Hier und jetzt
Ob Start-up, soziales Engagement oder Eigenheim: Menschen aus dem Kanton Zürich erzählen, wie aus einer Idee Wirklichkeit wird – mit Innovationsgeist, der Überzeugung, etwas bewegen zu können, und einem Quäntchen Glück.
Text: Rahel Perrot / Bilder: Salvatore Vinci | aus dem Magazin «ZH» 2/2026
Mit der Natur arbeiten
«Wir wollen zeigen, dass es niemand besser kann als die Natur selbst.» Robin Bertschinger gründete 2018 zusammen mit zwei Studienfreunden Umami. Das Start-up produziert Kräuter- und Gemüsekeimlinge – sogenannte Microgreens – für Gastronomie und Detailhandel. Umami setzt dabei auf Aquaponik, eine Kombination aus Fischzucht und Indoor-Pflanzenanbau mit einem geschlossenen Wasserkreislauf. «Blumen, Fische, Schnecken, Algen oder Pilze – sie alle sind Teil eines komplexen Nährstoffkreislaufsystems und machen den Einsatz von künstlichen Düngern, Pestiziden oder Antibiotika überflüssig», sagt Bertschinger. Seit Kurzem baut Umami auch Kräuter wie Koriander und Basilikum an. Langfristig möchte das Unternehmen zudem Tomaten oder Erdbeeren ganzjährig anbieten können, beides Produkte mit einem hohen Wasserverbrauch. «Mit unserer Methode lässt sich der Ressourcenverbrauch beim Anbau dieser Früchte deutlich reduzieren», so Bertschinger. Der Moment, als ihre Produkte erstmals bei Migros und Coop erhältlich waren, bleibt für den Co-CEO unvergessen: «Das war Freude und Erleichterung zugleich – und die Bestätigung, dass unsere Idee eine Chance hat.»
Angehörige stärken
Werden Angehörige mit der psychischen Erkrankung eines ihnen nahestehenden Menschen konfrontiert, kann ihnen das den Boden unter den Füssen wegziehen. Laura Regli weiss dies aus eigener Erfahrung: Mit 15 Jahren erhielt ihr Sohn die Diagnose Schizophrenie. «Als Mutter fühlte ich mich damals alleingelassen», erinnert sie sich. So entstand ihr Engagement für die Angehörigenbewegung Stand by You Schweiz. Regli: «Wenn Angehörige mit Angehörigen sprechen, entsteht eine starke Verbundenheit. Wir unterstützen uns gegenseitig und entwickeln Perspektiven.» Mittlerweile ist Regli Co-Präsidentin der Dachorganisation. Mit einem von der ZKB Philanthropie Stiftung mitfinanzierten Projekt richtet sich Stand by You seit 2025 gezielt auch an Kinder und Jugendliche. Viele würden in ihrer Rolle als Angehörige einer psychisch beeinträchtigten Person – Mutter, Vater, Bruder oder Schwester – kaum wahrgenommen, obwohl sie häufig viel Verantwortung übernehmen. «Es ist wichtig, sie adäquat zu unterstützen, damit sie selbst psychisch gesund bleiben», sagt Regli. Sie wünscht sich einen Perspektivenwechsel: «Psychische Erkrankungen betreffen nie nur eine Person. Es braucht eine ganzheitliche Sicht auf Familie und Umfeld.»
Zu Hause ankommen
Für Katja Vogel und Olivier Strauss hat sich ein Herzenswunsch erfüllt. Seit Herbst 2024 wohnen sie im eigenen Haus in Uetikon am See. Mit der Geburt des Sohns entstand der Wunsch, sich in der Gegend niederzulassen, in der Olivier aufwuchs und in der heute beide an Gymnasien unterrichten. «Wir waren auf eine lange Suche eingestellt. Doch das Glück war auf unserer Seite», sagt Katja Vogel. Die ruhige Lage im Dorf und der besondere Charakter des über 150-jährigen Hauses begeisterten die junge Familie sofort. Es gab jedoch viel zu tun: Küche, Bäder, Böden, Leitungen und Elektrik mussten saniert werden. Der gemütliche Charme des Altbaus mit seinen Deckenbalken, den breiten Fenstersimsen und der Kassettentäfelung blieb bei den Arbeiten jedoch erhalten. Noch immer fühlt es sich für die Familie manchmal surreal an, wenn sie vom Wohnzimmerfenster hinaus in den kleinen Garten mit den Weinreben blickt. «Es ist ein unglaubliches Privileg», sagt Olivier Strauss. «Wir haben nun ein Zuhause, das mit uns mitwachsen kann – wir sind angekommen.»