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Kunstpause: Ursula Palla

Ursula Palla über die Libelle als gutes Zeichen von früher bis heute.

Text: Markus Wanderl | aus dem Magazin «ZH» 1/2026

Ursula Palla, Remains of the Sublime – Dragonflies, 2024, Hinterglasmalerei auf Kristallglas, 4-teilig, Gesamtinstallation: ca. 79 × 110 × 3 cm

Auf den ersten Blick: Libellenflügel, vergrössert, wie Fundstücke aus Zeiten anderer Massstäblichkeit. Auf den zweiten: ein Hinweis. Etwas, das nicht vor allem von sich selbst spricht, sondern davon, was es braucht, damit es gut existieren kann.

Ursula Palla hat die Libelle wegen deren Abhängigkeit gewählt. Wo diese auftaucht, ist das Umfeld intakt: Wasser, Ufer, Pflanzen, Mikroklima. Die Larven überleben in sauberen Pfützen. «Remains of the Sublime – Dragonflies» zeigt diese Beziehung zur Umgebung als fragile Architektur, die nur funktioniert, wenn das Ganze stimmt. Das Riesenhafte nimmt dem Motiv jede Niedlichkeit, doch ist es ebenso in Form gebrachte Zerbrechlichkeit. Die Flügel wirken wie Messinstrumente, doch ohne Zahlen: Sie lassen uns spüren, dass Leben nie nur an einem Ort stattfindet. Die Leere zwischen den Adern? Luft und Licht – und dort der Schatten. Das Objekt endet nicht am Glas, sondern setzt sich an der Wand fort, als ob die verflogenen Hunderte Millionen Jahre Raum erhielten.

Kristallglas hat etwas Unbestechliches: Es ist hart, es zeigt jede Veränderung im Raum. Die Bemalung auf der Rückseite ist wie innerlich, prahlt nicht an der Oberfläche. Wiederum der Schatten, den das Glas an der Wand wirft, erinnert daran, wie stark das Sichtbare von Bedingungen beeinflusst ist: Position, Wetter, Tageszeit.

«Dragonflies» richtet den Blick insofern seitwärts – dorthin, wo die wahren Zusammenhänge beginnen. Etwa Zürich: Zwischen See und Sihl, an Uferwegen, in sich selbst überlassenen Gärten als Inseln lässt sich die Schöpfung gut beobachten. Es fallen einem die bewegungslosen Wasserflächen ein, die im Vorübergehen kaum wahrgenommen werden – bis plötzlich etwas darüber schwebt. Es ist dies womöglich der allerleiseste Gedankenflug dieser stillen Arbeit von Ursula Palla, darauf aufmerksam zu machen.  

Die Künstlerin

Ursula Palla (64) studierte Zeichnung und Malerei an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich. Ihre Beschäftigung mit elektronischen Medien führte sie zur Arbeit mit Video, Installation, Skulptur. Ihre Werke kreisen kritisch-konzeptionell um die vereinnahmte Natur.

Serie «Kunstpause»

Die Zürcher Kantonalbank sammelt Zürcher  Gegenwartskunst. Damit fördert sie die Kreativwirtschaft im Sinne des Leistungsauftrags. Ob Malerei, Zeichnung, Videokunst, Skulptur oder Kunst am Bau: Die Werke sind im ganzen Kanton in den Räumlichkeiten der Bank ausgestellt.

In der Serie «Kunstpause» geben wir Einblick in die Sammlung und porträtieren jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler und stellen ein Werk vor.

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