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Dialog und Verpflichtung

Früher beschäftigte sich Jacqueline Oh mit Quantität und Zahlen. Heute setzt sie als Stewardship-Spezialistin auch auf die Qualität des Gesprächs mit Firmen, in welche die ZKB investiert. Sie stärkt damit die Glaubwürdigkeit der Bank als verantwortungsvolle Vermögensverwalterin.

Text: Patrick Steinemann / Bild: Pierluigi Macor | aus dem Magazin «ZH» 2/2026

Jacqueline Oh setzt sich im Namen der ZKB dafür ein, dass Unternehmen Vorgaben im Umwelt-, Sozial- und Governancebereich einhalten.

«Stewardship» – bitte erkläre uns, was du tust, Jacqueline.

Zusammen mit meinen Kollegen aus dem Aktien-Team Schweiz im Asset Management fokussiere ich mich auf Gespräche mit Firmen, in welche die Zürcher Kantonalbank als Vermögensverwalterin investiert. Gemäss den gehaltenen Anteilen und auf Basis dieser Gespräche übt die Fondsleitung dann ihre Stimmrechte an den Generalversammlungen aus und trägt dazu bei, dass die Unternehmen allgemein anerkannte Standards einhalten.

Ich befasse mich besonders mit Themen der guten Unternehmensführung, mit Nachhaltigkeits- und Klimarichtlinien sowie Prinzipien im Sozial- und Gesellschaftsbereich (sogenannte ESG-Kriterien). Wir sind dabei unserem gesetzlichen Leistungsauftrag im Kanton Zürich genauso verpflichtet wie nationalen und internationalen Vorgaben, zum Beispiel den UN-Nachhaltigkeitszielen.

Als verantwortungsvolle Vermögensverwalterin suchen wir regelmässig den Dialog mit dem Management der Firmen, wenn wir der Meinung sind, dass etwas verändert werden sollte. Später kontrollieren wir auf Basis von Kennzahlen und Berichten, ob ein Fortschritt erzielt wurde.

Das tönt nach einem spannenden, aber auch herausfordernden Job.

Das ist er tatsächlich. Ich kann mich zwar auf ein breites Know-how zu administrativen, politischen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stützen, das die ZKB als grosse, lokale Investorin in der Schweiz hat. Trotzdem muss ich fundierte, teilweise auch investigative Recherchen aus verschiedenen Blickwinkeln zu den einzelnen Firmen machen und mich in aktuelle Entwicklungen und möglicherweise kritische Punkte einarbeiten. Schliesslich will ich mir keine Blösse geben, wenn ich zusammen mit unseren Portfoliomanagern den Entscheidungsträgern in den investierten Firmen gegenübersitze und fundiert argumentieren muss.

Diese Gespräche auf dem Top-Level spornen mich auch an und geben mir das gute Gefühl, etwas bewirken zu können. Dabei bin ich keine Ideologin, sondern eine Pragmatikerin, die sich vom gesunden Menschenverstand leiten lässt. Das Analytische liegt mir seit meinem Studium und meiner Masterarbeit im Bereich Ökonometrie. Mehr und mehr reizt mich auch die Komplexität einzelner Themen – so gibt es ja oft Abhängigkeiten zwischen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und klimatischen Aspekten. Diesen Zusammenhängen möchte ich gerne auf den Grund gehen.

Und davon profitieren dann auch die Kundinnen und Kunden, welche der ZKB ihre Gelder zum Anlegen anvertrauen.

Das ist das klare Ziel. Oft gehört die ZKB bei Firmen zu den Top-10-Investorinnen in der Schweiz. Unsere Anliegen haben deshalb beim Management entsprechend Gewicht. Wenn die Fondsleitung ihr Mitspracherecht als engagierte Aktionärin aktiv ausübt, stärken wir zudem die Glaubwürdigkeit unserer Anlageprodukte – schliesslich können unsere Kundinnen und Kunden jederzeit sehen, wie abgestimmt worden ist und was wir in Sachen Nachhaltigkeit machen. Stewardship ist aber auch Teil des Risikomanagements der Bank, wenn wir mögliche Kontroversen bei unseren Investments erkennen, bevor sie zu einem echten Problem werden. 

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