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Kunstpause: Michael Hirschbichler

Bei Michael Hirschbichler ist der Río Tinto Mitgestalter seiner Bilder.

Text: Markus Wanderl | aus dem Magazin «ZH» 2/2026

Michael Hirschbichler, Red River, 2023, Erythropie, C-Print, 60 × 80 × 1 cm

Ein Fluss muss nicht gezeigt werden, um anwesend zu sein. Er kann sich absetzen, verfärben, Spuren in eine Oberfläche treiben. In Michael Hirschbichlers «Red River» ist der RÍo Tinto Mitwirkender, nicht Motiv.

An jenem andalusischen Gewässer verweben sich Erd- und Menschengeschichte wie nur selten sonst. Seit rund 5’000 Jahren werden an seinen Ufern Metalle abgebaut: Kupfer, Silber, Eisen; und da ist viel Abraum. Aus all dem ist eine Landschaft entstanden, deren Wasser kupferfarben fliesst und ohne tierisches und pflanzliches Leben ist. Doch Hirschbichler interessiert daran nicht das Spektakel der Versehrung, sondern was ein solcher Ort gesamthaft über die Zeiten erzählt.

Für «Red River» hat er wochenlang Leinwände an verschiedenen Stellen ins Flusswasser gelegt und sie dort belassen. Er hat Farbnegative mit Aufnahmen des Flusses im Dunkeln dem Wasser ausgesetzt. Und er hat Pigmente aus den Abfällen der Minen gegraben, um damit Siebdrucke herzustellen. So wechseln die Rollen. Der Künstler kontrolliert nicht alles, er arrangiert eine Begegnung. Der Fluss sedimentiert, verätzt, verfärbt; er antwortet mit seinen Mitteln.

Darin zeigt sich viel von Hirschbichlers künstlerischer Haltung. Er arbeitet nicht mit Orten, um sie zu illustrieren, er will ihre Kräfte und Erzählungen freilegen. Seine Kunst verbindet philosophisches Denken mit einer forschenden Aufmerksamkeit für Mythen, Stoffe und Räume. Orte sind für ihn niemals neutral. Sie tragen Vorstellungen in sich, alte Ordnungen, ökonomische Wünsche, technische Eingriffe, mitunter Zukunftsbilder.

«Red River» scheint zunächst wie eine stille Begebenheit. Doch nach und nach zeigt sich, dass hier gar nicht leise über Natur gesprochen wird, sondern geräuschvoll mit einem Ort, der so viel weniger unberührt ist als andere. Vielleicht beginnt das Bild dort, wo der Fluss aufhört, bloss Wasser zu sein. 

Michael Hirschbichler, Red River, 2023, Siebdruck auf Leinwand, mit aus bei Minas de Riotinto gegrabenen Pigmenten, 50 × 50 × 2 cm
Michael Hirschbichler, Red River, 2023, kupferhaltiges Río-Tinto-Flusswasser, auf Leinwand sedimentiert, 120 × 80,5 × 4,5 cm

Der Künstler

Michael Hirschbichler, geb. 1983, ist Künstler. Seit 2024 hat er eine Professur für «Experimentelles Gestalten» an der HafenCity-Universität in Hamburg inne. Seine Arbeiten verbinden Kunst, Architektur und Ethnologie, um eine gross angelegte räumliche Kosmologie der Gegenwart zu schaffen.

atelier-hirschbichler.com
csc.hcu-hamburg.de 

Serie «Kunstpause»

Die Zürcher Kantonalbank sammelt Zürcher  Gegenwartskunst. Damit fördert sie die Kreativwirtschaft im Sinne des Leistungsauftrags. Ob Malerei, Zeichnung, Videokunst, Skulptur oder Kunst am Bau: Die Werke sind im ganzen Kanton in den Räumlichkeiten der Bank ausgestellt.

In der Serie «Kunstpause» geben wir Einblick in die Sammlung und porträtieren jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler und stellen ein Werk vor.

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