Swisscanto setzt auf Energieeffizienz und CO2-Reduktion

Swisscanto setzt auf Energieeffizienz und CO2-Reduktion

Wie bewirtschaften Immobilieninvestoren ihre Portfolios in Bezug auf Nachhaltigkeit? Stephan Lüthi, Leiter Real Estate bei Swisscanto Invest der Zürcher Kantonalbank, zeigt im Interview auf, welche Massnahmen bei den direkten Immobilienanlagen ergriffen werden, um dem SIA 2040-Leitfaden zu folgen.

Interview: Othmar Köchle, Fotos: Meinrad Schade

Stephan Lüthi, Berechnungen der Zürcher Kantonalbank zeigen, dass die Klimaziele 2050 im Bereich Gebäude bei der aktuellen Verbesserungsquote in der Schweiz kaum erreicht werden. Als Leiter Real Estate von Swisscanto Invest verwalten Sie mit Ihrem Team ein grosses Immobilienportfolio in verschiedenen Produkten. Welche Rolle spielen dabei Klimaziele?

Stephan Lüthi: Dazu gibt es zwei Aspekte. Einerseits haben wir als Swisscanto Invest den Anspruch, mit unseren Investments aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Andererseits wollen wir unsere Anleger schützen, indem wir die uns anvertrauten Vermögen hinsichtlich neu auftretender Risiken und Chancen optimal bewirtschaften. Die beiden Interessen lassen sich mit gezielten langfristig angelegten Massnahmen vereinen. Unsere Klimastrategie setzt dabei konsequent auf Dialog und Kapitalallokation.

Was heisst das konkret?

Swisscanto Invest hat sich als Pionierin der Finanzbranche verpflichtet, ihre aktiv gemanagte Investitionstätigkeit konsequent auf das CO2-Reduktionsziel im Rahmen des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Dazu gehören auch die direkt investierenden Immobilienprodukte. Mit den Studien zur 2000-Watt-Gesellschaft und den Empfehlungen von SIA 2040 hat die Branche konzeptionelle Vorarbeit geleistet, die wir als Guideline übernehmen.

Das heisst: Wir setzen, wo immer möglich, auf erneuerbare Energiequellen und verzichten auf fossile Heizsysteme sowohl bei Neubauten als auch beim Ersatz von bestehenden Heizungen. Bereits seit 2016 verfolgen wir ein produktübergreifendes CO2-Reduktionsziel von jährlich 2 %, das wir über eine Vielzahl von kleinen optimierenden Massnahmen erreichen. Beim Allgemeinstrom im Betrieb der Liegenschaften setzen wir grundsätzlich Ökostrom ein, und wir analysieren derzeit das Potenzial für die Eigenproduktion von Solarstrom in den einzelnen Portfolios. Ebenfalls erwarten wir von unseren Geschäftspartnern, dass ihre Produkte und Dienstleistungen die Anforderungen einer nachhaltigen Beschaffung erfüllen.

Wie kann die Nachhaltigkeit im Gebäudebestand eines Portfolios systematisch erfasst werden?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Nur wer analysiert und misst, kann sinnvolle Massnahmen ergreifen und monitoren. Wir haben in den letzten Jahren ein portfolioübergreifendes Energie- und CO2-Monitoring integriert (siehe Grafik), das uns erlaubt, liegenschafts- und portfoliobezogene Auswertungen zu generieren und daraus weitere Nachhaltigkeitsmassnahmen abzuleiten.

Seit 2018 führen wir zudem in der Anlagestiftung eine systematische Nachhaltigkeitsbeurteilung in der Akquisitions- und Bestandsbewertung anhand von 13 ESG-Themen in Anlehnung an den Standard nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS 2.0 Hochbau) durch, die zukünftig das gesamte Liegenschaftsportfolio von Swisscanto Invest erfassen wird. Für die gezielte Umsetzung bei Akquisition, Bestandsbewertungen und Bauprojekten wurden zu allen Themen messbare Kriterien entwickelt und mit einem quantitativen Beurteilungsmassstab versehen. Damit können Quervergleiche mit ähnlich gelagerten Liegenschaften innerhalb der Immobilienanlagen angestellt werden.

 

Was geschieht mit den Bestandesobjekten, die punkto Energieeffizienz häufig schlecht abschneiden und mit fossiler Energie beheizt werden? Wird die energetische Sanierung des Bestands im Portfolio systematisch vorangetrieben?

Im Grunde müssen wir im Bestand jedes Objekt einzeln analysieren. Jede Immobilie hat ihren eigenen Lebenszyklus und objektspezifische Eigenheiten, die berücksichtigt werden müssen. Wichtig ist, dass die Nachhaltigkeitsziele in der Planungsphase bei Projektentwicklungen und Gesamtsanierungen einfliessen. Fragen wie: Welcher Energieträger ist optimal, gibt es Potenzial für Solarstrom, wie sieht der Sanierungszyklus aus und viele andere mehr spielen dabei eine Rolle.

