus unserer Sicht weder zielführend noch zweckmässig. Denn die meisten Schweizer Banken – darunter auch die ZKB – waren in den letzten Krisen stabilisierende Faktoren.
Auch über Vergütungssysteme wird immer wieder heftig diskutiert.
Vergütungssysteme sind ganz entscheidend für Anreize, Verhalten und Kultur in einem Unternehmen. Bei der ZKB haben wir immer ein Vergütungssystem gehabt, das nicht die einzelne finanzielle Leistung belohnt, sondern eines, das auf dem Gesamtergebnis der Bank fusst. Daran orientiert sich auch die Partizipation von Kanton und Gemeinden. Obwohl wir bei der variablen Vergütung bereits früher alle regulatorischen Anforderungen erfüllt haben, haben wir unser System nochmals angepasst. So können wir sicherstellen, dass sich die individuellen Anreize aus dem Interesse der gesamten Bank ableiten.
Weshalb der Kern des Geschäftsmodells in Zürich bleibt
Die Wirtschaft ist vom steten Wachstum getrieben. Die ZKB auch?
Wir steuern unsere Risikoexposition in der Bilanz in Abhängigkeit vom Bruttoinlandprodukt des Kantons Zürich. Und diese Quote ist seit längerer Zeit stabil bei etwa 50 Prozent. So stellen wir sicher, dass die ZKB nicht zu gross wird. Der Kern unseres Geschäftsmodells war und ist im Kanton Zürich – das wird auch zukünftig so sein. An dieser Strategie hat sich nichts geändert. Vor allem bei sehr grossen Kunden sind wir jedoch gezielt auch schweizweit unterwegs. Zudem haben wir keine Ambitionen, dass unser Auslandsgeschäft stark wächst. Der grösste Teil unserer Aktivitäten jenseits der Grenze bezieht sich auf Bedürfnisse von Schweizer Kundinnen und Kunden im Ausland. Darüber hinaus fokussieren wir uns auf ein ausgewähltes Produktangebot etwa im Bereich Private Banking in Deutschland oder beim Verkauf von Swisscanto Fonds über Banken in Deutschland, Italien und Spanien. Insgesamt ist dies ein bilanzarmes Geschäft und das Risiko für den Kanton ist hier gering.
Wie blicken Sie in die Zukunft – mit heiterer Mine oder eher mit Sorgenfalten?
Konkrete Prognosen sind immer sehr schwierig – man kann dabei gewaltig falsch liegen. Die Aufgabe unserer Bank ist es vor allem, für unterschiedliche Szenarien gewappnet zu sein. Nur so können wir in jeder Lage unsere Aufgabe erfüllen und unseren Kundinnen und Kunden eine verlässliche, stabile Partnerin sein.