Sie bewerten Akquisitionsobjekte bereits auch nach ESG-Kriterien? Wie werden diese gewichtet? Gibt es so etwas wie eine Nachhaltigkeits-Policy beim Erwerb von Immobilien?

Objekte, die die ESG-Kriterien vollumfänglich erfüllen, sind kaum auf dem Markt erhältlich. Nicht veränderbare Eigenschaften wie die Lage haben auf unsere Akquisitionsentscheide den grössten Einfluss. Daneben analysieren wir das ökologische und ökonomische Potenzial eines Objekts, sollte es die ESG-Kriterien nicht erfüllen. Allfällige Investitionen werden dabei im Kaufpreis miteinkalkuliert. Das heisst, es kann sowohl aus ökologischer und ökonomischer Sicht sinnvoll sein, auch eine ältere Liegenschaft mit schlechter Nachhaltigkeitsbilanz zu erwerben und diese zeitnah energetisch zu sanieren mit dem Ziel der CO2-Reduktion.

Worauf achten Sie bei Neubauprojekten?

Bei Bauprojekten orientiert sich Swisscanto Invest punkto Energieeffizienz am MINERGIE-Standard. Daneben gelten auch bei der Beschaffung und den verwendeten Materialien hohe Anforderungen. Diese reichen von der bevorzugten Verwendung von Recyclingbeton und Holzwerkstoffen aus nachhaltiger Produktion bis hin zum Verzicht auf Formaldehyd, Lösemittel sowie auf Montage- und Füllschäume in der Bautätigkeit. Selbstverständlich werden auch u.a. Elektrotankstellen und Photovoltaikanlagen geprüft. 

Wie sehen die konkreten Zielsetzungen bis 2050 aus?

Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Schweizer Bevölkerung bis ins Jahr 2050 zwei Drittel weniger Energie verbraucht als heute. Das entspricht dem Etappenziel 2035 resp. 2050 nach SIA 2040, an dem wir uns orientieren. Das geht nur über eine stetige Verbesserung in Bezug auf Energieeffizienz und Investitionen in die Reduktion des CO2-Ausstosses. Bereits mit konsequenten Optimierungen konnten wir den CO2-Ausstoss jährlich um 2% verringern. Durch kluge Investitionen in einen energieeffizienten Lebenszyklus können wir die Reduktion noch beschleunigen und unseren Anlegern gleichzeitig hochwertige und nachhaltig rentable Produkte anbieten.

Welche Massnahmen und Anreize vonseiten Gesetzgeber und Politik würden Sie aus Investorensicht begrüssen, um Klimaziele in diesem Sektor schneller zu erreichen?

Anreizsysteme zur CO2-effizienten Erstellung und Erneuerung von Liegenschaften greifen wesentlich effizienter als Auflagen. Investitionen in energetisch wirksame Massnahmen im Gebäudepark sollen im verstärkten Masse direkt gefördert werden, und sowohl Liegenschaften als auch Anlageprodukte sind steuerlich zu entlasten. Zudem muss der Zugang zu den Fördermitteln massiv vereinfacht werden. Oft ist die Beantragung umständlich und mit langen Wartezeiten verbunden. Natürlich stellt sich dabei die Frage der Finanzierung der Massnahmen. Hierzu steht das Instrument einer Anpassung der Lenkungsabgaben, im Sinne einer CO2-Abgabe, zur Verfügung. Werden die freiwerdenden Mittel konsequent, unkompliziert und vor allem zweckgebunden eingesetzt, erhöht sie auch die Geschwindigkeit des Sanierungszyklus der Liegenschaften, da der ökonomische Anreiz für Massnahmen wie z.B. einen Energieträgerwechsel massiv grösser wird.

Stephan Lüthi, 56, ist seit Juni 2014 verantwortlich für die Swisscanto-Immobilienanlagen. Im Rahmen der Übernahme der Swisscanto durch die Zürcher Kantonalbank wechselte er mit seinem Team ins ZKB Asset Management. Er studierte Architektur, ist Master of Science Real Estate (CUREM) und verfügt über ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft. Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren die BVK, als Leiter Akquisition und Projektentwicklung, bevor er zur Wincasa in die Geschäftsleitung wechselte, wo er den Bereich Construction and Facility Management aufbaute und leitete. Der Familienvater wohnt mit seiner Frau in Winterthur und betreibt in seiner Freizeit begeistert Bergsport, Mountainbiking und Golf.

 

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